Visma - Lease a Bike: Nur zwei Neuzugänge für 2027 – wer bekommt den letzten freien Kaderplatz?
Radsport
Auf dem Transfermarkt für die Saison 2027 hält sich Visma - Lease a Bike bislang auffallend zurück. Während andere WorldTour-Mannschaften ihre Kader mit zahlreichen Neuverpflichtungen verstärken, hat das niederländische Team nur wenige Veränderungen vorgenommen. Aktuell ist noch genau ein Platz im Aufgebot frei. Damit stellt sich die Frage, ob die Mannschaft einen weiteren etablierten Profi verpflichten, einem bisherigen Fahrer das Vertrauen schenken oder eines ihrer vielversprechenden Nachwuchstalente vorzeitig in die WorldTour befördern wird.
Bereits am 13. Januar wurde Matisse van Kerckhove in La Nucia als Neuzugang für 2027 vorgestellt. Nur wenige Tage nach dem überraschenden Karriereende von Simon Yates richtete Visma - Lease a Bike den Blick auf die Zukunft und präsentierte den jungen Belgier als Teil seiner langfristigen Planung. Damit begann die Transferoffensive für die kommende Saison ungewöhnlich früh. Mehr als neun Monate später ist die Bilanz allerdings überschaubar: Mit Mark Donovan wurde seither lediglich ein weiterer Fahrer offiziell als Neuzugang mit Vertragsbeginn 2027 bestätigt.
Nach Simon Yates' Rücktritt: Nur wenige Veränderungen im Visma-Kader
Zu Beginn des Jahres 2026 verfügte Visma - Lease a Bike über einen vollständig besetzten Kader mit 30 Fahrern. Doch bereits kurz darauf reduzierte sich die Zahl auf 29, als Giro-d'Italia-Sieger Simon Yates völlig überraschend seinen Rücktritt bekannt gab. Für die niederländische Mannschaft bedeutete diese Entscheidung den Verlust eines wichtigen Leistungsträgers für die großen Rundfahrten.

Mark Donovan wechselt 2027 vom Pinarello - Q36.5 Pro Cycling Team zu Visma - Lease a Bike. Der Brite, der zuvor zwei Jahre an der Seite von Tom Pidcock fuhr, gehört zu den wenigen bislang bestätigten Neuzugängen der Niederländer.
Den freigewordenen 30. Kaderplatz besetzte das Team schließlich mit Fabio Jakobsen, dessen Verpflichtung im Zusammenhang mit der Öffnung des Transfermarktes im August stand. Der niederländische Sprinter hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen und konnte deshalb nicht mehr an seine starken Leistungen aus den frühen 2020er-Jahren anknüpfen. Bei Team Picnic PostNL hatte sich zuletzt allerdings eine positive Entwicklung abgezeichnet. Jakobsen wirkte wieder motivierter und schien sich schrittweise seinem früheren Leistungsniveau anzunähern.
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Sein Wechsel nimmt innerhalb der Transferplanung eine Sonderstellung ein. Obwohl Jakobsen ursprünglich als Neuzugang für 2027 eingeplant war, einigten sich die beteiligten Parteien auf eine vorzeitige Auflösung seines Vertrags bei Team Picnic PostNL. Dadurch konnte er sich Visma - Lease a Bike bereits während der Saison 2026 anschließen.
Bei Matisse van Kerckhove verhält es sich dagegen anders. Der Belgier wurde zwar bereits im Januar offiziell vorgestellt, sein Vertrag mit der WorldTour-Mannschaft beginnt jedoch erst 2027.
Mark Donovan ist somit der einzige seit August bestätigte Neuzugang, dessen Wechsel tatsächlich erst zur kommenden Saison wirksam wird. Der Brite kommt vom Pinarello - Q36.5 Pro Cycling Team und soll vor allem als Helfer eingesetzt werden. Zuvor hatte er zwei Jahre lang bei der Schweizer Mannschaft an der Seite von Tom Pidcock gearbeitet. Seine Verpflichtung kam vergleichsweise überraschend und unterstreicht, dass Visma - Lease a Bike bislang eher gezielt als großflächig auf dem Transfermarkt aktiv geworden ist.
Loe van Belle: Bleibt der letzte freie Kaderplatz beim bisherigen Teamfahrer?
Für 2027 stehen bei Visma - Lease a Bike derzeit 29 Fahrer unter Vertrag. Neben Simon Yates beendet auch Steven Kruijswijk seine Karriere. Einen Wechsel zu einer anderen Mannschaft hat dagegen bislang keiner der übrigen Fahrer vollzogen.
Eine offene Personalfrage betrifft Loe van Belle. Der 24-Jährige ist der einzige Fahrer des aktuellen Aufgebots, dessen Zukunft noch nicht geklärt ist und der für die kommende Saison bislang keinen Vertrag besitzt. Theoretisch könnte er den letzten verfügbaren Platz erhalten.
