Mathieu van der Poel reist zu Paris–Roubaix 2026 an der Schwelle zur Geschichte. Der Niederländer jagt den vierten Sieg in Serie bei einem Rennen, das sich in den vergangenen Jahren zunehmend seinem Stil angepasst hat.
Auf dem Kopfsteinpflaster gilt van der Poel längst als Maßstab. Doch nach Einschätzung seines Teamkollegen Florian Sénéchal liegt sein entscheidender Vorteil nicht allein in Kraft oder Technik – sondern in seiner Haltung zum Rennen. „Von allen Champions, mit denen ich gefahren bin, hat Mathieu am meisten Selbstvertrauen. Das unterscheidet ihn wirklich vom Rest“, sagte Sénéchal im Gespräch mit RTBF.
Ein Leader-Profil wie geschaffen für Paris–Roubaix
Sénéchals Einschätzung hat besonderes Gewicht. Der Franzose fuhr im Laufe seiner Karriere bereits an der Seite von Philippe Gilbert und Julian Alaphilippe – zwei prägenden Klassiker-Spezialisten ihrer Generation. Dennoch erkennt er bei van der Poel eine besondere Qualität.
Mathieu van der Poel, Tadej Pogacar und Remco Evenepoel auf dem Podium der Flandern-Rundfahrt 2026
„Er ist beeindruckend. Die Art, wie er fährt, wie entspannt er ist und wie er keinen Druck spürt“, erklärte Sénéchal. „Er spricht nicht über die anderen Fahrer, er will einfach sein Ding machen und den Radsport voll genießen. Er ist ein echter Leader, der weiß, was er will, und selbstbewusst ist.“
Gerade bei Paris–Roubaix wird diese Kombination besonders sichtbar. Anders als Rennen, die durch wiederholte explosive Attacken entschieden werden, verlangt Roubaix vor allem Kontrolle unter extremem Druck. Positionierung, Linienwahl und Ruhe bei hohem Tempo über beschädigtes Kopfsteinpflaster sind oft ebenso entscheidend wie reine Leistungswerte. In diesem Umfeld kann Zögern entscheidend sein – van der Poel vermeidet es konsequent.
Enttäuschung in Flandern schnell verarbeitet
Auch für einen Fahrer seiner Klasse verlief das Frühjahr nicht ohne Rückschläge. Bei der Flandern-Rundfahrt musste sich van der Poel zuletzt Tadej Pogačar geschlagen geben und verpasste trotz einer aus Sicht vieler nahezu perfekten Leistung den möglichen Rekordsieg.
Sénéchal erlebte die Enttäuschung unmittelbar nach dem Rennen. „Weil Mathieu sich sehr stark fühlte. Er fuhr ein perfektes Rennen. Er war dem Rekord so nah, weil er nahe an Pogacar dran war. Und sein Vater saß im Teambus, die Brüder Roodhooft waren da, der CEO von Premier Tech war da…“
Platz zwei mag sportlich hoch einzuschätzen sein, doch van der Poels Anspruch ist klar definiert. „Aber er hat es schnell abgehakt und ist bereits voll auf Sonntag in Roubaix fokussiert.“
Selbstvertrauen als Schlüssel vor der nächsten Herausforderung
Diese Fähigkeit, Rückschläge schnell hinter sich zu lassen, könnte für Paris–Roubaix entscheidend sein. Van der Poel startet nicht nur als Titelverteidiger, sondern erneut als der Fahrer, an dem sich das Rennen orientieren wird. Pogačar reist nach Siegen bei Milano–Sanremo und der Flandern-Rundfahrt in Topform an, während Wout van Aert ein starkes Team von Team Visma | Lease a Bike anführt, das den Rennverlauf aktiv prägen will.
Die Abstände zwischen den Favoriten erscheinen damit so gering wie selten zuvor. Doch die vergangenen Ausgaben von Paris–Roubaix haben gezeigt, dass van der Poel gerade in solchen Konstellationen besonders stark auftritt – nicht weil das Rennen berechenbar wäre, sondern weil er auch dann ruhig bleibt, wenn es unberechenbar wird.
Der vielleicht entscheidende Vorteil
Auf dem Kopfsteinpflaster spielen Kraft, Erfahrung und Positionierung stets eine zentrale Rolle. Doch wie Sénéchals Einschätzung nahelegt, könnte van der Poels größter Vorteil weniger greifbar sein.
Selbstvertrauen – nicht nur in seine Beine, sondern in jede Entscheidung unter höchstem Druck.
Bei Paris–Roubaix kann genau das den Unterschied ausmachen zwischen Reagieren und Kontrollieren. Und auf dem Weg zu einem möglichen vierten Sieg in Serie könnte dieser Faktor erneut entscheidend werden.