„Wenn es so weitergeht, kann ich nicht mehr dabei sein“ – Jonas Vingegaard dachte über Rücktritt nach

Radsport
durch Nic Gayer
Montag, 13 Juli 2026 um 13:43
Jonas Vingegaard
Jonas Vingegaard stand nach der Saison 2025 offenbar kurz davor, Visma - Lease a Bike zu verlassen und seine Karriere als Radprofi zu beenden. Erst ein offenes Gespräch mit der Teamführung brachte die entscheidende Wende und führte zu Veränderungen, die sich für den Dänen als erfolgreich erwiesen haben.
Sportlich verlief das Jahr 2025 für Vingegaard wechselhaft. Zwar feierte er mehrere Erfolge, doch bei der Tour de France verpasste er erneut sein großes Ziel und musste sich abermals Tadej Pogacar geschlagen geben. Zum versöhnlichen Abschluss der Saison dominierte er jedoch die Vuelta a España und sicherte sich dort den Gesamtsieg.

Vingegaard stellte seine Zukunft infrage

Im darauffolgenden Winter spitzte sich die Situation zu. Vingegaard forderte eine grundlegende Anpassung seiner Saisonplanung, nachdem für das Team deutlich geworden war, wie unzufrieden der Däne im Verlauf des Jahres gewesen war. In mehreren Gesprächen einigten sich beide Seiten schließlich auf einen neuen Weg.
Jonas Vingegaard in Aktion bei der Tour de France 2026.
Jonas Vingegaard spricht offen über seine Zweifel nach der Saison 2025 und den neuen Weg, den er gemeinsam mit Visma - Lease a Bike eingeschlagen hat.
„Ich habe letztes Jahr gesagt: Wenn es so weitergeht, kann ich nicht mehr dabei sein“, erklärte Vingegaard am Sonntag gegenüber dem dänischen Sender TV2.
„Deshalb haben wir auch einige Dinge geändert. Ich glaube, das Team hat erkannt, dass es so war, und sie haben mir auch angemerkt, dass ich letztes Jahr nicht glücklich war. Sie haben akzeptiert, dass wir etwas ändern müssen – und das haben wir getan.“

Mehr Mitspracherecht bei der Saisonplanung

Als entscheidenden Bestandteil der Veränderungen nennt Vingegaard vor allem die größere Autonomie bei der Gestaltung seines Rennprogramms. Seine Saison 2026 wurde nach einem neuen Ansatz geplant, wobei die Tour de France weiterhin im Mittelpunkt stand.
Für Vingegaard bedeutete das zugleich sein Debüt beim Giro d’Italia. Dort komplettierte er seine Sammlung an Grand-Tour-Gesamtsiegen, nachdem er im Mai souverän das Rosa Trikot erobert hatte.
„Ich finde generell, man sollte es individueller betrachten – was dem einzelnen Fahrer am besten liegt“, sagte Vingegaard.
„Damit der Radsport wieder nachhaltiger wird, ist es wohl der richtige Weg, für alle Fahrer individuelle Programme zu erstellen. Wenn es belastend ist, so lange weg zu sein, muss man etwas anderes machen. Genau das haben wir dieses Jahr bei mir umgesetzt.“

„Ich bin viel glücklicher als Radprofi“

Das größere Mitspracherecht hat Vingegaard nach eigener Aussage neue Energie gegeben. Der Däne empfindet seine Situation mittlerweile deutlich positiver, sieht den eingeschlagenen Weg jedoch noch nicht als abgeschlossen an.
„Ich bin viel glücklicher als Radprofi“, erklärte Vingegaard. „Wir sind einen Schritt in die richtige Richtung gegangen, aber klar ist: Es ist nur ein Schritt.“
Trotz des veränderten Ansatzes findet sich der Kapitän von Visma - Lease a Bike bei der Tour de France in einer vertrauten Ausgangslage wieder: hinter Tadej Pogacar, aber mit deutlichem Vorsprung auf den Rest des Feldes. Am ersten Ruhetag beträgt sein Rückstand auf den Slowenen 2:42 Minuten. Aufgeben will Vingegaard dennoch nicht.
„Viele mögen das denken, ich nicht“, sagte er. „Ich lag bei der Tour de France schon zurück und habe sie trotzdem gewonnen. Ich glaube weiterhin, dass es möglich ist. Ich habe vor, bis Paris dafür zu kämpfen.“
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