„Daran sind wir nicht gewöhnt“ – Soudal - Quick-Step stellt mit der längsten Wartezeit auf den ersten Sieg einen Negativrekord auf

Radsport
Donnerstag, 12 Februar 2026 um 12:15
Magnier
Nach 37 Renntagen sind die Zahlen eindeutig. Soudal - Quick-Step wartet 2026 weiterhin auf den ersten Sieg – die längste Durststrecke zu Saisonbeginn seit Beginn der modernen Teamära 2003. Für eine Mannschaft, die von frühem Schwung lebt, ist das Neuland.
„Das sind wir nicht gewohnt“, räumte CEO Jurgen Fore im Gespräch mit HLN ein und benannte den Unmut ohne Umschweife. „Wir sind ein Team, das gern gewinnt. Und wenn wir das nicht tun, müssen wir es auch so benennen.“
Die Ehrlichkeit zählt. Das ist keine Kollaps-Erzählung, aber ein Eingeständnis, dass der Funke noch nicht übergesprungen ist.

Knapp daneben statt abgetaucht

Einordnung ist wichtig. Quick-Step war nicht unsichtbar. Paul Magnier wurde Zweiter bei der Clasica Comunitat Valenciana, das bislang beste Resultat. Junge Fahrer prägen die Rennen, und Platzierungen bei frühen WorldTour-Events zeigen eine Mannschaft, die antritt statt sich zu verstecken.
Diese Differenzierung untermauert Fores Ruhe. „Siegen macht alles ein bisschen komfortabler“, sagte er und fügte lachend hinzu, dass er sich daran nicht gewöhnen wolle. Der interne Maßstab bleibt unverändert, auch wenn die Ergebniszeile noch hinterherhinkt.

Wo es bislang hakte

Der rote Faden des zähen Starts liegt eher in der Verfügbarkeit als im Ehrgeiz. Zwei der verlässlichsten Quellen für Frühjahressiege fehlten nahezu komplett.
Magnier bestritt ein Rennen, bevor ihn eine Krankheit stoppte. „Er fühlte sich nicht top und hatte nicht seine normale Endschnelligkeit“, erklärte Fore und ergänzte, der Franzose trainiere wieder voll und gebe in der Algarve sein Comeback.
Schwerer wiegt das Fehlen von Tim Merlier, der 2026 wegen Knieproblemen noch nicht gestartet ist. „Wir vermissen ihn enorm“, so Fore. „Mit seinem aktuellen Rückstand muss man sechs bis acht Wochen einkalkulieren, bis er wirklich konkurrenzfähig ist.“
Damit fällt eine der verlässlichsten Frühform-Garantien im Peloton weg.
Dazu kommen Erkrankungen bei Alberto Dainese, ein schwerer Sturz von Laurenz Rex sowie eine Kette kleinerer Blessuren und Magenprobleme im Kader – das Bild wirkt weniger rätselhaft. „Es war sicherlich nicht fehlerfrei“, räumte Fore ein.
Paul Magnier in Aktion für Soudal - Quick-Step in der Saison 2025
Magnier soll 2026 ein wesentlicher Erfolgsgarant für Quick-Step sein

Warum Panik verfrüht wäre

Trotz des unerwünschten Rekords sieht die Teamführung kein strukturelles Problem. „Es sind keine großen Dramen“, sagte Fore. „Abgesehen von Merlier und Rex fällt niemand langfristig aus.“
Der größere Kontext stützt diese Sicht. Mehrere etablierte Leader stehen erst vor ihren Saisondebüts. Jasper Stuyven und Dylan van Baarle kehren nach Höhentraining zurück, andere wie Mikel Landa, Ethan Hayter und Ilan Van Wilder steigen gerade erst ins Renngeschehen ein.
„Wir hoffen, nach und nach alle zurückzubekommen, damit wir ab nächster Woche die Wende schaffen“, sagte Fore. „Das Team vom Vorjahr, mit dem wir am Ende 56 Siege eingefahren haben, ist nochmals verstärkt. Ich wüsste nicht, warum es jetzt nicht funktionieren sollte.“

Ein schwieriger Start, kein Stigma

Für ein Team, das gewohnt ist, früh zuzuschlagen, ist das Warten ungewohnt und historisch auffällig. Die Basisindikatoren deuten jedoch noch nicht auf einen Abstieg hin. Junge Fahrer rücken nach, Schlüsselfiguren stehen vor dem Einstieg, und die Verletztenliste dünnt sich eher aus, als dass sie wächst.
Der erste Sieg 2026 für Quick-Step wird kommen – früher oder später. Dann dürfte dieses Auftaktkapitel eher als holprige Anpassungsphase gelten, in einer Saison, die schlicht gegen den Strich begann, statt als Krise.
Vorerst fassen Fores Worte die Stimmung am besten: Es reibt. Es ist ungewohnt. Aber es ist noch kein Urteil.
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