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Thibau Nys fordert Van der Poel und Van Aert heraus: „Er sollte bei praktisch jedem Rennen Paroli bieten können“

Cyclocross
durch Nic Gayer
MVDP WVA & Nys
Mathieu van der Poel und Wout Van Aert könnten in diesem Cyclocross-Winter ernsthafte Konkurrenz bekommen. Sobald die beiden Ausnahmekönner in den Schlamm zurückkehren, wartet mit Thibau Nys ein Herausforderer, der ihre jahrelange Dominanz ins Wanken bringen könnte. Nach seinem beeindruckenden Auftritt beim Koppenbergcross wächst jedenfalls die Überzeugung, dass der junge Belgier inzwischen bereit ist, es mit den beiden Superstars aufzunehmen.
Fast ein Jahrzehnt lang bestimmten Van der Poel und Van Aert das Geschehen im Cyclocross nach Belieben. Entweder ließen sie die gesamte Konkurrenz weit hinter sich oder lieferten sich packende Duelle um den Sieg. Doch am Sonntag setzte Nys ein eindrucksvolles Ausrufezeichen: Trotz zweier Stürze kämpfte er sich beim Koppenbergcross immer wieder zurück an die Spitze und entschied das Rennen in Belgien schließlich mit einem dramatischen Bergaufsprint für sich.

Dritter Koppenbergcross-Triumph: Nys begeistert mit beeindruckender Willensstärke

Für Nys war es bereits der dritte Triumph beim prestigeträchtigen Koppenbergcross, nachdem er das Rennen zuvor 2023 und 2025 gewonnen hatte. Besonders bemerkenswert: Zum zweiten Mal in Folge gelang ihm dieser Erfolg gleich bei seinem ersten Renneinsatz der neuen Cyclocross-Saison.
Thibau Nys jubelt.
Thibau Nys setzt beim Koppenbergcross ein eindrucksvolles Ausrufezeichen. Nach seinem dritten Triumph wird dem Belgier zugetraut, selbst Mathieu van der Poel und Wout Van Aert herauszufordern.
Der Sohn der belgischen Cross-Legende Sven Nys überzeugte dabei nicht nur mit seiner körperlichen Verfassung, sondern vor allem mit außergewöhnlicher mentaler Stärke. Weder seine beiden Stürze noch technische Schwierigkeiten in einer Sandpassage konnten ihn entscheidend aus dem Rhythmus bringen. Entsprechend groß fiel das Lob für seine kämpferische Vorstellung aus.
„Hier wurde eine großartige Geschichte geschrieben. Und sie ist noch längst nicht zu Ende. Denn sie steckt voller tückischer Fallen“, erklärte Sporza-Experte Paul Herygers.

„Normalerweise brennen nach zwei Stürzen die Sicherungen durch“

Besonders beeindruckt zeigte sich Herygers davon, wie souverän Nys die zahlreichen Rückschläge während des Rennens wegsteckte und im entscheidenden Moment dennoch die nötige Kraft für den Sieg aufbrachte.
„Und vor allem reden wir hier über Thibau Nys, der all diese Schwierigkeiten übersteht, einen starken Sprint hinlegt und gewissermaßen auf einem Bein gewinnt. An seiner Technik im Sand muss er noch arbeiten. Vielleicht verbessert sich das noch. Bergauf ist er aber schon beinahe auf seinem absoluten Topniveau. Und dann diese mentale Stärke ... Normalerweise brennen nach zwei Stürzen die Sicherungen durch. Beim jungen Nys ist das offenbar nicht der Fall.“
Mit diesem Auftritt hat sich Nys frühzeitig als einer der Fahrer positioniert, an denen im weiteren Saisonverlauf kaum ein Weg vorbeiführen dürfte. Schon bald könnte es zum ersten direkten Kräftemessen mit Wout Van Aert kommen. Der Belgier von Visma - Lease a Bike hat seine konkreten Renntermine zwar noch nicht veröffentlicht, seine Rückkehr in den Cyclocross-Sport aber bereits bestätigt. Mit einem Comeback wird Ende November oder im Dezember gerechnet, sodass ihm vor der Radsport-WM im Februar noch ausreichend Zeit für Wettkampfeinsätze bleiben dürfte.
Deutlich mehr Fragezeichen stehen dagegen hinter der Winterplanung von Mathieu van der Poel. Der Niederländer hat bislang offengelassen, ob er in dieser Saison überhaupt wieder Cyclocross-Rennen bestreiten wird. Da er und seine Partnerin im Januar ihr erstes gemeinsames Kind erwarten, wird weiterhin über eine mögliche Rückkehr und deren zeitlichen Umfang spekuliert.

„Geben wir ihm einen Vertrauensvorschuss“ – Nys soll sogar Van der Poel gefährlich werden

Für Sporza-Kommentator Ruben Van Gucht steht jedenfalls fest, dass sich sowohl Van Aert als auch Van der Poel auf einen ernst zu nehmenden neuen Rivalen einstellen müssen. Seiner Einschätzung nach besitzt Nys mittlerweile die Fähigkeiten, um Van Aert regelmäßig auf Augenhöhe zu begegnen. Selbst gegen den lange Zeit nahezu unantastbaren Van der Poel traut er dem jungen Belgier zu, für erhebliche Schwierigkeiten zu sorgen.
„Normalerweise sollte er Van Aert bei praktisch jedem Crossrennen Paroli bieten können. Nur bei einem bestimmten Querfeldeinrennen ist er chancenlos, denn dort ist Van Aert der unbestrittene Meister. Was die reine Cross-Technik betrifft, sollte er aber jedes Mal mit ihm mithalten können. Er ist ein Fahrer von echtem Format“, erklärte Van Gucht.
Auch ein Duell mit Van der Poel sieht der Kommentator keineswegs als aussichtslos an. Dabei spielt für ihn insbesondere die Frage eine Rolle, mit welcher Motivation der Niederländer nach einer möglichen Rückkehr an den Start gehen würde.
„Selbst gegen einen Van der Poel, der eigentlich nur widerwillig Crossrennen bestreitet, sollte das möglich sein. In diesem Fall würde ich sagen: Geben wir ihm einen Vertrauensvorschuss.“
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