Van Belle rückte 2024 in die WorldTour-Mannschaft auf, konnte sich in den vergangenen drei Jahren jedoch nicht dauerhaft für eine größere Rolle empfehlen. Eine Grand Tour hat er bislang nicht bestritten, auch ein Profisieg steht noch aus. Stattdessen übernahm er überwiegend Helferaufgaben.
Dass der Niederländer durchaus über interessante Qualitäten verfügt, zeigte er allerdings mehrfach. Beim Copenhagen Sprint erreichte er den elften Platz. Zuletzt gelangen ihm zudem Top-10-Ergebnisse bei der ZLM Tour und der laufenden Guangxi-Rundfahrt. Damit deutete er an, dass er sowohl als schneller Fahrer für eigene Sprintchancen als auch als Anfahrer wertvoll sein könnte.
Dennoch befindet sich van Belle in einer schwierigen Ausgangslage. Da Visma - Lease a Bike nur noch einen Kaderplatz zu vergeben hat, könnte seine Zukunft davon abhängen, ob die Mannschaft auf dem Transfermarkt noch eine andere Wunschlösung findet. Eine Vertragsverlängerung erscheint möglich, ist aber keineswegs gesichert.
An seinen grundsätzlichen Fähigkeiten besteht wenig Zweifel. Ein vollständiges Ende seiner Profikarriere erscheint deshalb unwahrscheinlich. Ob van Belle allerdings weiterhin auf WorldTour-Niveau fahren kann, bleibt offen.
Verpasste Transfers: Tesfatsion und Ballerini entscheiden sich gegen Visma
Dass Visma - Lease a Bike bislang nur wenige Neuzugänge für 2027 präsentiert hat, ist offenbar nicht ausschließlich das Ergebnis einer bewusst zurückhaltenden Transferstrategie. Vielmehr gelang es der Mannschaft nicht, sämtliche Fahrer zu verpflichten, mit denen sie in den vergangenen Monaten in Verbindung gebracht worden war.
Mehrere prominente Namen galten zwischenzeitlich als mögliche Verstärkungen für die „Bienen“, entschieden sich letztlich jedoch für andere sportliche Perspektiven.
Dazu gehört Natnael Tesfatsion. Der antrittsstarke Eritreer vom Movistar Team sammelte in dieser Saison wichtige UCI-Punkte und stand Berichten zufolge auf der Wunschliste von Visma - Lease a Bike. Zu einem Wechsel kam es allerdings nicht, weil Tesfatsion seinen Vertrag bei der spanischen Mannschaft verlängerte.
Noch konkreter schien zwischenzeitlich eine Verpflichtung von Davide Ballerini. Der Italiener vom XDS Astana Team galt vor einigen Monaten bereits als nahezu sicherer Neuzugang der Niederländer. Letztlich kam der Transfer jedoch nicht zustande.

Davide Ballerini galt zwischenzeitlich als nahezu sicherer Neuzugang von Visma - Lease a Bike. Der Italiener entschied sich jedoch gegen den Wechsel zum niederländischen Team und unterschrieb stattdessen beim Pinarello - Q36.5 Pro Cycling Team.
Stattdessen entschied sich Ballerini für das Pinarello - Q36.5 Pro Cycling Team und nahm damit sogar den Abschied aus der WorldTour in Kauf. Für Visma - Lease a Bike bedeutete dies, dass eine mögliche Verstärkung für die Klassiker und anspruchsvolle Eintagesrennen nicht realisiert werden konnte.
Auch über ein Interesse an Paul Seixas wurde berichtet. Ein Wechsel des französischen Ausnahmetalents erscheint derzeit zwar wenig wahrscheinlich, lässt sich aber nicht vollständig ausschließen. Frühestens 2028 könnte ein solcher Transfer zustande kommen, sofern Seixas seinen aktuellen Vertrag bei seiner Mannschaft nicht verlängert.
U23-Weltmeister Ashlin Barry als Lösung? Visma setzt auf seine Nachwuchstalente
Während die Verpflichtung etablierter Profis bislang nur begrenzt erfolgreich verlief, investiert Visma - Lease a Bike weiterhin konsequent in die Entwicklung junger Fahrer.
Zuletzt sicherte sich die Mannschaft mit Seff van Kerckhove ein weiteres vielversprechendes Talent. Der jüngere Bruder von Matisse van Kerckhove ist erst 18 Jahre alt und zählt in dieser Saison zu den am höchsten eingeschätzten Junioren. Zuvor stand er beim Nachwuchsteam von Decathlon unter Vertrag.
Mit solchen Verpflichtungen verfolgt Visma - Lease a Bike eine Strategie, die bereits bei Fahrern wie Matthew Brennan und Olav Kooij erfolgreich war: Talente frühzeitig an die Mannschaft binden, gezielt entwickeln und ihnen anschließend den Weg in den Spitzenradsport ermöglichen.
