Tadej Pogačar hat im Vorfeld von Paris–Roubaix ein deutliches Zeichen gesetzt und bei einer letzten Streckenbesichtigung in dieser Woche die schnellste jemals gemessene Zeit auf einem der entscheidenden Kopfsteinpflastersektoren erzielt.
Nur wenige Tage vor dem Start in der „Hölle des Nordens“ absolvierte der Weltmeister gemeinsam mit seinen Teamkollegen von UAE Team Emirates XRG eine 146 Kilometer lange Trainingsausfahrt und nutzte dabei genau jene Pavé-Passagen, die am Sonntag den Rennverlauf prägen dürften.
Bestzeit auf Schlüsselabschnitt als klares Signal
Die Einheit war weit mehr als eine routinemäßige Streckenbesichtigung. Auf dem Sektor Warlaing à Brillon stoppte Pogačar die Zeit bei 3:04 Minuten und sicherte sich damit den
Strava-KOM – zwei Sekunden schneller als die bisherige Bestmarke aus dem Vorjahr. Florian Vermeersch stellte im Windschatten dieselbe Zeit auf, was Tempo und Intensität des Efforts zusätzlich unterstreicht.
Tadej Pogacar bei der Besichtigung des Pflasters vor Paris-Roubaix 2026
Streckenbesichtigungen lassen sich häufig als kontrollierte Trainingseinheiten interpretieren, die nur begrenzte Rückschlüsse auf den Rennverlauf zulassen. Doch Pogačars jüngste Ausfahrt fügt sich nahtlos in ein Muster ein, das seinen Ansatz für Paris–Roubaix seit geraumer Zeit prägt.
Seit er das Monument erstmals gezielt ins Programm genommen hat, behandelt er das Rennen nicht als Experiment, sondern als klares sportliches Ziel. Das zeigte sich bereits bei seinem Debüt im Vorjahr. Trotz eines Sturzes in einer entscheidenden Phase des Finales belegte Pogačar noch Rang zwei hinter Mathieu van der Poel, nachdem er zuvor Teil der entscheidenden Gruppe gewesen war und das Rennen aus der Distanz aktiv mitgestaltet hatte.
Diese Leistung hat die Erwartungshaltung nachhaltig verändert. Pogačar reist 2026 nicht mehr als Außenseiter auf ungewohntem Terrain an, sondern als ernsthafter Kandidat auf den Sieg.
Form trifft auf historische Chance
Auch der Zeitpunkt der Trainingsfahrt verstärkt den Eindruck seiner aktuellen Stärke. In diesem Frühjahr hat Pogačar bereits Milano–Sanremo und die Flandern-Rundfahrt gewonnen – jeweils vor van der Poel – und geht mit der Chance auf ein seltenes historisches Kunststück nach Roubaix. Ein Sieg am Sonntag würde seinen vollständigen Monumente-Satz komplettieren – als erster Fahrer seit Roger De Vlaeminck.
Vor diesem Hintergrund gewinnt jedes Detail zusätzlich an Bedeutung. Eine Trainingsbestzeit entscheidet kein Rennen, sie verstärkt jedoch den Gesamteindruck. Pogačar bereitet sich nicht nur auf Roubaix vor – er testet aktiv seine Grenzen auf einem Terrain, das Fahrern seines Profils traditionell wenig entgegenkommt.
Die Rivalität spitzt sich weiter zu
Sollte seine Streckenfahrt als Signal verstanden werden, ist sie bei der Konkurrenz längst angekommen. Van der Poel reist als dreifacher Titelverteidiger an und strebt den vierten Sieg in Serie an. Wout van Aert führt zudem ein starkes Team von Team Visma | Lease a Bike an, das in Roubaix endlich den entscheidenden Durchbruch schaffen will. Beide wissen, dass dieses Rennen selten allein über Leistungswerte entschieden wird – Positionierung, Härte und Rennverlauf spielen stets eine zentrale Rolle.
Die jüngste Trainingsfahrt des Slowenen lässt dennoch keinen Zweifel daran, mit welcher Haltung er an den Start gehen wird. Er tastet sich nicht vorsichtig an das Rennen heran.
Seine Bestzeit auf dem Sektor Warlaing à Brillon wird am Sonntag in keiner Ergebnisliste auftauchen und könnte im Rennverlauf sogar bedeutungslos bleiben. Als letzter Akzent vor Paris–Roubaix erfüllt sie dennoch ihren Zweck – als klare Erinnerung daran, dass er nicht nur zum Mitfahren kommt.