Tadej Pogacar gehört längst zu den prägenden Figuren des modernen Radsports – doch Paris–Roubaix bleibt das eine Monument, das in seinem Palmarès noch fehlt.
Der Kapitän von UAE Team Emirates XRG startet 2026 als einer der Topfavoriten neben
Mathieu van der Poel ins Rennen, nachdem er in diesem Frühjahr bereits Milano–Sanremo und die Flandern-Rundfahrt gewonnen hat. Ein Sieg am Sonntag würde seinen Monumente-Satz komplettieren.
Wie schlägt man van der Poel auf dem Pavé?
Trotz seiner dominanten Form stellt sich im Vorfeld vor allem eine Frage: Wie lässt sich van der Poel auf dem Kopfsteinpflaster schlagen?
Tadej Pogacar bei der Streckenbesichtigung vor Paris–Roubaix 2026
Pogacars Präsenz an der Spitze nahezu jedes großen Rennens ist inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden. Noch vor wenigen Jahren galt es als unwahrscheinlich, dass ein Fahrer mit Grand-Tour-Profil auch auf diesem Terrain dauerhaft konkurrenzfähig sein könnte.
Milano–Sanremo war lange Zeit ein Rennen für Sprinter, die Flandern-Rundfahrt ein Revier klassischer Pflasterspezialisten. Pogacar hat diese Rollenbilder verschoben.
Mit offensiver Fahrweise, enormer Durchsetzungskraft und taktischer Klarheit zählt er inzwischen auch auf dem Pavé zu den ernsthaften Siegkandidaten. Trotz seines vergleichsweise geringen Körpergewichts von rund 66 Kilogramm bewies er bereits 2025 bei Paris–Roubaix seine Konkurrenzfähigkeit, als er van der Poel direkt forderte und erst nach einem Sturz im Sektor Mérignies à Avelin entscheidend zurückfiel.
Das van-der-Poel-Problem bleibt bestehen
Dennoch bleibt van der Poel der Maßstab auf diesem Terrain. Der Niederländer hat die kopfsteingepflasterten Monumente in den vergangenen Jahren geprägt und reist nach Roubaix mit der Aussicht auf den vierten Sieg in Serie an. Selbst 2025, als Pogacar ihm so nahe kam wie kaum ein anderer Fahrer, wirkte van der Poel letztlich als stärkster Mann im Rennen.
Deshalb bleibt trotz Pogacars makelloser Frühjahrskampagne eine zentrale Unsicherheit bestehen: Kann er van der Poel auf diesem Terrain tatsächlich schlagen?
Gewichtsnachteil – und die besondere Realität von Roubaix
Paris–Roubaix begünstigt traditionell größere und schwerere Fahrer. Auch im vergangenen Jahr galt dieses Muster als bestätigt. Fahrer wie Mads Pedersen, Wout van Aert, Stefan Bissegger, Fred Wright, Jasper Philipsen, Filippo Ganna und Biniam Girmay galten aufgrund ihrer physischen Voraussetzungen als natürliche Favoriten auf dem Pflaster.
Doch Pogacar fuhr dennoch im Vorderfeld mit. Diese Leistung veränderte die Erwartungen – machte zugleich aber deutlich, wie groß der Unterschied zwischen Mitfahren und Gewinnen bleibt. Van der Poel zu halten ist eine Aufgabe. Ihn zu schlagen eine andere.
Welche Strategie Pogacar zum Sieg führen kann
Will Pogacar Paris–Roubaix gewinnen, darf das Rennen keinem klassischen Verlauf folgen. UAE Team Emirates XRG muss das Tempo früh hochhalten – ähnlich wie bereits bei der Flandern-Rundfahrt. Konstanter Druck, aggressive Rennkontrolle und ein selektiver Rhythmus sind entscheidend.
Schon ab Compiègne gilt es, das Rennen zu verschärfen und gefährlichen Ausreißergruppen keinen Raum zu lassen. Fahrer wie Florian Vermeersch und Juan Sebastián Molano spielen dabei eine Schlüsselrolle, insbesondere bei der Positionierung vor dem Wald von Arenberg – jenem Sektor, der traditionell die erste große Rennselektion auslöst.
Von dort an müsste das Rennen weiter geöffnet werden: ein erster Vorstoß in Arenberg, gefolgt von einer zweiten Attacke in Warlaing à Brillon – wo Pogacar bereits eine Trainingsbestzeit gesetzt hat – und ein möglicher entscheidender Angriff auf Mons-en-Pévèle könnten die notwendige Vorentscheidung erzwingen.
Das Ziel bleibt eindeutig: allein im Velodrom von Roubaix anzukommen.
Warum ein Sprint gegen van der Poel vermieden werden muss
Erreicht Pogacar Roubaix gemeinsam mit van der Poel, steigt die Unsicherheit deutlich. Ein direkter Sprint zwischen beiden Fahrern würde eher dem Niederländer entgegenkommen, der seine Abschlussstärke in entscheidenden Rennmomenten mehrfach unter Beweis gestellt hat.
Der Weg zum Sieg erscheint für Pogacar damit theoretisch klar – in der Praxis jedoch extrem anspruchsvoll: früh angreifen, konsequent Druck erzeugen und möglichst allein ins Ziel kommen.
Pogacar hat bereits mehrfach neu definiert, was im modernen Radsport möglich ist. Ein Triumph bei Paris–Roubaix würde diese Entwicklung weiter fortschreiben, seinen Monumente-Satz vollenden und seine Vielseitigkeit auf jedem Terrain bestätigen. Doch dafür muss er das zentrale Problem der Pflasterklassiker der vergangenen Jahre lösen: Mathieu van der Poel.