Jonas Vingegaard ist mit vielen Baustellen zum Giro d’Italia angereist. Im Doppel mit der
Tour de France peilt der Däne einen Gesamtsieg an, will seinen Status als zweiter Favorit hinter Tadej Pogacar festigen und das idealerweise früh im Rennen erledigen, um die Vorbereitung auf das Juli-Ziel zu optimieren.
Viele vermuteten, dass
Team Visma | Lease a Bike die erste und zweite Woche kontrollieren wolle, damit Vingegaard in einem Giro mit schwerem Finaldrittel nicht in einen offenen GC-Schlagabtausch gerät. Weitgehend ist das aufgegangen: Vingegaard holte zwei Etappensiege, während Sportdirektor Marc Reef Kritik an den Auftritten seines Kapitäns zurückwies.
Afonso Eulálio liegt über zwei Minuten vor ihm, doch noch brisanter für Vingegaard: Felix Gall hat nur 35 Sekunden Rückstand und zeigte bei zwei Bergankünften ein Niveau nahe am dreifachen Grand-Tour-Sieger, jeweils nur wenige Sekunden hinter ihm im Ziel.
Mit Blick auf die zehnte Etappe am Dienstag wird Vingegaards aktuelle Form infrage gestellt, da die Zeitabstände zu seinen engsten Rivalen geringer ausfielen als erwartet – zumal er in früheren großen Rundfahrten zu Beginn oft überragend war.
Dekker sorgt sich um die Tour de France
„Gibt es bei Team Visma | Lease a Bike so viel Selbstvertrauen, dass sie die i-Tüpfelchen und Kreuzchen nur zu neunzig Prozent gesetzt haben? Das hoffe ich eigentlich“, sagte Ex-Profi und Kommentator
Thomas Dekker im Podcast Live Slow, Ride Fast.
Er frotzelte: „Wenn er so fährt wie jetzt, wird das ganz sicher keine spannende Tour de France.“
Nachdem Vingegaard in dieser Saison den Trainer gewechselt hat und der Giro-Start einen großen Bruch in seiner Tour-Vorbereitung bedeutet, zeigte er in Woche eins nicht seine „giftige“ Seite. Obwohl die Form „solide“ ist, betonte Dekker, dass Vingegaard zulegen müsse, um bei der Tour de France um den Sieg zu fahren.
„Vielleicht haben sie die Trainingsblöcke heruntergefahren und gesagt: ‚Das ist das Paket, mit dem du diesen Giro d’Italia bestreitest.‘ Und der Rest kommt später. Hoffen wir es, denn ich erinnere mich an den Vingegaard der letzten zwei Tour-Ausgaben und daran, wie stark er damals aus den Startlöchern kam.“
„Das ist nicht der angriffslustige Vingegaard aus der ersten Woche der vergangenen zwei Tours. Es ist vor allem solide. Die Beschleunigung ist da, aber er muss sich schnell finden. Es ist natürlich sehr eindrucksvoll, den Blockhaus in 38 Minuten hochzufahren, aber es ist vor allem sehr nüchtern.“