„Das sind sehr unglückliche und törichte Aussagen“ – Arzt kritisiert Movistar und Uijtdebroeks’ Aussagen zu hohem Fieber und warnt zugleich

Radsport
Mittwoch, 08 Juli 2026 um 14:15
Cian Uijtdebroeks
Ein Sportarzt hat seine Überraschung über die Erklärung von Cian Uijtdebroeks und Movistar zu dessen Fieber bei der Tour de France offen geäußert.
Der junge Gesamtwertungsaspirant ist schon zum Auftakt der Grande Boucle ins Hintertreffen geraten. Im Mannschaftszeitfahren über 19,6 km fiel er am vorletzten Anstieg zurück – ein deutliches Zeichen, dass etwas nicht stimmte.
In den folgenden Etappen verlor er ebenfalls Zeit auf die Gesamtklassement-Favoriten, was in Normalform nicht zu erwarten wäre. Fahrer und Team bestätigten daher, dass er unter Magen-Darm-Problemen leidet.
Vor Etappe 4 erklärte Movistar-Sportdirektor Jurgen Roelandts, Uijtdebroeks habe eine harte Nacht mit Magen-Darm-Beschwerden und Durchfall hinter sich. Man spreche von einer gastrointestinalen Infektion, die durch die hohen Temperaturen zusätzlich erschwert werde.
Zum Fieber sagte Roelandts, es liege knapp unter 37,5 Grad Celsius; ab diesem Wert wäre ein Start ausgeschlossen, weshalb das Team die Lage engmaschig überwache.

Cian Uijtdebroeks’ Tour-de-France-Fieber

„Mit mehr als 37,5 Grad wäre er definitiv nicht gestartet. Heute waren es 37,3. Das ist eher fiebrig als Fieber, aber es ist an der Grenze.“ sagte Roelandts bei Sporza.
Der belgische Sportarzt Tom Teulingkx, Vorsitzender des belgischen Verbands für sport- und vorsorgemedizinische Ärzte, kritisierte das Vorgehen jedoch als kontraproduktiv und als Rückschritt beim Thema Athletengesundheit.
„Ich bin fast vom Stuhl gefallen, als ich das hörte“, sagte er dem Het Nieuwsblad. „Wir dachten, Fahrer und Teams hätten es inzwischen verstanden: Mit Fieber treibt man keinen Sport. Offenbar sind wir wieder am Anfang.“

Teulingkx über Uijtdebroeks’ gastrointestinale Infektion

Teulingkx nahm auch Aussagen des Belgiers ins Visier, wonach das Fahren mit solchem Fieber vertretbar sei, weil andere Profis dies in früheren Rennen ebenfalls getan hätten.
„Cian ist ein intelligenter junger Mann, aber das sind sehr unglückliche und törichte Aussagen“, sagte er.
Warnend erläuterte Teulingkx, dass das Fahren mit Fieber infolge einer gastrointestinalen Infektion deren Ausbreitung begünstigen und zusätzlichen Schaden anrichten könne.
Er ergänzte: „Neunzig Prozent der gastrointestinalen Infektionen sind viral. Bei Belastung wird viel Blut durch den Körper gepumpt, was die Gefahr erhöht, dass sich das Virus weiter verbreitet. Und das Organ, in dem sich ein solches Virus gerne festsetzt, ist das Herz.“
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