Meinung: Tadej Pogacar reiht sich bereits vor Eddy Merckx ein – wir nennen die Top 10 der größten Fahrer aller Zeiten
Radsport
Den größten Radsportler aller Zeiten zu bestimmen, bleibt zwangsläufig subjektiv. Palmarès liefern Daten, erfassen aber weder den Wettbewerbskontext, die Entwicklung des Sports, Training, Technik, die Spezialisierung der Gegner noch die Tiefe des Pelotons. Jede historische Liste muss ein gewisses Maß an Debatte akzeptieren.
Mit diesem Vorbehalt und unter Berücksichtigung der Erfolge bis 08.2026 ergibt sich ein fundamentaler Bruch mit traditionellen Ranglisten: Tadej Pogacar kann schon jetzt als größter Radfahrer aller Zeiten gelten vor Eddy Merckx.
Der Slowene hat soeben seine fünfte Tour de France gewonnen, einen der großen Maßstäbe erreicht – und das in einer weitaus globaleren, professionelleren und kompetitiveren Ära. Er fährt wie „Der Kannibale“, etwas, das vor kaum sechs Jahren undenkbar schien, als einschläfernde Bergzüge dominierten.
Die Debatte erschöpft sich nicht im ewigen Vergleich Pogacar–Merckx. Bernard Hinault, Fausto Coppi, Jacques Anquetil, Miguel Indurain und Sean Kelly gehören zu einer historischen Elite, in der jeder eine eigene Lesart des Radsports verkörpert: Grand-Tour-Übermacht, Siegen auf allen Terrains, Zeitfahrdominanz, Konstanz oder ein außergewöhnliches Händchen für die Klassiker. Hier ist ein legendäres Top 10 der größten Radfahrer der Geschichte.
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10. Alejandro Valverde: zur Langlebigkeit geformt
Valverde auf Platz zehn würdigt eine außerordentlich lange und wettbewerbsfähige Karriere. Der Murcianer gewann ein WM-Straßenrennen, eine Vuelta a España, vier Lüttich–Bastogne–Lüttich und fünf Flèche Wallonne und sammelte über fast zwei Jahrzehnte eine beeindruckende Anzahl an Podien und Siegen. Schade, dass er fast ein Jahrzehnt lang Murcia Flandern vorzog.
Sein Hauptargument ist genau diese Langlebigkeit. Valverde hielt sich vom frühen neuen Jahrtausend bis zum Karriereende auf Elite-Niveau und trat gegen sehr unterschiedliche Generationen an. Er erreichte nie die absolute Dominanz der neun Fahrer vor ihm, doch nur wenige können seine Mischung aus Konstanz, Vielseitigkeit und Dauer an der Spitze erreichen.
9. Gino Bartali: eine Legende zwischen zwei Epochen
Bartalis Karriere ist historisch besonders schwer zu bewerten. Er gewann zwei Tours und drei Giros, doch seine besten Jahre wurden durch den Einschnitt des Zweiten Weltkriegs beschnitten. Dieser Kontext verlangt besondere Sorgfalt bei der Interpretation seiner Statistik.
Seine Meisterschaft am Berg, seine Langlebigkeit und seine historische Bedeutung halten ihn in den Top Ten. Bartali erreichte nicht die Zahlen eines Merckx oder Pogacar, doch er prägte den Radsport vor und nach dem Krieg wie nur wenige.

Roger De Vlaeminck, eine belgische Radsportlegende: einer der größten Klassikerjäger aller Zeiten
8. Roger De Vlaeminck: der Kaiser der Klassiker
De Vlaeminck war eine Monumente-Maschine. Seine vier Paris–Roubaix-Siege und Erfolge in allen fünf Monumenten stellen ihn unter die größten Spezialisten der Geschichte, wobei „nur Spezialist“ ihm nicht gerecht wird. Er gewann auch den Giro d’Italia und fuhr auf sehr unterschiedlichem Terrain auf höchstem Niveau.
Seine Platzierung beruht auf der Schwierigkeit, über so viele Jahre eine derartige Klassiker-Dominanz zu halten. In einer Ära voller Top-Spezialisten wurde De Vlaeminck zu einer epochenübergreifenden Referenz. Gegen eine noch höhere Einstufung spricht die geringere Breite seines Grand-Tour-Palmarès.
