„So wie er drauf ist, ist es oft Zeitverschwendung“ – Iván Romeo offen darüber, einem Duell mit Tadej Pogacar aus dem Weg zu gehen

Radsport
durch Nic Gayer
Freitag, 27 Februar 2026 um 14:30
Collage_TadejPogacarIvanRomeo
Ivan Romeo ist längst mehr als ein Versprechen - er liefert bereits. Sein Etappensieg und der Gesamterfolg bei der Vuelta a Andalucia bestätigten, was das Peloton schon wusste: Der spanische Radsport verfügt über einen kompletten Fahrer, einen Zeitfahr-Weltklassemann und einen Profi mit unersättlichem Hunger.
Am Mikro von COPEs El Partidazo produzierte der Fahrer aus Valladolid nicht nur Schlagzeilen, sondern zeigte Charakter. Die Saison hat gerade erst begonnen, doch Romeo hat die Arme bereits in die Höhe gerissen. Nach Juan Ayusos Sieg an der Algarve rückte auch das Movistar-Talent ins Rampenlicht. Mit 22 Jahren vereint er Ehrgeiz und eine Mentalität, die sofort einnimmt.

Berufung auf zwei Rädern

„Das Jahr auf dem richtigen Fuß zu beginnen, wie ihr sagt“, fasste er gelassen zusammen, während er noch die Wirkung einer „ziemlich intensiven“ Woche in Andalusien verarbeitete. Er lebt inzwischen in Andorra, doch die Kälte, sagt er, bleibe ein Markenzeichen aus Valladolid.
Manche Profis bestreiten Rennen. Andere - wie Romeo - leben auf dem Rad. Für ihn ist es Berufung. „Wenn sie mir zwei Wochen Urlaub gäben, würde ich mit Kumpels Rad fahren, Musik hören, und ich werde dafür bezahlt. Das ist wirklich schön.“
Das klingt nicht nach Floskel, sondern nach Überzeugung. Romeo spricht über Radsport als Lebensform: „Ich denke, es ist ein sehr harter Sport, aber was die Lebensqualität angeht, würde ich sagen, er ist sehr gut.“ Und macht Wettkampf Spaß? Seine Antwort fällt ehrlich aus: „Im Rennen ja, es hängt davon ab, wie es läuft, aber es ist komplizierter. Und wenn es gut läuft, genießt man es manchmal sogar weniger, weil man sehr gestresst ist.“

1,93 Meter, Weltmeister und klare Ziele

Romeo misst 1,93 Meter und gewann den U23-Weltmeistertitel im Zeitfahren. Große Vergleiche vermeidet er, auch wenn die Schablone unweigerlich an Miguel Indurain erinnert. „Wenn ich ein Zehntel von dem schaffe, was Miguel erreicht hat, wäre das, glaube ich, schon eine sehr gute Karriere“, sagte er demütig.
Sein Idol war dennoch stets Alejandro Valverde: „Mein Idol war immer ‚Bala‘, auch wenn er als Fahrertyp nichts mit mir zu tun hat.“ Romeo kennt seine Stärken - und seine Grenzen. Er weiß, dass das extreme Hochgebirge nicht sein bevorzugtes Terrain ist, versteckt sich aber nicht: „Bergauf kannst du gut fahren. Du kannst nicht wie die Allerbesten fahren, das scheint vorerst sehr schwierig.“
Die Frage liegt auf der Hand: Entwickelt sich hier ein künftiger Grand-Tour-Sieger oder ein Spezialist für Klassiker und einwöchige Rundfahrten? Seine Antwort wirkt für sein Alter bemerkenswert klar: „Am ehesten einwöchige Rundfahrten und Klassiker. Ich würde gern das andere sagen, aber ich glaube, das wäre gelogen. Ich müsste mich sehr verbessern, um Grand Tours bestreiten zu können.“
„Das Niveau hat sich massiv verändert und es ist sehr hart.“ Nach seinem Traumrennen gefragt, zögert er nicht: „Eine Elite-WM ist das Größte, was es gibt. Sie hat eine andere Aura. Und das Trikot ist das schönste im Sport.“
Iván Romeo gewann die Gesamtwertung der Vuelta a Andalucía 2026
Iván Romeo gewann die Gesamtwertung der Vuelta a Andalucía 2026

Angriffslust in der Pogacar-Ara

Wer Romeo fahren sieht, erkennt sofort: Er taktiert nicht auf Sicherheit. Er greift an. Er macht Fehler. Er zeigt Emotionen. Aber er versteckt sich nie. „So bin ich. Zum Guten wie zum Schlechten. Ich setze mir oft Ziele, die außer Reichweite liegen, aber ich weiß auch, wie ich dieses schlechte Gefühl schnell wieder abschüttele.“
Er will seine Natur nicht verändern. In einem bis ins Detail durchgeplanten Profisport wirkt das wie pures Wettbewerbsgold.
Über die Gegenwart des Radsports zu sprechen heißt, über Tadej Pogacar zu sprechen. Romeo weicht diesem Thema nicht aus. „Die Rennen, in denen er fährt, sind schwer zu erklären. Man weiß, es wird praktisch unmöglich. Er kontrolliert alles und hat zudem das beste Team. Wenn er will, dann macht er’s. Manchmal versucht man, Rennen zu wählen, die er nicht fährt, denn in denen, in denen er ist, ist es oft Zeitverschwendung.“
Der moderne Radsport verlangt Disziplin in jedem Detail: Ernährung, Daten, 24-Stunden-Kontrolle. Romeo beschreibt es nüchtern: „Während der Saison sind wir so gut wie Roboter.“ Eine App für jedes Essen, ständige Gewichtskontrolle, akribische Planung - der Alltag ist streng getaktet. Doch Raum für Genuss bleibt: „Zwei- bis dreimal pro Woche rutscht etwas Süßes rein. Meist ein Gebäck.“ In intensiven Trainingswochen verbrennt er rund 5.000 Kalorien pro Tag.
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