Zwei Weltmeister in 24 Stunden – Visma - Lease a Bike setzt auf die Zukunft, während das Budget im Duell mit UAE an Grenzen stößt
Radsport
Visma - Lease a Bike hat das Profi-Peloton in diesem Jahrzehnt entscheidend geprägt und 2023 sogar alle drei Grand Tours mit drei verschiedenen Fahrern gewonnen. Sportlich und finanziell kann die niederländische Mannschaft inzwischen nicht mehr mit UAE Team Emirates - XRG mithalten. Für die Zukunft gibt es jedoch äußerst vielversprechende Nachrichten: Innerhalb von nur 24 Stunden haben zwei Nachwuchstalente aus dem Visma-Projekt Titel bei der Radsport-WM gewonnen.
Am Donnerstagabend gegen 18:40 Uhr mitteleuropäischer Zeit sicherte sich die Slowakin Viktoria Chladonova in Montreal den U23-Titel im Straßenrennen der Frauen. Nur 24 Stunden später triumphierte der US-Amerikaner Ashlin Barry im U23-Straßenrennen der Männer. Innerhalb eines einzigen Tages ist der Zukunftswert von Visma - Lease a Bike damit beträchtlich gestiegen – gleich zwei Regenbogentrikots bereichern nun das Nachwuchsprojekt.
Nach der Dominanz von 2023 sucht Visma nach neuer Stärke
Seinen bisherigen Zenit erreichte Visma - Lease a Bike 2023 mit der vollständigen Dominanz bei den Grand Tours. Obwohl Jonas Vingegaard und Wout Van Aert auch in diesem Jahr wieder eine Grand Tour beziehungsweise ein Monument gewonnen haben, konnte die niederländische Mannschaft in den vergangenen zweieinhalb Saisons insgesamt nicht mit dem Niveau von UAE Team Emirates - XRG mithalten.

Ashlin Barry krönte sich an seinem 19. Geburtstag zum U23-Sieger der Radsport-WM und gilt als eines der größten Zukunftsversprechen von Visma - Lease a Bike.
Gleichzeitig haben finanzielle Grenzen dazu geführt, dass ambitionierte Konkurrenten zu Visma aufschließen oder das Team zwischenzeitlich sogar überholen konnten. Red Bull - BORA - hansgrohe und LIDL-Trek sollen inzwischen beispielsweise Jahr für Jahr mit höheren Budgets operieren.
Weiterlesen
Ein Siegniveau wie 2023 kann von Visma - Lease a Bike allerdings kaum dauerhaft erwartet werden – ebenso wenig wie von irgendeiner anderen Mannschaft zu Beginn einer Saison in der modernen Ära des Radsports. 2024 gewann das niederländische Team weder eine Grand Tour noch ein Monument. 2025 entschied Jonas Vingegaard zwar die Vuelta a Espana für sich, musste bei der Tour de France jedoch feststellen, dass das Niveau, um Tadej Pogacar zu schlagen, außer Reichweite zu liegen schien.
Wout Van Aert feierte einige bedeutende Erfolge, doch angesichts der zunehmenden Leistungsdichte im Peloton schienen seine Chancen auf einen weiteren Monument-Sieg 2025 geringer geworden zu sein. 2026 folgte schließlich ein neuer Höhepunkt: Vingegaard gewann den Giro d'Italia, während Van Aert bei Paris-Roubaix triumphierte. Visma - Lease a Bike schien wieder in die Spur gefunden zu haben, doch beide Stars verletzten sich im Sommer und bei der Tour de France blieb das erhoffte Ergebnis aus.
Bei der Vuelta a Espana überzeugte die Mannschaft anschließend mit Matthew Brennan und Wout Van Aert bei der Jagd nach Etappensiegen. In den Bergen konnte Visma diese Stärke allerdings nicht im gleichen Maße entfalten, wenngleich Sepp Kuss mit seiner Offensive in Granada bis in die Top 5 der Gesamtwertung vorstieß. Insgesamt blieb es eine Saison mit Höhen und Tiefen. Nach dem überraschenden Rücktritt von Simon Yates zu Beginn des Jahres und der schwierigen Suche nach einem geeigneten Nachfolger – die auch in diesem Winter anhält – ist neuer Schwung keineswegs garantiert.
