André Greipel feiert heute seinen 44. Geburtstag. Am 16. Juli 1982 in Rostock geboren, entwickelte sich der ehemalige Sprinter zu einem der erfolgreichsten deutschen Radprofis aller Zeiten. Seine gewaltige Beschleunigung, seine körperliche Präsenz und sein unverwechselbarer Kampfname „Gorilla“ machten ihn über viele Jahre zu einem der gefürchtetsten Fahrer im Peloton.
Greipel beendete seine Profikarriere 2021 mit 158 Siegen. Allein bei den drei großen Landesrundfahrten gewann er 22 Etappen – mehr als jeder andere deutsche Fahrer. Elfmal triumphierte er bei der
Tour de France, siebenmal beim Giro d’Italia und viermal bei der Vuelta a España.
Doch Greipels Bedeutung lässt sich nicht nur anhand seiner Zahlen erklären. Er gewann in einer Zeit, in der die Konkurrenz unter den Sprintern außergewöhnlich groß war. Mark Cavendish, Marcel Kittel, Peter Sagan, Alexander Kristoff und später Caleb Ewan gehörten regelmäßig zu seinen Gegnern. Greipel setzte sich dennoch über mehr als ein Jahrzehnt immer wieder durch.
Greipels Erfolge bei den Grand Tours
| Rundfahrt | Etappensiege | Jahre | Weiterer Erfolg |
| Tour de France | 11 | 2011–2016 | Zweimal Sieger auf den Champs-Élysées |
| Giro d’Italia | 7 | 2008, 2010, 2015–2017 | Drei Etappensiege bei der Ausgabe 2016 |
| Vuelta a España | 4 | 2009 | Sieger der Punktewertung 2009 |
| Gesamt | 22 | 2008–2017 | Deutscher Rekord |
Greipels Tour-Geschichte begann 2011. Bei seiner ersten Teilnahme gewann er die zehnte Etappe in Carmaux und schlug dabei ausgerechnet seinen früheren Teamkollegen Cavendish. Es war der Durchbruch auf der größten Bühne des Radsports.
In den folgenden Jahren wurde ein Tour-Sommer ohne Greipel-Sieg beinahe unvorstellbar.
Zwischen 2011 und 2016 gewann er bei jeder Ausgabe mindestens eine Etappe. Insgesamt bestritt er die Frankreich-Rundfahrt elfmal und verließ sie mit elf Tagessiegen.
Vier Siege bei einer einzigen Tour de France
Seine stärkste Tour fuhr Greipel 2015. Er gewann die zweite Etappe im niederländischen Neeltje Jans, triumphierte anschließend in Amiens und Valence und setzte seiner Rundfahrt auf den Champs-Élysées die Krone auf.
Der erste dieser vier Siege entstand unter schwierigen Bedingungen. Wind und schlechtes Wetter rissen das Feld auseinander, doch Greipel blieb vorne und bezwang im Sprint unter anderem Peter Sagan und Fabian Cancellara.
Drei Wochen später war der Deutsche auch in Paris nicht zu schlagen. Mit vier Etappensiegen war er der erfolgreichste Sprinter dieser Tour. Wenige Wochen danach gewann er zudem die Cyclassics in Hamburg und rundete damit sein bestes Karrierejahr ab.
Seine bemerkenswertesten Siege
| Jahr | Rennen | Erfolg | Bedeutung |
| 2008 | Tour Down Under | Gesamtsieg und vier Etappen | Internationaler Durchbruch |
| 2009 | Vuelta a España | Vier Etappen und Punktewertung | Erster großer Rundfahrterfolg |
| 2010 | Tour Down Under | Zweiter Gesamtsieg | Bestätigung seiner Dominanz in Australien |
| 2011 | Tour de France | Etappensieg in Carmaux | Erster Tour-Sieg seiner Karriere |
| 2012 | Tour de France | Drei Etappensiege | Endgültiger Aufstieg zum Tour-Seriensieger |
| 2015 | Tour de France | Vier Etappen, darunter Paris | Erfolgreichste Tour seiner Karriere |
| 2015 | Cyclassics Hamburg | Sieg vor Alexander Kristoff | Größter deutscher Eintageserfolg |
| 2016 | Tour de France | Sieg auf den Champs-Élysées | Elfter und letzter Tour-Etappensieg |
| 2017 | Giro d’Italia | Sieg auf der zweiten Etappe | 22. und letzter Grand-Tour-Etappensieg |
Der König der Tour Down Under
Kein Rennen außerhalb Europas ist so eng mit Greipels Namen verbunden wie die
Tour Down Under. Der Deutsche gewann die Gesamtwertung 2008 und 2010. Noch beeindruckender ist seine Bilanz von 18 Etappensiegen – ein Rekord bei der australischen Rundfahrt.
