„Das ist ein verzweifelter Schritt der INEOS Grenadiers“ – Führende britische Radsport-Persönlichkeit stellt Oscar Onleys Wechsel infrage
Radsport
Oscar Onleys Wechsel zu INEOS Grenadiers wirkte auf den ersten Blick wie der logische nächste Schritt für einen Fahrer, der gerade Vierter bei der Tour de France geworden war. Ein britischer Kletterer, der in Großbritanniens dekoriertestes Team wechselt: schlüssig, ambitioniert, zur rechten Zeit.
Brian Smith sieht das ganz anders. Im road.cc-Podcast sagte der frühere Profi, Teammanager und langjährige Kommentator nicht Onleys Fähigkeit den Kampf an. Er stellte vielmehr die Umstände des Wechsels infrage, das Timing und das Umfeld, in das der 23-Jährige in einer Schlüsselphase seiner Entwicklung eintritt.
„Oscar Onley hätte nicht zu INEOS gehen sollen.“ Dieser Satz rahmt alles ein, was folgt.
Das Team, bei dem er Onley gesehen hätte
Smith machte klar, dass Picnic PostNL aus seiner Sicht der ideale Ort gewesen wäre, um Onleys Aufwärtstrend nach seiner Durchbruch-Tour fortzusetzen. „Ich hätte ihm geraten, bei Picnic-PostNL zu bleiben. Und das Team hätte in zwei oder drei Fahrer investieren können, was sie mit James Knox auch getan haben.“
Er ist überzeugt, dass das Umfeld um Onley in der vergangenen Saison entscheidend war, warum der Schotte so frei zu Platz vier in Paris fahren konnte. „Ich habe das Gefühl, Picnic-PostNL hat ihn entwickelt, und es ist eine Gruppe, in der er sich wohlfühlte, eher ein Familien-Team, das ihn unterstützte und von ihm verlangte, sein Bestes zu geben.“
Dieses Klima unterscheidet sich aus seiner Sicht deutlich von dem, in das Onley jetzt wechselt. „Und nun ist er diesem Umfeld entrissen, in eines, in dem es heißt: ‚Wir müssen liefern‘.“
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Ein sehr später Wechsel
Smith legte zudem offen, wie spät der Transfer über die Bühne ging. „Man ließ mich glauben, dass das so spät am Tag passiert ist, dass Oscars Flug zum Tour Down Under bereits bezahlt war, so spät war das.“
Für ihn ist dieses Timing bezeichnend. Es wirkt nicht wie ein langfristig, sorgfältig geplanter Aufbau. Es wirkt dringlich. „Okay, es ist viel Geld. Aber ich halte es für einen verzweifelten Schritt der INEOS Grenadiers, weil sie unter enormem Druck stehen, bei Grand Tours zu liefern, vor allem bei der Tour de France. Wenn die Zahlen, die ich gesehen habe, stimmen, ist es eine enorme Summe, um einen Fahrer aus seinem Vertrag herauszukaufen.“
Dieser Druck ist für Smith die eigentliche Geschichte hinter dem Wechsel.
„Druck. Druck ist das Wort“
Auf die Bitte um eine Kurzfassung seiner Sorge zögerte Smith nicht. „Druck. Druck ist das Wort.“
Er hält das für den größten Unterschied zwischen dem Umfeld, das Onley verlässt, und dem, dem er sich nun anschließt. „Und das große Thema, das er haben wird, das er bei Picnic aus meiner Sicht nicht gehabt hätte, ist der Druck.“
Bei Picnic PostNL durfte Onley in die Führungsrolle hineinwachsen. Bei INEOS kommt er in ein Team, das sofort einen Anführer braucht.