Während LIDL-Trek, Red Bull - BORA - hansgrohe, Decathlon CMA CGM Team und sogar Pinarello - Q36.5 Pro Cycling Team regelmäßig namhafte Fahrer verpflichten und zugleich eigene Supertalente entwickeln, befindet sich Visma - Lease a Bike in einer komplizierten Situation. Die Mannschaft verfügt weiterhin über große sportliche Anziehungskraft, kann finanziell aber nicht mit allen Konkurrenten mithalten.
Trotz der sportlichen Erfolge war Davide Piganzoli der prominenteste Neuzugang des Winters 2025/26. Seit der Öffnung des Transferfensters am 1. August hat Visma - Lease a Bike zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keinen weiteren Neuzugang bekanntgegeben. Auch eine erwartete Verpflichtung von Giro-Etappensieger Davide Ballerini scheint inzwischen zu scheitern: Der Italiener hat offenbar umgeschwenkt und dürfte stattdessen zu Pinarello - Q36.5 Pro Cycling Team wechseln. Dass ein Qualitätssprinter einem ProTeam den Vorzug geben könnte, verdeutlicht die derzeit geringere Schlagkraft Vismas auf dem Transfermarkt im Vergleich zum Beginn der 2020er-Jahre.
Doch gleichzeitig wächst eine neue Generation heran, die der Mannschaft große Hoffnung für die Zukunft gibt.
Chladonova könnte zum neuen Gesicht des Frauenteams werden
Das Frauenteam von Visma - Lease a Bike erreichte 2025 wieder das Niveau aus dem Jahr 2023. Pauline Ferrand-Prevot kehrte nach mehreren Jahren abseits des Straßen-Pelotons in Vollzeit auf die Straße zurück und schloss sich dem Projekt an. Das Ergebnis hätte kaum besser ausfallen können: Die Französin triumphierte bei der legendären Paris-Roubaix Femmes und gewann anschließend die Tour de France Femmes.
Damit erfüllte sich Ferrand-Prevot zwei große Karriereträume. Doch 2026 verlief völlig anders. Ihre Saison endete vorzeitig und ohne einen einzigen Sieg. Podiumsplätze bei der Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix Femmes zeigten zwar, dass sie weiterhin auf höchstem Niveau konkurrenzfähig war. Im Sommer fehlte ihr jedoch die Form, um bei der Tour de France Femmes eine entscheidende Rolle zu spielen. Als sie wenige Stunden nach der Zielankunft am Mont Ventoux aufgab, lag sie nicht unter den besten Zehn der Gesamtwertung.

Viktoria Chladonova sicherte sich mit gerade einmal 19 Jahren das Regenbogentrikot im U23-Straßenrennen und sorgt damit bei Visma - Lease a Bike für große Hoffnungen auf die Zukunft.
Einen vollständigen Neustart benötigt das Team deshalb nicht, wohl aber ein starkes Signal für die Zukunft. Genau an dieser Stelle kommt Chladonova ins Spiel. Die Slowakei ist ein kleines mitteleuropäisches Land, das beim Männer-Elite-Straßenrennen sogar mit einem seiner Soigneure antreten muss. Dennoch gelang es Chladonova im U23-Straßenrennen der Frauen, Isabella Holmgren zu schlagen, die bereits Top-10-Ergebnisse bei Tour und Giro vorweisen kann.
Dass die 19-Jährige über großes Talent verfügt, stand außer Frage. In einem derart jungen Alter und nach einem vergleichsweise unauffälligen Jahr 2026 hätten allerdings nur wenige erwartet, dass sie die Radsport-WM tatsächlich mit dem Regenbogentrikot beendet.
Mit Ferrand-Prevot und Marianne Vos verfügt das Frauenteam von Visma - Lease a Bike weiterhin über zwei Ikonen des Radsports – Fahrerinnen mit außergewöhnlichen Palmarès, die sich allerdings bereits in einem fortgeschrittenen Stadium ihrer Karrieren befinden. Ein neues Gesicht für die Zukunft war deshalb gefragt. Chladonova könnte sich nun als der nächste große Volltreffer der Mannschaft erweisen.
Weiterlesen
Nach Brennan gelingt Visma mit Barry der nächste Coup
Die Zukunftsstrategie von Visma - Lease a Bike konzentriert sich derzeit vor allem auf junge Talente und weniger auf Fahrer, die das im Vergleich zu einigen Konkurrenten inzwischen bescheidenere Budget auf dem Transfermarkt ermöglicht. Im Männerteam gelang mit Matthew Brennan bereits ein Volltreffer. Der Brite gewann bei der Vuelta a Espana, seiner ersten Grand Tour, gleich fünf Etappen.
