Tadej Pogacar und UAE Team Emirates – XRG haben in der ersten Hälfte der
Tour de France 2026 ihren Griff auf das Rennen weiter angezogen. Ihre Dominanz hat die Diskussion um eine Gehaltsobergrenze wieder ins Zentrum des Sports gerückt.
Tour-de-France-Direktor
Christian Prudhomme hat öffentlich für ein Eingreifen plädiert und bestätigt, dass Gespräche zwischen Veranstaltern,
UCI, Teams und Fahrern laufen.
„Wir sind eindeutig dafür“, sagte Prudhomme The Athletic. „Das ist eine Praxis, die im französischen Rugby bereits angewandt wird. Es finden Gespräche mit der UCI, den Fahrern, den Teams und uns statt.“
„Im Moment verpflichten die drei oder vier reichsten Teams alle besten jungen Fahrer“, führte er aus. „Damit echter Wettbewerb entsteht, müssen die vielversprechendsten Fahrer auf mehr verschiedene Mannschaften verteilt werden.“
UAE als naheliegender Bezugspunkt
Pogacar bleibt der dominierende Fahrer des Pelotons, doch die Stärke von UAE reicht weit über ihren Tour-Kapitän hinaus. Isaac del Toro hat sich zum Grand-Tour-Anwärter entwickelt, zudem ist der Kader gespickt mit Fahrern, die große Rennen anführen oder als erstklassige Helfer agieren können.
Diese Tiefe erlaubt es UAE, über den gesamten Kalender konkurrenzfähig zu sein, ohne die Tour-Struktur zu verwässern – und weiterhin Fahrer zu verpflichten, die anderswo Führungsrollen beanspruchen würden.
„Sie haben die Mittel, jedes Jahr die besten Fahrer zu verpflichten“, sagte Prudhomme. „Also muss das Gleichgewicht wiederhergestellt werden. Aber ich kann nicht sagen, ob in den kommenden Jahren eine Lösung gefunden wird.“
Der Vorteil beschränkt sich nicht auf Verträge. Entwicklungsprogramme, Höhencamps, Ernährung, Material, Coaching und Spezialpersonal vergrößern die Lücke zwischen den reichsten Teams und dem Rest zusätzlich.
Christian Prudhomme on stage 1 of the 2026 Tour de France
UCI-Vorschlag fand keine Unterstützung der Teams
Die Debatte ist längst über das Theoretische hinaus. Im März 2024 billigte der Professional Cycling Council der UCI das Prinzip einer Budgetobergrenze für Teams, um der wachsenden finanziellen Kluft im WorldTour-Peloton zu begegnen. Der Zeitplan zielte auf den Lizenzzyklus 2026–2028.
Der Plan stockte, nachdem die Teams ihn ablehnten. UCI-Präsident
David Lappartient erklärte später, ein Teil des Widerstands sei von kleineren Mannschaften ausgegangen.
Ein diskutiertes Modell sah statt einer fixen Obergrenze eine Luxussteuer vor. Teams könnten einen vereinbarten Schwellenwert überschreiten, müssten dann aber einen Teil der Mehrausgaben innerhalb des Pelotons umverteilen.
Prudhomme spricht von einer Gehaltsobergrenze, während die UCI breiter an Team-Budgets ansetzt. Der Unterschied entscheidet, ob die Regulierung nur Fahrergehälter oder die gesamte Performance-Struktur abdeckt.
Das Sponsorenmodell des Radsports bleibt das Hindernis
WorldTour-Teams sind weiterhin in hohem Maß von Titelsponsoren abhängig – ohne zentrale TV- und Vermarktungserlöse, wie sie viele Sportarten mit Gehaltsobergrenzen kennen.
Das macht die Politik heikel. Ausgabendeckel schaffen keine neuen Einnahmen, sichern keine Sponsoren und garantieren nicht, dass kleinere Teams stabiler werden. Die Kontrolle jedes Systems wäre ebenso komplex. Prämien, Bildrechte, persönliche Sponsoren, Development-Teams sowie geteiltes Personal zwischen Männer- und Frauenprogrammen müssten erfasst werden.
Zudem stellt sich die Frage, ob eine Obergrenze Talent breiter streut oder lediglich Fahrergehälter drückt, während die bestfinanzierten Organisationen ihre Vorteile an anderer Stelle behalten.
UAE agiert nicht allein oberhalb des Pelotonschnitts. Team Visma | Lease a Bike, Red Bull – BORA – hansgrohe, Lidl – Trek und INEOS Grenadiers verfügen ebenfalls über Ressourcen, die vielen Rivalen fehlen.
Pogacars Überlegenheit lässt sich nicht allein auf das Budget reduzieren, doch UAE kann ihn mit Leadern, Talenten und Elite-Helfern umgeben – das macht die Mannschaft zum deutlichsten Beispiel in Prudhommes Argumentation. Der erste Anlauf der UCI endete ohne Einigung. Prudhomme hat das Thema nun neu aufgemacht, während Pogacar und UAE das Wettbewerbsungleichgewicht im Radsport weiter ins grelle Licht rücken.