Die Realität der Ära, in die er eintritt
Smith umschrieb die sportliche Herausforderung so klar wie möglich. „Kann Oscar Onley Pogacar, Vingegaard und Evenepoel schlagen? Das ist die große Frage.“
Seine Antwort ist pragmatisch, nicht abwertend. „Ich denke, er sollte eher auf einen Giro oder eine Vuelta schauen, wenn er für sie eine Grand Tour gewinnen will.“
Diese Sicht deckt sich weitgehend mit Onleys jüngsten Aussagen über die Lücke zur absoluten Spitze und die realistischen Wege zum ersten Grand-Tour-Sieg. Der Unterschied: INEOS definiert sich vor allem über ein Rennen. „Der Druck auf ihn, eine große Leistung abzuliefern, wird enorm sein. Kann er das? Ich hoffe es. Aber er trifft auf Anomalien im Radsport, wohl die stärkste Grand-Tour-Ära aller Zeiten.“
Darin liegt die Balance in Smiths Einschätzung. Unterstützung für den Fahrer. Zweifel an den Umständen.

Onley wurde 2025 Vierter bei der Tour de France – sein Durchbruch
Eine unterbrochene Entwicklungskurve
Onleys vierter Platz bei der Tour de France kam nicht aus dem Nichts. Er folgte auf eine Saison, in der Picnic PostNL seinen gesamten Ansatz um ihn herum strukturiert hatte. Rollen im Team, Rennprogramme und Taktik dienten seiner Weiterentwicklung.
Smith ist überzeugt, dass dieser Prozess noch lief.
Aus seiner Sicht unterbricht der Wechsel zu INEOS diese Kurve. Ein Fahrer, der noch auslotet, wozu er fähig ist, tritt in ein Team ein, in dem Geduld nicht zum Wortschatz gehört.
Er ist nicht mehr der geschützte Fahrer. Er ist der Fahrer, der liefern muss.
Der Unterschied zwischen Potenzial und Erwartung
Smiths Sorge betrifft nicht die Frage, ob Onley eines Tages eine Grand Tour gewinnen kann. Es geht darum, ob dies der richtige Moment und der richtige Ort ist, um diesen Weg fortzusetzen.
An Onleys Talent zweifelt er nicht. Am Umfeld schon.
Der Wechsel von einem „Familien-Team“ zu einem „Wir-müssen-liefern“-Team ist aus seiner Sicht das zentrale Risiko. Ein Fahrer, der wachsen durfte, muss nun unter dem grellsten Scheinwerferlicht des britischen Radsports performen.
Und deshalb ist Brian Smith in aller Deutlichkeit überzeugt, dass Oscar Onley genau dort hätte bleiben sollen, wo er war.

Franco PerezRedakteur
Franco Perez ist seit 2025 Redakteur bei Radsportaktuell.de und arbeitet von Deutschland aus. Er berichtet über den professionellen Radsport mit Schwerpunkt auf der WorldTour, den großen Klassikern und den Grand Tours – darunter die Tour de France, der Giro d’Italia und La Vuelta a España – sowie über den internationalen Cyclocross-Kalender. Seine Arbeit umfasst Vorberichte und Rennberichte, in denen er Renndynamik, Taktik und Entwicklungen im Peloton klar und nachvollziehbar einordnet.
Neben eigenen Beiträgen unterstützt Franco die Redaktion vor allem redaktionell: Er überarbeitet Texte, strukturiert Inhalte und achtet auf Konsistenz und Qualität, damit Berichte präzise, verständlich und sachlich belastbar bleiben. In seiner redaktionellen Arbeit legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Also bitte, 1 MRT und man weiß bescheid. Vorausgesetzt die Ärzte sind keine Vollpfosten. Ich schreibe das, weil schon wieder PPNl das Thema ist.Wurm30-10-2026
- Wer ist Kimi Antonelli und hat Mercedes jetzt ein Radteam?Wurm29-10-2026
- Sorry für meine Vertipper. Seltsam, dass man nichtmal 5 Minuten lang editieren kann.Wurm25-10-2026
- Ich bon etwas verwirrt, das ganze Jahr hieß es "Ineos hat mit Netcompany nen 100 Millionen Euro Fisch an Land gezogen. Plus das Total Enerfie Geld sollte doch genug vorhanden sein. Oder hat ne absurde Ablöse für Onley alles verbraucht? Dann sollte dwe Verantwortliche evtl gehangen werden ;)Wurm25-10-2026
- Hoffe sie setzen sich durch, ist überfällig und so kann's ja echt nicht weitergehen.Bonos10-10-2026
- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
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- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
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