Als Top-Sprinter mit bemerkenswerter Kletterstärke bietet Brennan dem Team eine hervorragende Perspektive für eine Zukunft, in der Grand Tours möglicherweise nicht mehr dieselbe Priorität genießen werden. Inzwischen besitzen die Niederländer jedoch ein weiteres außergewöhnliches Talent, um das sie langfristig aufbauen können.
Ashlin Barry gelang nur einen Tag nach Chladonova ebenfalls der Gewinn des Regenbogentrikots – und das ausgerechnet an seinem 19. Geburtstag. Der US-Amerikaner stieß in diesem Jahr zum Development-Programm von Visma - Lease a Bike und besitzt bereits einen Vertrag bis 2029. Angesichts seines aktuellen Leistungsniveaus wird allerdings erwartet, dass er deutlich früher in die WorldTour-Struktur aufsteigt.
Barry lässt sich dabei nicht ohne Weiteres einem klassischen Fahrertyp zuordnen. Er ist weder ein typischer Kletterer noch ein reiner Sprinter, sondern vielmehr ein vielseitiger Allrounder, dessen tatsächliche Grenzen bislang kaum abzuschätzen sind. Mit einer Körpergröße von 1,92 Metern und einem Gewicht von fast 80 Kilogramm gilt er vor allem als Klassiker-Spezialist und Zeitfahrer, der über enorme absolute Leistung für Rennen ohne große Anstiege verfügt.
Was Barry in Montreal zeigte, übertraf jedoch sämtliche Erwartungen. Der neue Träger des Regenbogentrikots war Teil der Ausreißergruppe des Tages und hielt sich mehr als 100 Kilometer an der Spitze. Dabei wehrte er nicht nur die Attacken ausgewiesener WorldTour-Fahrer wie Hector Alvarez und Aubin Sparfel ab, sondern baute seinen Vorsprung in den abschließenden Runden sogar noch weiter aus.
Die Ausdauerleistung des US-Amerikaners wirkte angesichts seiner körperlichen Voraussetzungen beinahe unlogisch. Als vergleichsweise schwerer Fahrer gewann Barry ein Rennen, in dem normalerweise Kletterer und ausgewählte Klassikerspezialisten besonders stark zur Geltung kommen. Dafür vereinte er Kletterstärke, Solofähigkeiten und enormes Stehvermögen. Körperlich erinnert Barry an seinen Landsmann und indirekten Teamkollegen Matteo Jorgenson. Sein außergewöhnliches Talent steht außer Frage – welche Spezialisierung sich langfristig herauskristallisieren wird, ist hingegen noch völlig offen.
Mit den Erfolgen von Chladonova und Barry wächst bei Visma - Lease a Bike eine neue Generation von Gewinnern heran. Zwei U23-Titel bei der Radsport-WM innerhalb von nur 24 Stunden liefern dem Männer- und Frauenteam neue Hoffnung auf zukünftige Erfolge. Die Perspektive der niederländischen Mannschaft erscheint damit deutlich vielversprechender als noch vor zwei Jahren.

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
Klatscht 0Besucher 0
Gerade In
Beliebte Nachrichten
Aktuelle Kommentare
- Also bitte, 1 MRT und man weiß bescheid. Vorausgesetzt die Ärzte sind keine Vollpfosten. Ich schreibe das, weil schon wieder PPNl das Thema ist.Wurm30-10-2026
- Wer ist Kimi Antonelli und hat Mercedes jetzt ein Radteam?Wurm29-10-2026
- Sorry für meine Vertipper. Seltsam, dass man nichtmal 5 Minuten lang editieren kann.Wurm25-10-2026
- Ich bon etwas verwirrt, das ganze Jahr hieß es "Ineos hat mit Netcompany nen 100 Millionen Euro Fisch an Land gezogen. Plus das Total Enerfie Geld sollte doch genug vorhanden sein. Oder hat ne absurde Ablöse für Onley alles verbraucht? Dann sollte dwe Verantwortliche evtl gehangen werden ;)Wurm25-10-2026
- Hoffe sie setzen sich durch, ist überfällig und so kann's ja echt nicht weitergehen.Bonos10-10-2026
- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026










