ANALYSE: Mathieu van der Poel und Wout van Aert sollten bei den Weltmeisterschaften zusammenarbeiten – und warum
Radsport
Mathieu van der Poel und Wout van Aert haben ihre Karrieren – und mehr – als größte Rivalen verbracht, doch erstmals scheint es, als könnten ausgerechnet die erbittertsten Gegner mit Zusammenarbeit die besten Siegchancen haben.
Mit einer kletterstarken Favoritenliste für das Straßenrennen der Weltmeisterschaften 2026 am Sonntag reisen die Klassiker-Spezialisten mit Regenbogenträumen nach Montreal, haben auf dem Zielrundenkurs, der leichteren Kletterern entgegenkommt, aber die Quoten gegen sich.
Aus gemeinsamen Tagen im Cross und auf der Straße erwuchs eine Karriere im ständigen Tausch der Podestplätze bei den größten Rennen. Ihre Rivalität ist von Respekt geprägt, sitzt tief und kitzelt bei beiden das Maximum heraus.
Auf dem bevorzugten Terrain von Remco Evenepoel, Isaac del Toro und Paul Seixas können sie es sich jedoch nicht leisten, nur aufeinander zu schauen, und sie werden nicht wollen, dass diese Favoriten mit ihnen in die Schlussstunde gehen.
In diesem Fall ist es unwahrscheinlich, dass sie durchhalten, denn die Kombination aus der Zermürbung eines 273-Kilometer-Rennens und der Intensität der wiederholten Anstiege verheißt für ihre Siegchancen wenig Gutes.
Wir haben die Siegchancen beider Fahrer analysiert – und warum ein Strategiewechsel den beiden am Sonntagabend die goldene Gelegenheit eröffnen könnte, das Regenbogentrikot mit nach Hause zu nehmen.
Mathieu van der Poels Hochform
Zuerst das Wichtigste: Van der Poel scheint vor Sonntag in brillanter Verfassung zu sein. 2023 wurde er Weltmeister – entscheidend jedoch auf einem Stadtkurs in Glasgow, der seinen Stärken eher lag. In Montreal misst der eröffnende Anstieg Voie Camillien-Houte 1,7 Kilometer bei 7,7 Prozent im Schnitt.
Isoliert betrachtet ist der Anstieg kurz genug und dem Niederländer durchaus genehm. Zwölf Auffahrten in den letzten 173 Rennkilometern verändern jedoch die Statik. Auf den späten Runden kann die unerbittliche Wiederkehr des Anstiegs ihn im Windschatten der Top-Kletterer Tribut zahlen lassen.
Mathieu van der Poels Lösung: früh den Hammer fallen lassen und das Rennen von Beginn an härter und offensiver machen. So lässt sich der Rhythmus der Kletterer stören, und Belgien sowie Frankreich müssten früh Zündhölzer verbrennen, um die Favoriten in Reichweite zu halten.

Mathieu van der Poel
Und er hat den Plan bereits angedeutet. Am vergangenen Sonntag startete er bei der Tour of Luxembourg einen 170-Kilometer-Soloangriff – auf einem Parcours, der den finalen zwölf Runden in Montreal nahekommt. Es zahlte sich aus: Vom Start der Etappe weg fuhr er davon und blieb für das Peloton unsichtbar bis zum bemerkenswerten Sieg.
Alles deutet darauf hin, dass van der Poel einen Langdistanz-Coup plant, um sich stundenlang vor den Kletterern zu positionieren. Er braucht nur eines – einen Verbündeten.
Das Dilemma Wout van Aert
Belgien stellt mit Remco Evenepoel den Wettfavoriten. Ein überragender Eintagesfahrer in Form, der seinem Palmarès ein zweites Regenbogentrikot hinzufügen will. Frankreich hat mit Paul Seixas den zweiten Favoriten, Isaac del Toro lauert dahinter. Das Ideal für dieses Trio: das Rennen kontrollieren, um in den Schlussrunden geschlossen zuzuschlagen.
Dann die Frage: Wie fährt Wout van Aert dieses Rennen? Traditionell eine Sprintoption, ist der Visma-Fahrer – wie van der Poel – angesichts der zermürbenden Wiederholungen der Anstiege keineswegs sicher, durchzuhalten und als zweite belgische Karte hinter Evenepoel zu fungieren. Umgekehrt wird Evenepoel seine antizipierte Belgien-Attacke mit Van Aert im Rücken ebenfalls kaum fahren.

