„So war es wirklich die richtige Entscheidung“ – Visma-Sportdirektor reagiert auf Dumoulins Kritik an Vingegaards Materialwahl am Tourmalet

Radsport
Samstag, 11 Juli 2026 um 11:00
Jonas Vingegaard in action on Stage 6 of the 2026 Tour de France
Etappe 6 war bislang der entscheidende Moment der Tour de France 2026, in der Tadej Pogacar seinen Rivalen einen massiven Schlag versetzte. Dazu zählt auch Jonas Vingegaard, der über zweieinhalb Minuten verlor.
Ex-Giro d’Italia-Sieger Tom Dumoulin bemerkte, dass der Großteil von Vingegaards Rückstand nach dem Col du Tourmalet entstand, nicht am Anstieg selbst. Der Niederländer suchte nicht lange nach einer Erklärung und machte die unkluge Materialwahl von Vingegaards Team Visma | Lease a Bike verantwortlich.
„Am Tourmalet, wo wir es kurz gut sehen konnten, stach vor allem seine Materialwahl heraus. Er fuhr den Tourmalet auf dem großen Kettenblatt hoch. Da denkt man: Wow, auf dem großen Blatt? Der Punkt ist, dass er nur ein Kettenblatt hat“, führte der Ex-Profi aus in De Avondetappe, bevor er deutlicher wurde:
„Jonas hat sich bewusst für ein Single-Chainring-Setup entschieden. Das bedeutet automatisch, dass hinten nur elf oder zwölf Gänge zur Verfügung stehen. Das musst du auf den steilsten Anstiegen managen, aber auch in den schnellsten Abfahrten, wo du einen deutlich größeren Gang treten willst. Und wofür das alles? Um im Vergleich zu zwei Kettenblättern ein paar Gramm zu sparen. Wir reden vielleicht über 40 oder 50 Gramm. Das ist fast nichts.“

Kein Fehler wurde gemacht

Dumoulins Kritik blieb im Lager von Visma nicht unbemerkt, auch nicht bei Sportdirektor Marc Reef vor Ort. Seine Aussagen unterstreichen, dass das Setup eine bewusste Entscheidung war, die man nicht bereut.
„Das ist etwas, womit Jonas bereits auf mehreren Anstiegen und in mehreren Etappen gefahren ist“, entgegnet Reef auf die Kritik am Einfach-Kettenblatt. „Das ist sicher nicht der Unterschied. […] Wir glauben daran. Gewicht wird gespart, aber es geht vor allem darum, was der Fahrer in Sachen Trittfrequenz handeln kann. Jonas hat damit Erfahrung und fährt so seit Jahren; das ist etwas, das wir in solchen Etappen nicht ändern werden.“
Tadej Pogacar in Aktion auf Etappe 6 der Tour de France 2026
Tadej Pogacar gewinnt auf Etappe 6 der Tour de France 2026
Tadej Pogacar flog mit über 100 km/h den Tourmalet hinunter. Fehlte Vingegaard womöglich der letzte Topspeed wegen der Übersetzung? Reef widerspricht: „Ganz sicher nicht. Es war absolut die richtige Wahl.“
Jonas Vingegaard

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Auf der Suche nach Positivem

Neben Vingegaards Niederlage enttäuschte bei Visma auch die Vorstellung von Matteo Jorgenson, der sehr früh aus der Gruppe der Gesamtklassement-Favoriten fiel, noch vor dem Gelben Trikot Torstein Traeen. Was nimmt man Positives aus der sechsten Etappe mit?
„Vor allem, wie gut Jonas derzeit physisch ist. Und im Vergleich zu Pogacar: dass es sehr eng ist.“
„Natürlich war Jonas gestern enttäuscht. 2 Minuten und 40 Sekunden zu verlieren, war nicht unser Plan. An den Anstiegen war es recht knapp, und daran halten wir fest.“
Die Lage im Gesamtklassement ist derzeit wenig günstig, doch bei Visma lässt man den Kopf nicht hängen. Mit noch mehr als zwei Wochen Rennzeit bleibt man beim ursprünglichen Fahrplan.
„Wir haben einen Plan; mit dem sind wir in die Tour gegangen“, bekräftigt Reef. „Diesen Zeitverlust hatten wir nicht erwartet, aber das heißt nicht, dass wir etwas anders machen müssen. Wir werden in den nächsten zwei Wochen jeden Morgen kämpfen.“
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