Die Weltmeisterschaften reisen 2026 nach Nordamerika: Das größte Eintagesrennen der Welt gastiert an einer renommierten Radsportadresse in Montréal, Kanada. Und während für manche Nationaltrainer die Nominierung recht unkompliziert ist (etwa für Slowenien), hat Belgiens Chefselekteur
Serge Pauwels für einen Kurs, der nicht so schwer wirkt wie die vergangenen Ausgaben in Kigali und Zürich, fast zu viele verlockende Optionen.
Doch welches Rezept setzt Doppel-Weltmeister Tadej Pogačar unter Druck? „Es gibt viele Fahrer, die in dieses Team passen könnten“, räumte Nationaltrainer Serge Pauwels nach der Streckenbesichtigung in Montréal ein. „Wenn alle in Form sind, wird die Liste sehr lang.“
Anders als in den vergangenen zwei Jahren bekommen in Montréal auch kräftige Rouleure wie Jasper Stuyven eine realistische Chance. Der Rundkurs auf und um den Mont Royal (1,6 Kilometer mit 7,7 %) liegt vielen Experten der flämischen Klassiker ebenso wie ihren kletterstarken Kollegen. Damit wird Belgiens ohnehin tiefer Talentpool noch breiter.
Und dann ist da
Wout van Aert, der nach seiner WM-Pause im Vorjahr das Rennen fest anpeilt. „Er will unbedingt dabei sein“, so Pauwels. „Wenn man sich unseren Pool anschaut, könnte ich fast zwei Teams nominieren.“ Das zweite Team wäre natürlich um den Weltmeister von 2022,
Remco Evenepoel, gebaut.
Wie man mit dem Slowenen umgeht
Pauwels räumt ein, dass Belgiens größte Herausforderung darin liegt, eine homogene Gruppe mit klarer Hierarchie und klaren Aufgaben zu formen. „Rennen, die bergauf enden, werden oft von ihm [Pogačar] entschieden“, sagte der belgische Nationalcoach. „Wir müssen den bestmöglichen Weg finden, darauf zu reagieren.“ Eine glaubwürdige Strategie ist, einen der beiden, Evenepoel oder Van Aert, Pogačars Angriff vorwegnehmen zu lassen. Doch das ist leichter gesagt als getan.
Jedenfalls kann es sich Pauwels leisten, etwas zu pokern, indem er für die Finale noch ein, zwei zusätzliche Joker mitnimmt und die Zahl der klassischen Helfer gering hält.
„Wir müssen das Rennen nicht von Start bis Ziel kontrollieren“, erklärte Pauwels. „Aber wir müssen wachsam bleiben und mithelfen, es im Griff zu behalten. Fahrer wie Remco Evenepoel fühlen sich in so einer Konstellation wohl.“
Eines ist in dieser Saison schon klar: Nur zwei Fahrer können Pogačars Hinterrad bei einem Effort wie am Mont Royal halten. Und keiner von beiden fährt zu Pauwels’ Leidwesen für Belgien (Paul Seixas für Frankreich und Mathieu van der Poel für die Niederlande), sondern für Konkurrenzteams.
Entsprechend liegt es vor allem am belgischen Taktiker, Gegenmittel gegen das slowenische Phänomen zu finden: „Wir müssen kreativ sein“, gab Pauwels zu. „Man muss überlegen, wie man die eigenen Chancen erhöht – nicht nur reagieren.“
Wout Van Aert ist einer der wenigen, die Tadej Pogacar 2026 schlagen können
Belgien dürfte seine Ambitionen auf Evenepoel und Van Aert ausrichten, doch die Kernfrage bleibt, wie man einen Fahrer kontert, der diesen Terrain-Typ wiederholt dominiert hat.
„Vielleicht liegt unsere Chance darin, dass er nicht die gleiche Unterstützung hat wie in seinem Trade-Team (UAE Team Emirates - XRG, Anm.)“, sagte Pauwels mit Blick vor allem auf Primož Roglič (falls dabei), Matej Mohorič und Jan Tratnik als Pogačars wichtigste Helfer in Montréal. „Das könnte die Dynamik verändern.“