Remco Evenepoel startet nicht in das Zeitfahren der
UAE Tour 2026 auf Etappe 2 mit dem Bedürfnis, seine Stärke gegen die Uhr zu beweisen. Drei WM-Titel in Serie, Olympiagold und eine lange Liste dominanter Zeitfahrauftritte haben diese Debatte längst entschieden.
Spannender vor Etappe 2 ist vielmehr, dass man bei
Red Bull - BORA - hansgrohe fest davon überzeugt ist, dass Evenepoels Zeitfahr-Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft ist.
Dominanz ist nicht das Endziel
Diese Überzeugung kommt von
Dan Bigham, Head of Performance Engineering bei Red Bull und einer der unscheinbarsten, zugleich einflussreichsten Figuren in der neuen Teamstruktur. Im Gespräch mit
Het Nieuwsblad wich Bigham einer klaren Einordnung von Evenepoels Stellenwert in der Disziplin nicht aus.
Evenepoel ist bei Red Bull mit bislang 6 Siegen stark gestartet
„Für mich ist Remco der beste Zeitfahrer der Welt, wahrscheinlich sogar aller Zeiten“, sagte er.
An der Oberfläche klingt das wie die Bestätigung des Offensichtlichen. Bighams ausführlichere Erklärung zeigt jedoch, warum Red Bull Evenepoels aktuelles Niveau nicht als Endpunkt betrachtet, sondern als Fundament.
„Wenn du immer dasselbe machst, trittst du nur auf der Stelle“, sagte Bigham und beschrieb damit eine Philosophie, die Red Bulls Ansatz bei Material, Position und Pacing prägt.
Im Mittelpunkt steht keine radikale Neuerfindung, sondern die stetige Verfeinerung der Effizienz. Bigham versteht seine Rolle schlicht darin, Fahrer schneller zu machen, „ohne dass sie mehr Leistung erbringen müssen“. Dafür setzt er Wissenschaft gezielt bei Aerodynamik, Übersetzung, Reifenwahl und Rennausführung ein. Für einen Fahrer an der Spitze des Sports entscheidet genau dieser Unterschied.
Warum Evenepoel perfekt in den Prozess passt
Ein zentraler Teil von Red Bulls Zuversicht liegt in Evenepoel selbst. Laut Bigham macht die Mentalität des Belgiers die Suche nach Marginal Gains praktikabel statt theoretisch.
„Er ist offen, denkt progressiv und ist hoch motiviert“, sagte Bigham. „Im Windkanal ist er immer bereit, Neues auszuprobieren.“
Diese Bereitschaft bedeutet kein blindes Abnicken. Bigham räumte ein, dass Evenepoel anfangs bei einigen Neuerungen – speziell bei der Übersetzung – zurückhaltend war. Entscheidend sei jedoch das Vertrauen in Daten statt in Bauchgefühl. „Viele meinen, man brauche Selbstvertrauen, um so einen großen Gang zu fahren, aber das ist Unsinn“, erklärte er. „Du musst der Wissenschaft vertrauen.“
Kleine Anpassungen, spürbare Gewinne
Zu den bereits umgesetzten Veränderungen zählen Feinarbeiten an Kleidung und Antriebsstrang, unterstützt durch Red-Bull-Simulationstools aus der Formel 1. Das Ziel bleibt klar: Effizienz statt Showeffekt. Geradere Kettenlinien, geringere Antriebsverluste und präziseres Pacing auf kurzen, schnellen Abschnitten sollen messbare Vorteile bringen.
Bigham äußerte sich auch eindeutig zu Evenepoels körperlichem Profil.
„Ich kenne niemanden im Peloton, der so aerodynamisch ist wie er“, sagte er und hob hervor, dass die Kombination aus hoher Leistung in extrem effizienter Position selbst auf WorldTour-Niveau eine Seltenheit bleibt.
Warum das jetzt zählt
Evenepoel startet mit kleinem Rückstand auf Isaac del Toro aus Etappe 1 in das UAE-Tour-Zeitfahren. Doch Red Bulls interner Fokus reicht weit über das Zurückholen von Sekunden in Abu Dhabi hinaus. Das Rennen dient als früher Referenzpunkt in einer Saison, die konsequent auf langfristige Ziele ausgerichtet ist.
Das erklärt auch, warum Bighams Schlusswort ebenso aufschlussreich ausfiel wie sein Lob. „Immer. Darum geht’s“, sagte er auf die Frage, ob weitere Fortschritte noch möglich seien.
Für einen Fahrer, der die Disziplin bereits dominiert hat, ist dieser Glaube vielleicht die wichtigste Aussage. Evenepoel mag der Maßstab gegen die Uhr sein – doch in Red Bulls Performance-Gruppe gilt klar: Der Beste zu sein heißt nicht, stehenzubleiben.
Und wenn in den VAE die Uhr anläuft, könnte genau diese Haltung ebenso entscheidend sein wie die reine Geschwindigkeit.