Wout van Aert vor den Weltmeisterschaften 2026 in Montreal
Manche spekulieren, der Paris-Roubaix-Sieger könnte als Zugpferd der Gruppe für Evenepoel dienen, Attacken jagen und auf dem welligen zweiten Streckenteil das Tempo hochhalten. Aber ist das die effizienteste Nutzung von Belgiens möglichem Trumpf? Vielleicht gibt es einen besseren Ansatz.
Will Belgien mit maximaler Effizienz Gold, spricht einiges dafür, Wout van Aert so einzusetzen, dass der Visma-Fahrer nicht nur seine beste Chance aufs Regenbogentrikot erhält, sondern auch Evenepoels Wahrscheinlichkeit steigt, Seixas und del Toro zu schlagen – zwei günstige Endspielszenarien in den Schlussrunden.
Rivalen sollten kooperieren
Es gab Szenarien, in denen van der Poel und van Aert potenzielle Alliierte waren. Die Flandern-Rundfahrt der letzten Jahre kommt in den Sinn, als die beiden dem „großen Fisch“ Tadej Pogacar gegenüberstanden, der ihr Klassikerrevier betrat. Mit Pogacar galt jedoch meist: jeder für sich, im Versuch, am Slowenen dran zu bleiben.
Die Weltmeisterschaften bieten jedoch die Chance, dass die beiden zu echten Verbündeten werden – im Rennen gegen den Rest. Kurz gesagt: Für beide ist es am besten, so früh wie möglich dem Hauptfeld zu entkommen und dann gemeinsam einen Vorsprung aufzubauen, bevor in den Schlussrunden zwangsläufig die Jagd beginnt.
Schauen wir zuerst aus der Perspektive des Niederländers. Plant er erneut ein Solo über 100–170 Kilometer, wird er Begleitung wollen. Möchte er einen Topfavoriten oder einen Teamkollegen von Seixas oder Tom Pidcock neben sich haben und dadurch selbst die Hauptarbeit übernehmen müssen? Eher nicht.

Mathieu van der Poel und Wout van Aert
Nützlich wäre für ihn Wout van Aert an seiner Seite, der keine Scheu hat, Führungsarbeit zu leisten, stark genug am Camillien-Houte-Anstieg, um das Tempo hochzuhalten, und jemand, den er in einem finalen Zweikampf zu schlagen weiß. So hält er die Verfolger am ehesten auf Distanz und wahrt zugleich seine Siegchancen, falls die beiden den Sieg unter sich ausmachen.
Aus Sicht von Wout van Aert ist das mit Blick auf die Absichten von van der Poel ein harter Deal. Doch für Fahrer und Nation steckt genug drin, um verlockend zu sein, sollte der Niederländer früh attackieren.
Wie van der Poel wird auch van Aert die Verbindlichkeit an der Spitze mit seinem Rivalen erkennen und ebenfalls einen Weg zum Sieg sehen, wenn beide gemeinsam in die Schlussrunde gehen. Er wird spüren, dass Verschleiß und Schwierigkeit des Anstiegs eine Chance sein könnten, den Niederländer abzuschütteln, und zudem Wert darin sehen, im Sprint sein Glück zu versuchen.

Van Aert helping van der Poel could help Remco Evenepoel's chances in Montreal
Die eigentliche Fußnote betrifft jedoch Belgiens Siegchancen. In einem Szenario, in dem van Aert, van der Poel und womöglich weitere Fahrer vor der Favoritengruppe liegen, sitzt Belgien scheinbar perfekt im Sattel. Bleibt die Gruppe vorn, haben sie einen starken Anwärter im Kampf um den Sieg.
Gleichzeitig zwingt das Frankreich, Großbritannien, die USA, Spanien, Mexiko und andere, diesen Zug entschlossen zu schließen. Das verführt Seixas und del Toro dazu, ihren Plan in einem Rennen ohne Teamfunk und mit begrenzter Kommunikation anzupassen und erhöht den Druck auf die Rivalen. Unterdessen sitzt Evenepoel am Steuer, um zu reagieren und im richtigen Moment zuzuschlagen.
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Ob am Ende ein sensationelles Regenbogentrikot für Mathieu van der Poel steht, eine punktgenaue Meisterleistung von Wout van Aert oder ein kalkulierter Doppelschlag, bei dem Evenepoel auf der Arbeit von van der Poel und den Favoriten aufsetzt – die größten Rivalen, die für einen Tag die Fehde begraben, dient beiden Ambitionen.
Man sagt, es ist besser, mit dem Teufel zu tanzen, den man kennt, als mit dem, den man nicht kennt. Für Mathieu van der Poel und Wout van Aert gilt: So zu tun, als sei alles eitel Sonnenschein, könnte beiden am Ziel in Montreal den Topf voller Gold bescheren.
Bettina Heck verbindet journalistisches Know-how mit langjähriger eigener Wettkampf-Routine im Radsport und im Triathlon. Seit vielen Jahren ist sie selbst bei Radrennen, Bergzeitfahren und Triathlons aktiv. Sie kennt den Ausdauersport damit nicht nur aus journalistischer Sicht, sondern auch aus sportlicher Perspektive. Zu ihren Erfolgen zählen unter anderem der Sieg bei der Offenen Württembergischen Jedermann-Meisterschaft 2012 sowie zahlreiche Starts bei nationalen und internationalen Triathlon-Wettkämpfen bis hin zur Ironman-Distanz. Neben ihrer sportlichen Erfahrung verfügt Bettina über Weiterbildungen zur Freien Lektorin, sowie in den Bereichen strategische und digitale Kommunikation, aber auch in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Als Redakteurin bei RadsportAktuell.de berichtet sie über den internationalen Profi-Radsport und verbindet dabei journalistische Recherche mit ihrer eigenen Erfahrung aus dem aktiven Radsport.
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026