Seine Erfolge dort zeigten, dass Greipel mehr als ein klassischer Sprinter für einzelne flache Tage war. Er konnte über eine komplette Rundfahrt konstant punkten, kleinere Anstiege überstehen und sich wiederholt gegen international hochklassige Konkurrenz durchsetzen.
Australien wurde damit zum Ausgangspunkt seiner Weltkarriere. Der Gesamtsieg von 2008 verschaffte ihm erstmals große internationale Aufmerksamkeit. Zwei Jahre später bestätigte er diesen Erfolg und bewies, dass sein Durchbruch kein Zufall gewesen war.
Der Triumph vor heimischem Publikum
Der Sieg bei den Cyclassics 2015 besitzt in Greipels Karriere einen besonderen Stellenwert. Das Rennen führte über 221,3 Kilometer von Kiel nach Hamburg und endete im Sprint einer verkleinerten Gruppe.
Alexander Kristoff eröffnete das Finale, doch Greipel wartete den richtigen Moment ab und zog noch am Norweger vorbei. Giacomo Nizzolo wurde Dritter. Damit gewann Greipel erstmals ein deutsches Eintagesrennen auf WorldTour-Niveau.
Der Erfolg fiel in eine Phase, in der Greipel nahezu unschlagbar wirkte. Wenige Wochen zuvor hatte er vier Tour-Etappen gewonnen. In Hamburg zeigte er, dass er seine enorme Geschwindigkeit auch nach mehr als 220 Kilometern und einem anspruchsvollen Finale noch abrufen konnte.
André Greipel war der Sieger, als Reims zuletzt ein Tour-Ziel ausrichtete (2014)
Mehr als nur rohe Kraft
Greipels Beiname „Gorilla“ passte zu seinem kräftigen Körperbau und seiner explosiven Fahrweise. Seine Siege waren jedoch keineswegs nur das Ergebnis körperlicher Überlegenheit.
Der Rostocker verfügte über ein ausgeprägtes Gespür für Positionierung. Er vertraute seinen Anfahrern, blieb auch in hektischen Finals geduldig und eröffnete seinen Sprint häufig später als seine Gegner. Besonders sein Erfolg gegen Kristoff in Hamburg zeigte diese taktische Stärke.
Hinzu kam seine bemerkenswerte Beständigkeit. Zwischen seinem ersten Giro-Sieg 2008 und seinem letzten Grand-Tour-Erfolg 2017 lagen neun Jahre. Über diesen gesamten Zeitraum gehörte er zur internationalen Sprint-Elite.
Greipel wurde außerdem dreimal deutscher Straßenmeister. Neben seinen Grand-Tour-Erfolgen gewann er zweimal die Brussels Cycling Classic und sammelte zahlreiche Etappensiege bei Rundfahrten wie der Eneco Tour, der Türkei-Rundfahrt und der Belgien-Rundfahrt.
Eine deutsche Sprint-Legende wird 44
Heute steht André Greipel nicht mehr selbst im Mittelpunkt der Massensprints.
Seine Zahlen bleiben jedoch außergewöhnlich: 158 Siege, 22 Grand-Tour-Etappen, elf Tour-Erfolge und zwei Triumphe auf den Champs-Élysées.
Vor allem die
Tour de France machte ihn zu einer deutschen Radsport-Ikone. Sechs Jahre hintereinander gewann er dort mindestens eine Etappe. In einer Generation voller herausragender Sprinter behauptete sich Greipel mit Kraft, Konstanz und perfektem Timing.
An seinem 44. Geburtstag bleibt deshalb vor allem eine Erkenntnis: Der „Gorilla“ war nicht nur einer der erfolgreichsten deutschen Sprinter. Er war einer der besten und zuverlässigsten Endschnellen seiner gesamten Generation.