Tim Wellens berichtet, dass ihm und seinen Teamkollegen von
UAE Team Emirates - XRG bei der
Tour de France Buhrufe von Fans und Zuschauern entgegenschlugen. Angesichts der Dominanz des Teams und von Tadej Pogacar wächst die Kritik an der Teamtaktik und am Abstand zwischen Pogacar und dem restlichen Feld.
Zuletzt drehte sich die Debatte um das
Kontrollieren der 9. Etappe durch UAE. Die Mannschaft hielt eine sportlich wenig gefährliche Ausreißergruppe in Schlagdistanz, entmutigte so Attacken und nahm einem möglichen Fluchtetappensieg die Luft.
Am Ende rettete sich die Gruppe um wenige Sekunden ins Ziel, während Lidl-Trek und INEOS die Lücke fast schlossen. Wellens erklärte, dass er und Felix Großschartner vorne Druck machten, um Attacken von Lidl-Trek zu verhindern und so deren Vorsprung in der Mannschaftswertung nicht anwachsen zu lassen.
„Hauptziel war es, mehrere Lidl-Trek-Fahrer am Wegfahren zu hindern“,
erklärte Wellens.„Felix und ich konnten die Lücke recht problemlos bei etwa einer Minute halten. Aus dem Begleitfahrzeug kam das Signal, wir könnten noch etwas mehr drücken. Aber das hielten wir für Verschwendung, denn wir hatten die Situation ohnehin gut im Griff.“
Wellens versteht Frust bei anderen Teams
Der Belgier kann den Ärger der Teams nachvollziehen, die hofften, das Peloton würde die Ausreißer den Etappensieg unter sich ausmachen lassen. Aus seiner Sicht stört das UAE jedoch wenig.
„Als Fahrer in einem kleineren Team fände ich es auch nicht gut, wenn die Konkurrenz ein Rennen komplett kontrolliert. Aber ansonsten: zero f***s given.“
Kritik kam nicht nur von Teams und Sportlichen Leitern. Laut Wellens ließen auch Fans ihren Unmut raus. Er erlebte nach eigener Aussage Buhrufe während der 6. Etappe über den Tourmalet – geprägt von Pogacars Machtdemonstration. Für ihn zwar lästig, aber zugleich ein Zeichen des Erfolgs.
Er sagte: „Erst letzten Donnerstag, am Tourmalet – ‚Buhuhu‘, riefen alle. Wir sehen die Frustration bei vielen, verstehen sie aber nicht. Nicht sehr angenehm, sogar etwas nervig. Aber gut, oft lachen wir darüber. Es bedeutet, dass wir etwas richtig machen.“
Wellens betonte, die Wahrnehmung der Fans wäre eine andere, hätten sie Pogacars harte Arbeit im Höhentraining im Mai und Juni gesehen. Er behauptet, manche Trainingsleistungen seien stärker gewesen als seine Gala auf Etappe 6.
Wellens ergänzte: „Jeder, der mit ihm auf der Sierra Nevada war, weiß, was er dort geleistet hat. Und manches davon war sogar beeindruckender als sein Angriff über den Tourmalet und nach Gavarnie.“