Grischa Niermann steht bei
LIDL-Trek vor einer anspruchsvollen Aufgabe. Nach seinem Abschied von Visma - Lease a Bike muss sich der langjährige Sportliche Leiter nicht nur an ein neues Umfeld und veränderte Abläufe gewöhnen, sondern auch die sportliche Zukunft seines neuen Teams mitgestalten. Dabei zeichnet sich bereits für die Saison 2027 ein Problem ab, das ihm aus seiner Zeit beim niederländischen Rennstall bestens vertraut ist.
Nach mehreren erfolgreichen Jahren bei Visma - Lease a Bike hat Niermann als Chief Sporting Officer bei LIDL-Trek eine neue Herausforderung angenommen. Sein überraschender Wechsel wurde im Sommer bekannt, als der Rennstall einen umfassenden personellen Umbau einleitete. Andy Schleck übernahm die Position des CEO, während Luca Guercelina das Team verließ.
„Eine neue Herausforderung anzunehmen, ist spannend“
Seit dem 1. September ist Niermann offiziell für seinen neuen Arbeitgeber tätig. Nach etwas mehr als einem Monat im Amt hat sich der Deutsche zunächst darauf konzentriert, die internen Strukturen und Arbeitsweisen kennenzulernen. Nun richtet sich sein Blick zunehmend auf die konkrete Planung für die Saison 2027.
Grischa Niermann soll LIDL-Trek als neuer Chief Sporting Officer weiterentwickeln. Besonders die Verteilung der Kapitänsrollen für die Saison 2027 stellt den Deutschen vor eine schwierige Aufgabe.
„Es läuft gut, es ist aufregend und es gibt viel zu tun. Nach so vielen Jahren eine neue Herausforderung anzunehmen, ist spannend. Ich freue mich darauf, mit der Planung für das kommende Jahr zu beginnen und richtig loszulegen“, erklärte Niermann im Gespräch mit
Journalist Daniel Benson.
„Im Moment beobachte ich vor allem, wie die einzelnen Mitarbeiter ihre Aufgaben erledigen. Ich habe bereits einige Rückmeldungen erhalten. Mein Ziel ist es aber, meine eigenen Ideen und Erkenntnisse einzubringen, sobald wir mit der Planung für das kommende Jahr beginnen.“
Abschied von Visma - Lease a Bike: Niermann musste lange überlegen
Bei Visma - Lease a Bike hatte Niermann maßgeblichen Anteil an den Erfolgen von Jonas Vingegaard. Nach vielen gemeinsamen Jahren fiel ihm die Entscheidung, den niederländischen Rennstall zu verlassen, entsprechend schwer. Dennoch überwog letztlich der Wunsch, sich einer neuen sportlichen Herausforderung zu stellen und die ambitionierten Pläne von LIDL-Trek mitzugestalten.
„Ich habe lange und intensiv darüber nachgedacht, ob ich das Team wechseln oder für den Rest meines Lebens bei Visma und seinen Vorgängerteams bleiben sollte. Ich hatte zu allen dort ein sehr gutes Verhältnis, aber ich war bereit für eine große Herausforderung.“
„Es ist ein fantastisches Team mit großen Ambitionen. Ich möchte dabei helfen, es weiterzuentwickeln und sicherzustellen, dass wir unsere Ziele erreichen.“
Während Niermann bei Visma - Lease a Bike bereits Einfluss auf die Transferpolitik genommen hatte, soll seine Verantwortung in diesem Bereich bei LIDL-Trek künftig noch größer werden. Auf die Zusammenstellung des Kaders für 2027 konnte er allerdings kaum noch Einfluss nehmen: Die wichtigsten Personalentscheidungen waren bereits vor seiner Verpflichtung getroffen worden. Mit Felix Gall, Jordan Jegat, Igor Arrieta und Jordi Meeus sicherte sich das Team in einem geschäftigen Transferfenster gleich mehrere namhafte Verstärkungen.
Vier Kapitäne, große Ambitionen: LIDL-Trek steht vor einem Führungsdilemma
„Die Kaderplanung war mehr oder weniger abgeschlossen, bevor ich unterschrieben habe. Nicht erst, bevor ich zum Team gekommen bin, sondern tatsächlich schon vor meiner Unterschrift.“
„Im Moment gehört das noch nicht zu meinen Aufgaben innerhalb dieses Projekts. Das wird sich in Zukunft ändern. Vor allem Andy Schleck war daran beteiligt. Künftig werden wir diese Entscheidungen gemeinsam treffen.“
Insbesondere die Verpflichtung von Felix Gall verschärft eine sportliche Herausforderung, für die Niermann nun eine Lösung finden muss. Mit dem Österreicher, Juan Ayuso, Mathias Skjelmose und Derek Gee-West verfügt LIDL-Trek über gleich vier Fahrer, die als potenzielle Kapitäne für große Landesrundfahrten infrage kommen und bereits in dieser Saison bei Grand Tours im Mittelpunkt standen.
Die unterschiedlichen Ambitionen dieser Spitzenfahrer miteinander in Einklang zu bringen, dürfte zu den schwierigsten Aufgaben des neuen Chief Sporting Officers gehören. Niermann kennt diese Problematik bereits aus seiner Zeit bei Visma - Lease a Bike. Da für die Mannschaft Podiumsplatzierungen bei Grand Tours das erklärte Mindestziel sind, wird die Verteilung der Führungsrollen für 2027 besonders wichtig. Konkrete Entscheidungen sind bislang allerdings noch nicht gefallen.
„Ich bin noch nicht lange genug dabei, um beurteilen zu können, wer derzeit das größte Potenzial besitzt. Wir haben aber viele Fahrer, die zumindest das Zeug dazu haben, bei einer Grand Tour auf dem Podium zu stehen. Für die kommende Saison müssen wir sie klug einsetzen. Zunächst werden wir die Fahrer bewerten und anschließend einen entsprechenden Plan erstellen.“
„Natürlich ist es eine Herausforderung, einen Plan zu entwickeln, in dem sich jeder mit seinen eigenen Zielen wiederfindet. Das ist anspruchsvoll. Aber es ist kein Geheimnis, dass genau das auch bei Visma eine Herausforderung war.“