Angesichts des letzten freien Kaderplatzes wäre es deshalb keine Überraschung, wenn das Team auf eine weitere externe Verpflichtung verzichtet und stattdessen einen Fahrer aus der eigenen U23-Mannschaft vorzeitig in die WorldTour befördert.
Drei Talente kommen dafür besonders infrage.
Patryk Goszczumy: Ein vielseitiger Nachwuchsfahrer mit Entwicklungspotenzial
Der 20-jährige Pole Patryk Goszczumy hat in dieser Saison mehrfach seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Bei der Tour de l'Ain gewann er die Bergwertung, zudem sicherte er sich den polnischen U23-Meistertitel im Einzelzeitfahren.
Auch bei O Gran Camino machte er mit mehreren Top-10-Platzierungen auf einzelnen Etappen auf sich aufmerksam. Zwar hat sich Goszczumy bislang noch nicht als klarer Kapitän für größere Rennen etabliert, doch seine Vielseitigkeit und seine bisherigen Ergebnisse sprechen dafür, dass ein Aufstieg in die WorldTour früher oder später realistisch ist.
Ob Visma - Lease a Bike diesen Schritt bereits zur Saison 2027 vollziehen möchte, bleibt abzuwarten.
Henry Hobbs: Der ZLM-Tour-Sieger als weitere Option
Ein weiterer Kandidat ist Henry Hobbs, der jüngere Bruder von Noah Hobbs, der bei EF Education-EasyPost als Sprinter unter Vertrag steht.
Henry absolviert derzeit seine erste Saison bei Visma - Lease a Bike und hat bereits nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht. Besonders bemerkenswert war sein jüngster Erfolg bei der ZLM Tour, die er im Einsatz mit der Elite-Mannschaft gewann.
Dabei setzte er sich unter anderem gegen Max Walscheid von LIDL-Trek durch. Dieser Sieg unterstreicht, dass Hobbs bereits über das Potenzial verfügt, sich auch gegen erfahrene Profis zu behaupten.
Damit könnte der Brite ebenfalls eine interessante interne Lösung für den letzten freien Platz im WorldTour-Kader darstellen.
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Ashlin Barry: Der U23-Weltmeister könnte schon 2027 aufsteigen
Als wahrscheinlichster Kandidat für einen vorzeitigen Aufstieg gilt jedoch Ashlin Barry. Der US-Amerikaner ist erst 19 Jahre alt geworden und wechselte überhaupt erst in dieser Saison in die U23-Kategorie. Trotzdem hat er bereits Leistungen gezeigt, die ihn für einen schnellen Sprung in die höchste Radsportklasse empfehlen.
Barry kam schon mehrfach mit der Elite-Mannschaft von Visma - Lease a Bike zum Einsatz und bewies dabei, dass er auch im professionellen Peloton konkurrenzfähig sein kann.
Der amtierende US-amerikanische U23-Straßenmeister gewann eine Etappe der Olympia's Tour und belegte beim turbulenten Antwerp Port Epic im Trikot der WorldTour-Mannschaft den 15. Platz.
Seinen bislang größten Erfolg feierte er schließlich bei der U23-Radsport-WM. Dort sicherte er sich den Weltmeistertitel und beeindruckte insbesondere mit einer entschlossenen Attacke aus einer Ausreißergruppe heraus.
Dieser Vorstoß verdeutlichte, wie vielseitig Barry bereits in jungen Jahren aufgestellt ist. Neben seinen Kletterqualitäten überzeugte er mit großer Ausdauer, ausgeprägten Zeitfahrfähigkeiten und einem bemerkenswert reifen taktischen Verständnis.
Vertraglich besteht für Visma - Lease a Bike kein unmittelbarer Handlungsdruck. Barry ist bereits bis 2029 an die Mannschaft gebunden und muss sich deshalb keine Sorgen um seine sportliche Zukunft machen.
Dennoch könnte das niederländische Team die Gelegenheit nutzen, ihm schon jetzt einen festen Platz im WorldTour-Aufgebot zu geben. Ein solcher Schritt würde ihm zusätzliche Rennerfahrung auf höchstem Niveau ermöglichen und zugleich die langfristige Nachwuchsstrategie der Mannschaft unterstreichen.
Damit bleibt die Besetzung des letzten freien Kaderplatzes eine der spannendsten Personalfragen bei Visma - Lease a Bike. Während die Verpflichtung weiterer etablierter Profis bislang an mehreren Stellen scheiterte, verfügt das Team mit van Belle und seinen eigenen Nachwuchstalenten über interessante Alternativen. Ob am Ende ein externer Neuzugang, ein bisheriger Helfer oder der frisch gekürte U23-Weltmeister den Zuschlag erhält, dürfte sich in den kommenden Monaten entscheiden.

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026










