Lidl-Trek muss bei Mailand–Sanremo 2026 auf eine seiner wichtigsten Waffen verzichten: Jonathan Milan fällt wegen Krankheit für das Monument am Samstag aus.
Das Team bestätigte die späte Planänderung und kündigte an, dass der italienische Sprinter die Fahrt verpasst, während er sich erholt. Der offizielle Milano-Sanremo-Account reagierte mit einer Unterstützungsbotschaft, wünschte Milan eine schnelle Genesung und merkte an, er „wird fehlen“.
Eine zentrale Option aus der Sanremo-Gleichung gestrichen
Milans Ausfall ist nicht nur ein Rückschlag für Lidl-Trek, sondern verändert auch subtil die taktische Landschaft des Rennens.
Der Italiener hat sich als einer der wenigen Sprinter etabliert, die eine härtere Ausgabe von Mailand–Sanremo überstehen können – mit der Power, bis tief ins Finale in der Spitze zu bleiben und dann einen entscheidenden Sprint zu setzen. Dieses Profil machte ihn zu einem echten Anwärter in Szenarien, in denen das Rennen an Cipressa oder Poggio ausgedünnt, aber nicht komplett zersplittert wird.
Ohne Milan wird der Kreis der Fahrer, die in einem reduzierten Sprint kapitalisieren können, deutlich kleiner.
In den vergangenen Jahren wurde das Rennen zunehmend von offensiver Fahrweise von Fahrern wie Tadej Pogacar und Mathieu van der Poel geprägt, die die Intensität lange vor dem Ziel anheben.
Milan war in diesem Kontext eine seltene Gefahr. Hätte er diese Beschleunigungen überlebt, wäre er auf der Via Roma einer der schnellsten verbliebenen Fahrer gewesen.
Sein Rückzug nimmt damit eine der Schlüsselfiguren aus dem Feld, die von einem harten, aber nicht entschiedenen Rennen profitieren könnten – ein Szenario, das oft im Zentrum der modernen Mailand–Sanremo-Dynamik steht.
Lidl-Trek verliert eine klare Option
Auch für Lidl-Trek ist die Wirkung taktisch spürbar. Ohne Milan fehlt dem Team ein definierter Sprintkapitän fürs Finale, was die Optionen für den Rennansatz reduziert. Das Fehlen einer klaren Abschlusskarte könnte zudem beeinflussen, wie aggressiv sie in den Schlusskilometern in Positionierung und Nachführarbeit investieren.
Während die Schlagzeile weiterhin auf die größten Namen des Sports fokussiert bleibt, verschwindet mit Milans Ausfall leise eine der interessanteren Variablen aus der Gleichung.
In einem Rennen, das oft durch hauchdünne Margen entschieden wird, könnte diese Verschiebung dennoch ins Gewicht fallen.
Pascal MichielsSEO-Manager, Sportjournalist und Editor-in-chief
In meiner Nachbarschaft wuchs man mit der Tour de France auf. Sie war überall – es waren die letzten großen Jahre von Eddy Merckx. Wir waren Kinder, trugen Trikots und spielten die gesamte Rundfahrt nach. Zwei Brücken wurden zu unseren „Bergen“, und wir rasten über Straßen, als Autos noch nicht den Ton angaben. Mit 13 Jahren war mein Herz endgültig dem Radsport verfallen. In einem Urlaub in Frankreich durfte ich nach langem Drängen eine echte Bergetappe fahren – mit meinem Fahrrad von zu Hause, drei Gängen, Licht, dicken Reifen und Schutzblechen.
Ich brach früh auf, fuhr den Col de Joux Plane und anschließend Morzine-Avoriaz. Proviant: eine Tüte Kirschen, kein Wasser, keine Erfahrung. Von Les Gets aus wurde es trotzdem der glücklichste Tag meines Lebens. Als ich die Häuser auf halber Höhe des Joux Plane erreichte, wusste ich, dass ich nicht aufhören würde zu treten. Oben angekommen trank ich an einem Baumstamm – und spürte eine Freude, die ich bis heute mit dem Radsport verbinde. Im Tal stand die Entscheidung an: zurück oder weiter nach Avoriaz. Ich fuhr weiter, ohne anzuhalten, und schaffte auch den zweiten Anstieg. Mit meinem knallroten, eigentlich lächerlichen Rad überholte ich Fahrer auf echten Rennrädern. Wieder dieses Glück.
Dieses unverfälschte Gefühl begleitet mich bis heute – und es ist der Ursprung meiner Arbeit. Ich bin Chefredakteur von Radsportaktuell.de und verantworte die redaktionelle Ausrichtung der Plattform: Themenpriorisierung, Qualitätsstandards, Faktenprüfung und die konsequente Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, verifizierte Informationen vorliegen. Neben der Leitung der Redaktion schreibe und editiere ich selbst und lege besonderen Wert auf klare Einordnung, präzise Sprache und nachvollziehbare Analysen.
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