„Wenn das der beste van der Poel war, wird er in zwei Wochen zerlegt“ – Thijs Zonneveld warnt nach Cipressa-Chaos bei Milano-Sanremo

Radsport
durch Nic Gayer
Sonntag, 22 März 2026 um 14:00
Mathieu van der Poel
Was sich an der Cipressa bei Mailand-Sanremo 2026 abspielte, wirkte bereits im Rennen chaotisch. Im Nachgang löste die Szene zudem eine deutlich schärfere Debatte über das aktuelle Niveau von Mathieu van der Poel aus, wobei Thijs Zonneveld eine schonungslose Einschätzung der möglichen Folgen für die kommenden Wochen lieferte.
Im Podcast In de Waaier hielt sich Zonneveld weder in seiner Rennanalyse noch in deren Konsequenzen zurück.

Crash-Chaos formt das Rennen neu

Mit Blick auf die Flandern-Rundfahrt in zwei Wochen fiel sein Fazit deutlich aus: „Für Van der Poel muss man hoffen, dass ihn dieser Sturz wirklich getroffen hat. Denn wenn das der beste Van der Poel war, wird er in zwei Wochen zerlegt.“
Mathieu van der Poel bei Mailand-Sanremo 2026
Mathieu van der Poel bei Mailand-Sanremo 2026
Diese Warnung wiegt schwer im Kontext des Rennens. Van der Poel wurde in Sanremo nicht einfach geschlagen. Er geriet in eine Ereigniskette, die das Rennen nach einem Sturz kurz vor der Cipressa massiv zugunsten von Tadej Pogacar verschob.
Dass Pogacar in diesem Moment zu Boden ging, wirkte zunächst wie das denkbar schlechteste Szenario für UAE Team Emirates - XRG. „Das absolut Schlimmste, was in diesem Moment passieren konnte“, sagte Zonneveld.
Doch das anschließende Chaos veränderte die Dynamik letztlich zu Ungunsten von Van der Poel. Entscheidend war, dass auch er in die Unordnung hineingezogen wurde. Zwar fand er relativ schnell wieder nach vorn, doch der zusätzliche Kraftaufwand hinterließ Wirkung.
Zonneveld hob den entscheidenden Unterschied hervor, wie beide Fahrer ins Rennen zurückkehrten. „Van der Poel wird 500 Meter vor der Cipressa von Philipsen zurückgebracht und muss sich dann alleine nach vorne positionieren.“
Pogacar hingegen wurde von seinem Team zurück ins Spitzenfeld geführt, wobei Brandon McNulty eine zentrale Rolle spielte und ihn exakt im richtigen Moment wieder ganz nach vorn brachte.
Dieser Kontrast erwies sich als entscheidend. Der eine Fahrer kehrte mit Struktur und Unterstützung zurück ins Rennen. Der andere musste unmittelbar vor der Schlüsselfase einen längeren, exponierten Effort fahren.

Vom explosiven Rennen zum Ausdauerduell

Die Folgen dieser Zusatzbelastung zeigten sich nicht sofort, waren aber ausschlaggebend. Laut Zonneveld veränderte sich dadurch der Charakter der Cipressa grundlegend. „Dadurch wurde die Cipressa für Van der Poel nicht neun oder zehn Minuten, sondern ein Effort von vierzehn oder fünfzehn Minuten.“
Diese Verschiebung spielte Pogacar direkt in die Karten. Aus einem kurzen, explosiven Anstieg, an dem Van der Poels Punch entscheidend sein kann, entwickelte sich ein langer Belastungstest.
Von dort an setzte Pogacar seinen Plan konsequent um. „Man sieht, dass Pogacar die Abfahrt der Cipressa so hart fährt, dass Van der Poel nie wirklich bequem im Rad ist. Er will den Effort so lang und so hart wie möglich machen, ohne Erholungsmomente.“
Das Ziel war klar: dem Niederländer die Möglichkeit nehmen, später im Rennen eine entscheidende Beschleunigung zu setzen. Dieser Plan ging auf.

Ein beunruhigendes Signal vor Flandern?

Der auffälligste Punkt in Zonnevelds Analyse liegt nicht nur im Rennverlauf selbst, sondern in dessen Bedeutung für die kommenden Klassiker. Pogacar fuhr trotz seines Sturzes an der Cipressa eine noch schnellere Passage als in früheren Austragungen.
Das unterstreicht die Intensität seiner Leistung, verschärft aber gleichzeitig die Frage nach Van der Poels aktueller Verfassung. „Nicht nur wurde sein Rennen härter, auch das von Van der Poel wurde härter. Und genau das wollte Pogacar.“
In diesem Szenario entfernte sich das Rennen immer weiter von der Explosivität und entwickelte sich zu einem reinen Ausdauerduell. In diesem Terrain präsentierte sich Pogacar klar überlegen.
Damit richtet sich der Blick unmittelbar auf die nächste große Bühne. Die Flandern-Rundfahrt rückt näher, und die Erwartung bleibt, dass Van der Poel dort erneut direkt auf Pogacar trifft.
Zonnevelds Warnung dämpft die Vorfreude spürbar. Wenn Sanremo Van der Poel tatsächlich in seiner aktuellen Bestform gezeigt hat, könnte die bevorstehende Aufgabe größer sein als erwartet. Es ist ein hartes Fazit, doch es spiegelt den Rennverlauf präzise wider. Und da die Klassiker-Kampagne gerade erst begonnen hat, bleibt die Diskussion um Van der Poels Verfassung offen.
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