7. Sean Kelly: der Vollständige
Kelly war wohl einer der komplettesten Fahrer überhaupt. Er gewann die Vuelta a España, sieben Paris–Nizza, zwei Paris–Roubaix, zwei Milano–Sanremo, zwei Lüttich–Bastogne–Lüttich und drei Il Lombardia und kam laut ProCyclingStats auf 158 Profisiege.
Sein großes Plus war die Vielseitigkeit. Kelly konnte um ein Gesamtklassement kämpfen, in den Bergen durchhalten, Sprints gewinnen und die härtesten Klassiker dominieren. Er liegt hinter Indurain, weil er dessen Grand-Tour-Dominanz nie erreichte. Sein Palmarès ist außergewöhnlich breit, doch die Spitzenüberlegenheit des Navarresen war größer.

Miguel Indurain, im Zeitfahren der Tour de France in Aktion
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6. Miguel Indurain: der Gigant, der die Tour neu formte
Indurain verdient es, vor Sean Kelly zu stehen, weil seine Grand-Tour-Dominanz ein anderes Niveau erreichte. Der Navarrese gewann fünf Tours in Serie zwischen 1991 und 1995 und fügte zwei Giros d’Italia hinzu, wurde zur absoluten Referenz im Zeitfahren und in den Bergen.
Seine Größe liegt auch in der Art des Siegens. Indurain konnte im Zeitfahren das Klassement zerlegen und anschließend in den Hochalpen mit immenser Autorität verteidigen. Er musste nicht ständig attackieren: Seine Fähigkeit, Rennen zu kontrollieren, machte die Tour zur Bühne, auf der seine Rivalen oft um Platz zwei fuhren. Seine Spitzenleistung der frühen 1990er rechtfertigt Rang sechs.
5. Jacques Anquetil: Präzision als Dominanz
Anquetil war der erste Fahrer mit fünf Tours de France und baute seine Herrschaft auf einer Disziplin auf, in der er nahezu unschlagbar war: dem Zeitfahren. Seine Fähigkeit, gegen die Uhr Minuten herauszufahren, diktierte die Strategien der Rivalen und erlaubte ihm, die Berge mit bemerkenswerter Coolness zu managen.
Sein Giro-Sieg und die Fähigkeit, in unterschiedlichen Szenarien zu gewinnen, runden ein weit breiteres Profil ab, als oft erinnert wird. Er hatte weder Pogacars Explosivität noch Merckx’ Aggression, doch er verwandelte Konstanz und Präzision in eine echte Form der Dominanz.
4. Fausto Coppi: der Mann seiner Zeit voraus
Coppi gehört einer anderen Epoche an, doch sein Einfluss geht über Statistiken hinaus. Fünf Giros und zwei Tours bilden die Basis eines außergewöhnlichen Palmarès, dessen historische Bedeutung weit größer ist. Der Italiener veränderte das Verständnis des Sports für Vorbereitung, Ernährung, Regeneration und Rennstrategie.
Er war zudem ein Fahrer, der in den Bergen riesige Lücken reißen und Zeitfahren dominieren konnte. Seine Figur steht für den Wandel des Radsports hin zu einem deutlich wissenschaftlicheren und professionelleren Ansatz. Deshalb bleibt Coppi, selbst wenn andere zahlenmäßig voraus sind, unter den unverzichtbaren Großen.
3. Bernard Hinault: die letzte große Autorität
Hinault kommt der Mischung aus Dominanz und Vielseitigkeit der Top zwei am nächsten. Er gewann fünf Tour de France, drei Giros d’Italia und zwei Vueltas a España sowie einen Weltmeistertitel. Er war nicht nur ein Grand-Tour-Spezialist: Er fuhr mit einer Persönlichkeit und Angriffslust, die ihn auch in den großen Klassikern zum Sieg trug.
Sein Platz auf dem historischen Podium erklärt sich durch die Breite seines Palmarès und durch die über Jahre gewahrte außergewöhnliche Autorität. In einer Wertung, die nicht nur Siege zählt, steht Hinault als eines der besten Beispiele eines kompletten Fahrers.

