Die Kopfsteinpflaster-Klassiker zählen zu den härtesten Prüfungen im Profiradsport – nicht nur physisch, sondern vor allem wegen des gnadenlosen Positionskampfs und der Risiken auf schmalen Straßen und explosiven Anstiegen. Nicht jeder Grand-Tour-Sieger brilliert dort, doch Tadej Pogačar schon – und erntet dafür Lob vom belgischen Kommentator José De Cauwer.
De Cauwer fordert Klarheit bei Evenepoel, staunt über Pogačar
Der
Sporza-Kommentator ist für klare Worte bekannt. Nach Remco Evenepoels ungewohnt verhaltener Vorstellung bei der UAE Tour stellt er die Frage, ob Evenepoel in diesem Frühjahr doch die Flandern-Rundfahrt bestreiten will und seine Vorbereitung stärker auf die Klassiker ausrichtet.
„Ach was, erster oder siebter Ersatz. Vielleicht hat sich nach der UAE Tour etwas geändert? Vielleicht will sein Team ihn doch in Flandern einsetzen, oder drängt er selbst?“, fragt De Cauwer beim belgischen Sender. „Ursprünglich war das sicher nicht der Plan. Man wollte die Linie halten. Aber die Frage ist, ob dieser Plan nach der Rundfahrt angepasst wurde.“
Evenepoel bricht nun ins Höhentrainingslager auf und kehrt bei der Volta a Catalunya ins Rennen zurück, wo ihm das Profil für Kletterform eher liegt. Die Flandern-Rundfahrt zusätzlich in den Kalender zu nehmen, bleibt ein riskisches Manöver. „Das sollte grundsätzlich nicht passieren, denn dann hast du keinen klaren Plan und beginnst zu zweifeln. Ich würde Nein sagen, auch wenn wir es uns alle wünschen.“
Der Unterschied zu Pogačar
Am anderen Ende des Spektrums steht hingegen Tadej Pogačar, der bis in den späten April ausschließlich die Frühjahrsklassiker bestreiten wird.
Der Slowene fährt die Flandern-Rundfahrt als Fixpunkt, als Titelverteidiger und Mann, den es auf den flämischen Hellingen zu schlagen gilt. Anschließend plant er sein Comeback bei Paris–Roubaix.
„Ich bewundere Pogačar enorm dafür, dass er das will – und dass sein Team es zulässt. Er kommt als Leichtgewicht und Toursieger nach Roubaix“, sagt der Belgier. Gleichzeitig kritisiert er die abwesende Konkurrenz scharf und bringt eine ungewöhnliche Spitze gegen Jonas Vingegaard.
„Klingelt in Dänemark an Trines Tür (Jonas Vingegaards Partnerin, Anm.) und fragt, ob Jonas Roubaix fahren darf. Sie wird sagen, dass er an dem Tag nicht raus darf. Und in der Woche davor auch nicht. Was Pogačar macht, ist so beeindruckend, dass wir es fast schon für normal halten. Er kommt zurück und will gewinnen.“
Im Vorjahr gewann der Weltmeister, nachdem er
Mathieu van der Poel mit einer Serie von Attacken an den Anstiegen zermürbt hatte. Dieses Szenario muss sich heuer jedoch nicht wiederholen, warnt De Cauwer. „Wenn Van der Poel vor der letztjährigen Tour nicht krank geworden wäre, würde Pogačar ihn nicht abschütteln …“
„Mit einem gesunden Van der Poel und einem starken Van Aert sind wir bei der Tour noch lange nicht durch … Da könnte ein echter Schlagabtausch entstehen.“