„Aus meinen Rückschlägen habe ich viel mehr gelernt“ – Giulio Pellizzari blickt auf den schmerzhaften Einbruch beim Giro zurück, Red Bull unterstützt sein Comeback 2027
Radsport
Giulio Pellizzari gewann 2026 sechs Rennen, darunter den größten Rundfahrtsieg seiner Karriere. Doch der 22-jährige Italiener glaubt, dass ihn die Rückschläge mehr gelehrt haben als all diese Erfolge. Eine Krankheit machte seine Ambitionen beim Giro d'Italia zunichte, Kritik erschwerte es ihm, Freude am Radsport zu finden, und aus einer weiteren Durchbruchssaison wurde eine Prüfung, wie er mit den Erwartungen an seinen rasanten Aufstieg umgehen würde.
Red Bull - BORA - hansgrohe hält an seinen Ambitionen für die Grand Tours 2027 fest. Pellizzari hat nun darüber nachgedacht, warum sich die Erfahrungen letztlich als wertvoll erweisen könnten.
„Es war eine entscheidende Saison für meine Entwicklung. Ich habe viel gelernt“, sagte er in einem kürzlich geführten Interview mit Domestique. „Es war großartig, einige Rennen zu gewinnen, aber ich habe viel mehr daraus gelernt, wenn die Dinge schiefgelaufen sind.“
Von Podiumsambitionen beim Giro zum Kampf um den Zieleinlauf
In den ersten Monaten des Jahres 2026 deutete wenig darauf hin, dass Pellizzaris Heim-Grand-Tour so schwierig werden würde.
Sechste Plätze beim Giro und bei der Vuelta a Espana 2025, darunter sein erster Etappensieg bei einer Grand Tour in Spanien, hatten ihn zu einem der aussichtsreichsten jungen Klassementfahrer im Peloton gemacht. Anschließend wurde er Gesamtdritter bei Tirreno-Adriatico und gewann zwei Etappen sowie die Gesamtwertung der Tour of the Alps. Damit war er der erste italienische Sieger seit Vincenzo Nibali 2013.
Red Bull setzte beim Giro auf eine Doppelspitze mit Jai Hindley und Pellizzari. Letzterer schien den gestiegenen Erwartungen zunächst gerecht zu werden. Er folgte dem späteren Sieger Jonas Vingegaard bei dessen Angriff in Bulgarien und versuchte am Blockhaus erneut, am Dänen dranzubleiben. Dieser Kraftakt kostete ihn letztlich jedoch Zeit.

Giulio Pellizzari vor der 6. Etappe des Giro d'Italia 2026
Seine Probleme gingen über diese ambitionierten Auftritte zu Beginn hinaus. Schon vor dem Giro hatte ihn eine Sehnenverletzung geplagt, anschließend beeinträchtigte eine Magen-Darm-Erkrankung seine Leistungsfähigkeit in den Bergen.
Ein fünfter Platz auf der 14. Etappe ließ kurzzeitig hoffen, dass er noch ein starkes Gesamtergebnis retten könnte. Doch zwei Tage später, am Anstieg nach Cari in der Schweiz, fiel Pellizzari zurück, während seine eigenen Teamkollegen vorne das Tempo machten. Er verlor mehr als 18 Minuten auf Vingegaard und rutschte an einem einzigen Nachmittag in der Gesamtwertung vom sechsten auf den 19. Platz ab.
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Er fuhr zur Unterstützung Hindleys bis nach Rom weiter. Hindley sicherte sich den dritten Gesamtrang, Pellizzari selbst wurde 21. und damit 15 Plätze schlechter als im Vorjahr.
Die Kritik nach diesem Einbruch traf einen Fahrer besonders hart, der bereits zwei Top-Sechs-Platzierungen bei Grand Tours vorzuweisen hatte. Zweifel daran, ob die Krankheit seine Leistungen tatsächlich erklärte, steigerten seinen Frust. Die Folgen waren noch lange nach dem Rennen spürbar.
Im September erzählte Pellizzari der La Gazzetta dello Sport, dass er begonnen hatte, mit einem Mentalcoach zu arbeiten, weil er die Enttäuschung nur schwer hinter sich lassen konnte. Er bezeichnete den Giro als schwarzes Loch in seiner Saison und räumte ein, dass ihm die Negativität die Lust aufs Radfahren genommen hatte.
