Wout Van Aerts offensive Fahrweise bei In Flanders Fields schien zunächst den entscheidenden Treffer zu setzen: Am Kemmelberg folgte er
Mathieu van der Poel und formte mit ihm eine Zweiergruppe, die den Rennverlauf kurzfristig neu bestimmte.
Für einen Moment lief alles auf ein direktes Duell der beiden Erzkonkurrenten hinaus. Stattdessen rückte das Peloton in den Schlusskilometern rasch wieder heran und verwandelte eine aussichtsreiche Siegposition in ein Beinahe-Ergebnis. „Das Gefühl war gut, ich konnte Mathieu am letzten Kemmelberg folgen. Ich dachte, wir hätten eine gute Chance, wegzubleiben. Aber es hat knapp nicht gereicht“, sagte Van Aert anschließend im Gespräch mit
Sporza.
Kemmelberg-Attacke eröffnet die Chance
Van Aerts Beschleunigung am Kemmelberg war der entscheidende Moment für die Bildung der Spitzengruppe. Er setzte sich gemeinsam mit Van der Poel und Florian Vermeersch ab, bevor das Rennen unter dem steigenden Druck erneut auseinanderfiel.
Nur Van der Poel konnte mit ihm über die Kuppe gehen. Das bestätigte die Wucht der Attacke - und Van Aerts Fähigkeit, im entscheidenden Moment mitzuhalten. Beide investierten anschließend konsequent in ihren Vorstoß, doch der Vorsprung stabilisierte sich nie vollständig.
Taktische Waage kippt gegen Van Aert
Trotz der guten Zusammenarbeit an der Spitze bestimmte die Rennkonstellation maßgeblich das Ergebnis. „Aber Mathieu hatte den Luxus, dass Philipsen noch hinter ihm war. Dadurch konnte er gegen Ende etwas defensiver fahren.“
Dieses Ungleichgewicht wurde im Finale immer deutlicher. „Die Kooperation mit Mathieu war gut, aber er hatte den Luxus, dass Philipsen noch hinter ihm war, wodurch er am Ende etwas defensiver fahren konnte. Das war zu meinem Nachteil und machte den Unterschied.“
Mit Alpecin als zweite taktische Option im Feld lag der Druck bei schwindendem Vorsprung zunehmend auf Van Aert. „Das war im Finale ein Stück weit zu erwarten, weil das Peloton schnell zurückkam.“
Ermutigung trotz knapp verpasster Chance
Das Wiederzusammenlaufen in den letzten Kilometern beendete eine realistische Siegchance - auch zuhause blieb das nicht unbemerkt. „Mein ältester Sohn war offenbar auch enttäuscht“, erklärte Van Aert.
Trotzdem fiel sein Gesamtfazit klar aus. „Ich bin zufrieden damit, wie ich fahren konnte. Das Resultat blieb aus, aber es war trotzdem ein guter Tag.“
Nach seinem Podium bei Milano-Sanremo und einem weiteren starken Auftritt an der Spitze hier spiegelt das Ergebnis sein Niveau vielleicht noch nicht vollständig wider, doch seine Form stimmt - passend zu den kommenden Höhepunkten der Frühjahrsklassiker.