Sanremo: Wo der längste Klassiker des Radsports auf mondänen Belle-Époque-Glanz trifft

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Montag, 01 Juni 2026 um 8:05
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Wenn das Peloton an einem Samstag Ende März die Via Roma erreicht, schaut die Radsportwelt für wenige Minuten auf eine Stadt, die den Rest des Jahres ein ganz anderes Leben führt. Sanremo, gelegen an der Riviera di Ponente in Ligurien, ist als Zielort von Mailand-Sanremo fest im Gedächtnis aller Radsportfans verankert. Zugleich ist die Stadt weit mehr als eine Zielgerade: Sie war Kurort der europäischen Aristokratie, ist bis heute Bühne des berühmtesten Musikfestivals Italiens und beherbergt eines der traditionsreichsten Spielhäuser des Kontinents. Wer Sanremo nur aus den Fernsehbildern des Frühjahrsklassikers kennt, verpasst die halbe Geschichte.

Die Classicissima und ihr Ziel an der Via Roma

Mailand-Sanremo wurde 1907 erstmals ausgetragen und ist mit einer Distanz von knapp 300 Kilometern das längste Eintagesrennen im Kalender der Straßenprofis. Die Beinamen “La Primavera” und “La Classicissima” erzählen bereits viel über den Charakter des Rennens: Es eröffnet traditionell die Saison der Monumente und gilt als das Rennen, das am leichtesten zu fahren und am schwersten zu gewinnen ist. Über Stunden passiert wenig, dann entscheiden die Anstiege von Cipressa und Poggio sowie die anschließende Abfahrt hinein ins Zentrum von Sanremo über Sieg und Niederlage.
Die Ausgabe 2026 lieferte gleich doppelt Gesprächsstoff. Zunächst sorgte ein schwerer Sturz im Finale für Chaos, in den neben Tadej Pogacar auch Wout van Aert und Mathieu van der Poel verwickelt waren. Wie knapp das Rennen damals an einem völlig anderen Ausgang vorbeischrammte, zeigen die Details zum Sturz des Weltmeisters bei Mailand-Sanremo, die erst Wochen später bekannt wurden. Im Sprint auf der Via Roma setzte sich Pogacar schließlich gegen Tom Pidcock durch, eine Entscheidung, die Fachleute noch lange beschäftigte. Der frühere Weltmeister Paolo Bettini sprach gar von der verpassten “Chance seines Lebens” für Pidcock.
Für die Stadt selbst ist der Renntag im März ein Ausnahmezustand mit Ansage. Absperrgitter säumen die Via Roma, Übertragungswagen blockieren die Seitenstraßen, und für einen Nachmittag wird die Einkaufsmeile zur wichtigsten Zielgeraden des Frühjahrs. Doch sobald die Teambusse abgereist sind, kehrt Sanremo zu seiner anderen Identität zurück.

Belle Époque an der Riviera: Wie Sanremo mondän wurde

Der Aufstieg Sanremos zum mondänen Kurort begann Mitte des 19. Jahrhunderts, als die milde Winterwitterung der ligurischen Küste wohlhabende Gäste aus dem Norden anzog. Britische Adelige und russische Aristokraten verbrachten ganze Winter an der Riviera, unter ihnen auch die russische Zarin Maria Alexandrowna, deren Besuch der Stadt zusätzlichen Glanz verlieh. Die 1914 vollendete russisch-orthodoxe Kirche mit ihren Zwiebeltürmen erinnert bis heute an diese Epoche, ebenso wie die prachtvollen Villen und Hotelbauten entlang der Küstenstraße.
Aus dieser Zeit stammt auch der Beiname “Stadt der Blumen”: Der Anbau von Schnittblumen und Zierpflanzen entwickelte sich parallel zum Tourismus zu einem wichtigen Wirtschaftszweig, der Sanremo weit über Italien hinaus bekannt machte. Wer heute durch die Altstadt La Pigna schlendert oder über die ehemalige Bahntrasse an der Küste radelt, bewegt sich durch eine Stadt, in der die Belle Époque nie ganz verschwunden ist.

Jugendstil und Jetons: Das Casinò di Sanremo

Kein Gebäude verkörpert dieses Erbe so sehr wie das Casinò di Sanremo. Am 14. Januar 1905 eröffnet und vom französischen Architekten Eugène Ferret im Stil des Art nouveau entworfen, zählt es zu den ältesten noch betriebenen Spielhäusern Europas. Das weiße Jugendstilgebäude an der Corso degli Inglesi war von Beginn an mehr als ein Ort des Glücksspiels: Es diente als gesellschaftlicher Treffpunkt, Konzerthaus und Theaterbühne. Von der ersten Ausgabe 1951 bis 1976 war das Casino zudem Austragungsort des Sanremo-Festivals, bevor der Musikwettbewerb ins Teatro Ariston umzog.
Aus deutscher Sicht wirkt diese Verbindung von Spielbank und Stadtkultur fast schon historisch. “Das Casinò di Sanremo ist ein Stück europäischer Glücksspielgeschichte, ein Haus, in dem das Spiel immer Teil eines größeren gesellschaftlichen Programms war”, erklärt Branchenkenner Mark Seibert vom Online-Portal onlinecasinosdeutschland.com. “In Deutschland hat sich das Geschehen dagegen weitgehend ins Netz verlagert. Wer heute die besten Online Casinos sucht, vergleicht Lizenzen, Limits und Spielangebote am Bildschirm. Die Vorstellung, dass ein Spielhaus gleichzeitig Festivalbühne einer ganzen Nation ist, gibt es bei Online Casinos in Deutschland naturgemäß nicht.” Tatsächlich markieren die beiden Welten zwei Enden derselben Entwicklung: hier das herrschaftliche Haus mit über 120 Jahren Geschichte, dort ein digitaler Markt, der sich in wenigen Jahren neu sortiert hat.
Für Sanremo bleibt das Casino ein Identitätsanker. Es taucht in den Fernsehbildern des Radrennens ebenso auf wie in den Erinnerungen der Festivalgeschichte und gehört zu den Stationen, die Besucher der Stadt unabhängig vom Anlass ansteuern.

Wenn der Tross weiterzieht

Vielleicht liegt genau darin der besondere Reiz dieser Stadt: Sanremo braucht den Radsport nicht, um interessant zu sein, und der Radsport hat sich trotzdem keinen besseren Zielort aussuchen können. Die Auffahrt zum Poggio führt durch Gewächshäuser voller Schnittblumen, die Abfahrt endet wenige hundert Meter von Jugendstilfassaden und Festivalbühnen entfernt, und auf der Via Roma überlagern sich für einen Nachmittag im März Sportgeschichte und Stadtgeschichte. Wer nach dem Rennen bleibt, statt mit dem Tross weiterzuziehen, entdeckt eine Stadt, die seit der Belle Époque vor allem eines kann: Gäste empfangen, in welchem Trikot auch immer sie anreisen.
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