Das WorldTour-Team Picnic PostNL hat eine Stellungnahme veröffentlicht. Damit reagierte es auf Vorwürfe einer Kultur der Angst und Einschüchterung im Team. Eine Sonderrecherche hatte berichtet, dass mehrere ehemalige Fahrer und Mitarbeitende ein toxisches Arbeitsumfeld erlebt hätten.
Eine brisante Recherche erschütterte das niederländische Team. Ehemalige Fahrer und Mitarbeitende schilderten eine Atmosphäre der Angst, übermäßiger Kontrolle und des Misstrauens.
NOS und In de Waaier veröffentlichten die Ergebnisse einer umfangreichen Untersuchung zur Teamkultur. Im Mittelpunkt standen insbesondere Teamchef Iwan Spekenbrink und Sportdirektor Rudi Kemna. Für die Recherche wurden
Dutzende vertrauliche Gespräche mit ehemaligen Fahrern und Mitarbeitenden geführt.
Mehrere Quellen beschrieben die langfristigen Folgen von Einschüchterung, Angst und Misstrauen. Besonders betroffen gewesen seien über mehrere Jahre hinweg die Beziehungen zwischen Mitarbeitenden, Fahrern und der Teamleitung.
Der ehemalige Fahrer Martijn Tusveld erklärte, seine Kritik an der Taktik habe sich über mehrere Saisons auf seinen Rennkalender und seine Karriere ausgewirkt. Trainer Adriaan Helmantel bezeichnete die Teamleitung als „Diktatur“. Sie habe strenge Regeln zur Mitsprache der Fahrer und zur Kommunikation zwischen Fahrern und Mitarbeitenden eingeführt.
Zu den Vorwürfen der Recherche erklärte
das Team, es habe NOS während der Untersuchung eine Stellungnahme angeboten. Der Sender habe das Angebot jedoch nicht angenommen. Zudem kündigte das Team in seiner Erklärung eine unabhängige Untersuchung des Berichts an.
Picnic PostNL veröffentlicht Stellungnahme
„Wir haben die von NOS Sport und In de Waaier veröffentlichten Artikel über
Team Picnic PostNL zur Kenntnis genommen. Die Schilderungen der darin zitierten [ehemaligen] Fahrer und [ehemaligen] Mitarbeitenden haben uns berührt. Zugleich erkennen wir uns in dem Gesamtbild, das die Berichte zeichnen, nicht wieder“,
erklärte das Team.„Dass die Erfahrungen unterschiedlich sind, schmälert nicht die Bedeutung der Schilderungen, die nun ans Licht kommen. Deshalb werden wir eine unabhängige Untersuchung dazu in Auftrag geben, wie die Teamkultur im Alltag erlebt wird und inwieweit sie mit der Kultur übereinstimmt, die wir fördern wollen.“
In der Stellungnahme hieß es weiter: „NOS zufolge hat der Sender monatelang versucht, mit aktuellen und ehemaligen Fahrern sowie Mitarbeitenden zu sprechen. Als wir erfuhren, dass die Untersuchung lief, boten wir NOS ein Treffen an. Dabei wollten wir unsere Philosophie und Vision erläutern und dem Sender Gespräche mit aktuellen Teammitgliedern und Kolleginnen und Kollegen ermöglichen. NOS nahm dieses Angebot nicht an. Das bedauern wir.
„Am vergangenen Montag erhielten wir dann nur wenige Tage Zeit, um eine Reihe von Fragen schriftlich oder vor der Kamera zu beantworten. Daraufhin unternahmen wir mehrere weitere Versuche, mit NOS ins Gespräch zu kommen. Diese Versuche blieben erfolglos.“
Unabhängige Untersuchung
„Wenn sich Menschen in unserer Organisation nicht sicher gefühlt oder nicht ausreichend Gelegenheit gehabt haben, Bedenken anzusprechen, wollen wir verstehen, wie es dazu kommen konnte“, hieß es in der Stellungnahme des Teams.
„Wir sind stolz auf das, was wir seit 2008 gemeinsam mit den vielen Menschen aufgebaut haben, die Teil dieses Teams sind oder waren beziehungsweise mit ihm verbunden sind. Gerade deshalb halten wir es für wichtig, uns selbst kritisch zu hinterfragen.
„Wir werden daher eine unabhängige, professionelle Untersuchung unserer Teamkultur in Auftrag geben. Wir werden ihre Ergebnisse ernst nehmen und notwendige Verbesserungen umsetzen – aus Respekt vor allen, die Teil von Team Picnic PostNL sind oder waren.“