„Pogacar ist oft ein riesiger Verbündeter für van der Poel“ - Warum die Cipressa das Rennen bei Mailand-Sanremo drehen könnte

Radsport
durch Nic Gayer
Mittwoch, 18 März 2026 um 11:30
van der Poel schlägt Ganna
Die entscheidende Bewegung bei Mailand-Sanremo verlagert sich immer stärker auf die Cipressa - doch laut Thijs Zonneveld spielt dieser Trend eher Mathieu van der Poel als Tadej Pogacar in die Hände.
Im In de Waaier Podcast analysiert Zonneveld das wahrscheinliche Rennszenario und erklärt, dass Pogacars offensive Fahrweise seinem größten Rivalen sogar helfen könnte. „Pogacar ist oft ein riesiger Verbündeter für Van der Poel, solange der folgen kann.“

Warum die Cipressa das Rennen nicht entscheiden muss

Pogacar versucht seit einiger Zeit, Mailand-Sanremo bereits an der Cipressa zu selektieren. Sein Ziel: die reinen Sprinter vor dem Poggio und der Abfahrt nach Sanremo abzuschütteln.
Zonneveld sieht darin jedoch ein Problem - vor allem im Duell mit Van der Poel. „Absolute Leistung ist auf der Cipressa so wichtig, weil sie nicht sehr steil ist.“
Gerade diese Charakteristik bringt Fahrern im Windschatten klare Vorteile, dämpft lange Attacken und macht es schwer, entscheidende Lücken zu reißen. „Es wird sehr schwierig, von Van der Poel wegzukommen. Selbst wenn es gelingt, muss er das anschließende Stück noch überstehen.“
Für Zonneveld steht fest, dass Van der Poel kein Risiko eingehen wird, wenn Pogacar angreift. „Aber Van der Poel wird natürlich nicht das Risiko eingehen, Pogacar fahren zu lassen, weil er nicht von anderen abhängig sein will.“

Ein „Idealszenario“ für Van der Poel

Anstatt Pogacars Attacke zu fürchten, könnte Van der Poel sie laut Zonneveld sogar willkommen heißen. „Seien wir ehrlich: Für Van der Poel ist das auch ein Idealszenario. Es ist perfekt, um den Rest loszuwerden.“
Reduziert Pogacar die Spitzengruppe auf die stärksten Fahrer, profitiert Van der Poel von einem übersichtlichen Finale ohne die Unberechenbarkeit eines großen Feldes. „Er weiß, dass er, wenn er gut genug ist, mitgehen kann. Dieses Szenario ist perfekt für Van der Poel. Er kann das Finale genau so spielen, wie er es will.“
Für Zonneveld ist die Rechnung klar: Wenn Van der Poel Pogacar über Cipressa und Poggio folgen kann, kippt die Balance des Rennens. „Er muss nur Pogacar folgen. Ich sage ‘nur’, aber er hat bewiesen, dass er das kann.“

Visma dürfte die Verfolgung prägen

Neben dem Fokus auf das Duell zwischen Pogacar und Van der Poel sieht Zonneveld auch das Team Visma - Lease a Bike als entscheidenden Faktor im Finale. „Es kann gut sein, dass sich hinter Van der Poel und Pogacar eine Gruppe mit Van Aert, Brennan, Laporte und Jorgenson bildet.“
Eine solche Konstellation würde dem niederländischen Team auf den letzten Kilometern mehrere taktische Optionen eröffnen - vor allem, wenn sie den Rückstand vor dem Poggio klein halten. „Das ist eine sehr starke Mannschaft, und ich denke wirklich, dass sie vor dem Poggio näher positioniert sein werden als letztes Jahr.“
Trotzdem hängt viel davon ab, wie sich das Rennen an der Cipressa entwickelt. „Denn in seiner aktuellen Form glaube ich nicht, dass Van Aert auf der Cipressa folgen kann. Obwohl er besser ist, als ich erwartet habe, wird er nicht weit dahinter sein.“
Damit dürfte Visma eher auf Teamstärke als auf reine individuelle Klasse setzen müssen, um Einfluss auf das Ergebnis zu nehmen. „Sie müssen vor allem die Cipressa an der Spitze anfahren und oben so nah wie möglich bleiben. Dann hoffen, dass sie sich gegenseitig nutzen können.“
Ob Pogacars nächster Angriff am Ende zum Sieg führt, bleibt offen. Sollte Zonnevelds Analyse stimmen, könnte die gewohnte Aggressivität des Slowenen erneut genau das Szenario erzeugen, das Van der Poel erlaubt, das Rennen unter Kontrolle zu bringen.
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