Eddy Merckx en acción durante su legendaria carrera
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2. Eddy Merckx: der ewige Kannibale
Pogacar vor Merckx zu setzen, schmälert den Belgier nicht. Im Gegenteil. Merckx bleibt der Maßstab, an dem jedes spätere Phänomen gemessen wird. Seine fünf Tours, fünf Giros und eine Vuelta ergeben elf Grand Tours, während seine 19 Monumente und 525 Profisiege erklären, warum er über Jahrzehnte fast einhellig als der größte Fahrer der Geschichte galt.
Der Unterschied liegt in der Deutung dieser Dominanz. Merckx war seinen Zeitgenossen außergewöhnlich überlegen, bis hin dazu, große Teile des Rennens zu einer Demonstration individueller Stärke zu machen. Der Slowene reproduziert dieses Verhalten jedoch in einem Peloton, in dem eine solche Hegemonie weit schwerer zu etablieren ist. Der Belgier hält weiterhin das spektakulärste absolute Palmarès; der UAE-Team-Fahrer liefert aus Sicht dieser Rangliste den außergewöhnlichsten Beweis von Überlegenheit relativ zur Wettbewerbsdichte seiner Ära.
1. Tadej Pogacar: die neue Nummer eins
Pogacar muss nicht auf die Geschichte warten. Mit 27 hat er bereits fünf Tours, einen Giro d’Italia, zwei Weltmeistertitel und dreizehn Monumente, darunter Siege bei Milano–Sanremo, Flandern-Rundfahrt, Lüttich–Bastogne–Lüttich und Lombardei. Sein Palmarès vereint Grand Tours und Klassiker in einer Weise, die unweigerlich an Merckx erinnert.
Der Vergleich erhält jedoch eine andere Dimension im Kontext. Die junge Legende fährt in einem deutlich ausgeglicheneren, wissenschaftlicheren und globaleren Radsport als in den 1960er- und 70er-Jahren. Teams verfügen über ausgefeilte Vorbereitungsstrukturen, Datenanalyse, fortschrittliche Ernährung und Rivalen, die Monate auf ein einziges Ziel hinarbeiten können.
Und doch fährt der Slowene wie Merckx: Er attackiert, gewinnt Zeitfahren, klettert, kann auf dem Kopfsteinpflaster bestehen und jagt Siege, selbst wenn er es nicht muss. Seine Dominanz besteht nicht nur im Aneinanderreihen von Erfolgen: Er gewinnt auf nahezu jede denkbare Art.
Eine Nummer eins, die Geschichte verändert
Diese Rangliste will Merckx nicht vom historischen Gipfel tilgen. Sie stellt eine andere Frage: Welcher Fahrer erwies sich relativ zu seiner Epoche als der außergewöhnlichste? Und dort hat Pogacar reichlich Argumente für Platz eins.
Merckx wird die scheinbar unantastbaren Zahlen behalten: 11 Grand Tours und 19 Monumente. Als einer der komplettesten Radfahrer, die jede Generation gesehen hat, setzte er den Maßstab, während ein neuer Champion in nie dagewesener Geschwindigkeit ein außergewöhnliches Palmarès aufbaut – in einem Sport, in dem Spezialisierung, Information und Wettbewerbsdichte den Aufstieg eines absoluten Dominators immens erschweren.
Tadej Pogacar kämpft nicht gegen andere Radfahrer, sondern gegen die Geschichte. Nicht nur gegen Eddy Merckx, sondern gegen Michael Jordan, Roger Federer, Valentino Rossi, Lionel Messi oder Michael Phelps.

Oliver RiedRedakteur
Oliver Ried ist seit Anfang 2025 Redakteur bei Radsportaktuell.de. Er berichtet dort über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf aktuellen Rennberichten, Einordnungen und Hintergrundtexten, mit denen er sportliche Entwicklungen im Peloton verständlich und präzise erklärt. Bei großen Renntagen arbeitet er zudem mit Live-Formaten, um das Geschehen fortlaufend zu dokumentieren und zeitnah einzuordnen.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er sportlich selbst aktiv und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.
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- Also bitte, 1 MRT und man weiß bescheid. Vorausgesetzt die Ärzte sind keine Vollpfosten. Ich schreibe das, weil schon wieder PPNl das Thema ist.Wurm30-10-2026
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026