Diese Erfahrungen beeinflussen nun, wie er mit dem Druck im Rennsport umgehen will. „Der Giro hat mich vieles gelehrt“, erklärte er gegenüber Domestique. „Ich habe gelernt, mit Grand Tours und verschiedenen Situationen umzugehen. Ich habe gelernt, ruhig zu bleiben, mich abzuschotten, in meiner eigenen Welt zu bleiben und mir keine Gedanken darüber zu machen, was die Leute sagen.“
Red Bull beurteilt Pellizzari nicht nach einer einzigen Grand Tour
Während der Giro einen Großteil der Diskussion über seine Saison bestimmte, machten Pellizzaris Ergebnisse bei anderen Rennen Red Bull Mut. Im Juni wurde er Zweiter der Gesamtwertung bei der Tour of Slovenia, ehe er im August die abschließende Bergetappe der Vuelta a Burgos gewann. Ein weiterer Sieg folgte bei der Deutschland Tour. Im September kam noch die Giro della Toscana hinzu, womit er die Saison mit sechs Siegen beendete.
Gegen die Konkurrenz der WorldTour fand er mit diesen Erfolgen jedoch nicht dauerhaft zu seinem Niveau vom Saisonbeginn zurück. Sein Auftritt bei den Weltmeisterschaften endete ohne Platzierung, zum Saisonabschluss wurde er bei Il Lombardia 37.
Dennoch ist Red Bulls Sportchef Zak Dempster überzeugt, dass der Italiener große Fortschritte gemacht hat, auch ohne das Giro-Ergebnis, auf das Fahrer und Team gehofft hatten.
„Bei Giulio lernt man meiner Meinung nach letztlich mehr aus schlechten Rennen oder aus Rennen, in denen man seine Ziele verfehlt, als aus einem fünften Platz oder einem Podium“, sagte Dempster gegenüber Domestique. „Wir haben definitiv einiges gelernt. Gleichzeitig hat er in diesem Jahr sechs Radrennen gewonnen, was unglaublich ist. Auch ohne das Klassement beim Giro hat er meiner Meinung nach große Fortschritte gemacht. Wir freuen uns sehr darauf, ihn nächstes Jahr wieder bei den Grand Tours zu sehen.“
Diese Rückendeckung kommt in einer wichtigen Phase von Pellizzaris Karriere. Nachdem er 2025 gezeigt hatte, dass er über drei Wochen eine hohe Platzierung in der Gesamtwertung halten kann, übernahm er 2026 mehr Verantwortung und stand unter deutlich höheren Erwartungen. Seine Siegesbilanz wächst weiter. Die größere Prüfung seiner Entwicklung wird jedoch eine weitere Gelegenheit sein, bei einer Grand Tour die Führung zu übernehmen.
Welche Rolle spielt Pellizzari in Red Bulls Plänen für 2027?
Eine Rückkehr zum Giro 2027 gilt als wahrscheinlich. Red Bull hat Pellizzaris Programm jedoch noch nicht bestätigt und auch nicht festgelegt, wie die Führungsaufgaben genau verteilt werden.
Die Konkurrenz im Team ist groß. Remco Evenepoel, Florian Lipowitz, Primoz Roglic und Hindley haben allesamt ihre Klasse bei Grand Tours bewiesen. Red Bull stehen damit mehrere mögliche Aufstellungen für Giro, Tour de France und Vuelta a Espana offen.
Der frühere Giro-Sieger Nibali hat Pellizzari ermutigt, seine Enttäuschung zu überwinden. Bei der jüngsten Präsentation der Strecke für 2027 äußerte er sich zuversichtlich über das Talent des jungen Fahrers.
Pellizzari, der später in diesem Monat 23 Jahre alt wird, will seine schwierigen Erfahrungen nutzen. „Ich hoffe, dass mir alles, was ich in diesem Jahr erlebt habe, 2027 zugutekommt“, sagte er gegenüber Domestique.
Sollte Red Bull ihn als geschützten Kapitän erneut zum Giro schicken, wären die Voraussetzungen ganz andere als 2025, als er überraschend zum Anwärter auf eine Spitzenplatzierung wurde. Er würde mit mehr Siegen, größerer Erfahrung im Umgang mit den Ambitionen eines Teams und einem Jahr im Umgang mit öffentlicher Kritik zurückkehren, das ihn gelehrt hat, was passiert, wenn diese Ziele verfehlt werden.
Die Frage ist derzeit nicht, ob Red Bull weiterhin an Pellizzaris Potenzial glaubt. Dempster hat das klargestellt. Entscheidend ist, wie viel Verantwortung ihm das Team in der kommenden Saison überträgt und ob ihm eine weitere Chance beim Giro ermöglicht, auf den Versprechen aufzubauen, die er vor seiner schwierigen Saison 2026 gezeigt hat.

Theo StodiekRedakteur
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Radsportaktuell.de und berichtet über den professionellen Radsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Liveblogs zu wichtigen Renntagen und Etappen, bei denen er das Geschehen in Echtzeit begleitet und Ergebnisse sowie taktische Entwicklungen fortlaufend einordnet. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um Teams, Fahrer und den Rennkalender.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattformen vernetzt, darunter Nicolas Gayer und Oliver Ried. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026









