Der Giro d’Italia 2026 wird bislang nicht nur von sportlichen Entscheidungen geprägt, sondern vor allem von schweren Stürzen. Besonders auf den Sprintetappen traf es bereits mehrere Topsprinter, die durch Massencrashs um ihre Chancen gebracht wurden oder das Rennen sogar verlassen mussten. Einer der schärfsten Kritiker ist
Patrick Lefevere, der der Giro-Organisation wiederholtes Fehlverhalten und fehlende Konsequenz vorwirft.
„Ich habe es in diesem Giro schon ein paar Mal herausgeschrien: Ihr lernt es nie. Italienische Nachlässigkeit ist zeitlos“, schrieb Lefevere in seiner wöchentlichen Kolumne in Het Nieuwsblad. Zwar lassen sich große Zwischenfälle in einer dreiwöchigen Rundfahrt kaum vollständig ausschließen, doch die Ursachen unterscheiden sich von Fall zu Fall – und genau dort setzt Lefeveres Kritik an.
Lefevere kritisiert Giro-Organisation: „Italienische Nachlässigkeit ist zeitlos“
Bereits auf der 1. Etappe kam es innerhalb des letzten Kilometers zu einem Massensturz, der vielen Sprintern die Siegchance nahm. Für Kaden Groves und Matteo Moschetti bedeutete der Crash sogar das Aus bei diesem Giro d’Italia. Im Zielbereich standen klassische Absperrgitter mit Metallfüßen am Boden – ein System, das vielerorts nicht mehr verwendet wird, weil es in der Vergangenheit schwere Stürze begünstigt hat und stürzende Fahrer nur unzureichend schützt.
Patrick Lefevere kritisiert die Giro-Organisation nach mehreren schweren Stürzen scharf und fordert mehr Konsequenz bei der Sicherheit
Aus Lefeveres Sicht fehlt es beim Giro d’Italia an Konsequenz. Auch die Arbeit von SafeR trage aus seiner Sicht nicht zur erhofften Verbesserung bei. „Heute sorgt ein weiteres Komitee dafür, dass nichts passiert. Das Resultat kann im Giro jeder Tag für Tag sehen.“
Der Massensturz auf der 2. Etappe vor dem ersten hügeligen Finale war dagegen nicht direkt auf organisatorische Entscheidungen zurückzuführen. Vielmehr sorgten das hohe Tempo und der nervöse Kampf um Positionen für die gefährliche Situation – auch wenn viele argumentierten, dass die Reifenwahl von UAE Team Emirates - XRG den Vorfall begünstigt habe. Der Crash prägt die Rundfahrt seither dennoch nachhaltig.
Auf der 6. Etappe nach Neapel rückten die Stürze erneut in den Mittelpunkt. Trotz angekündigten Regens gab es keine Neutralisation für das neue Finale, das die Organisatoren in diesem Jahr gewählt hatten: weg von der früheren Zielgeraden an der Küste, hinauf zu einem zentralen Platz in der Stadt.
Kritik nach Neapel-Finale: „Alle sahen den Sturz kommen“
Der Schlusskilometer führte über Kopfsteinpflaster und beinhaltete auf nassem Belag eine komplette 180-Grad-Wende. Der folgende Sturz wirkte für viele Beobachter beinahe zwangsläufig. Fahrer wie Tobias Lund Andresen, Dylan Groenewegen und Jonathan Milan wurden dadurch ihrer Siegchance beraubt. Selbst Maglia-Ciclamino-Träger Paul Magnier schaffte es nach dem Chaos nur noch zurück auf Rang drei.
In den sozialen Medien fiel die Kritik entsprechend heftig aus. Die Mehrheit sprach von einem Sturz, den „alle kommen sahen“ – ein Vorwurf, der die Debatte über Streckenführung, Sicherheitsstandards und Verantwortung der Organisatoren weiter befeuert.
Da das Regenwetter die Corsa Rosa weiterhin begleitet, wächst die Sorge, dass in den kommenden Wochen weitere schwere Stürze folgen könnten. Der Giro d’Italia steht damit nicht nur sportlich unter Druck, sondern auch in der Frage, wie konsequent die Sicherheit der Fahrer tatsächlich geschützt wird.