„Man muss den Altersfaktor ausblenden – er ist ein UFO“ – Paul Seixas’ rasanter Aufstieg aus der Sicht eines Decathlon-Teamkollegen

Radsport
Dienstag, 24 Februar 2026 um 16:00
seixas
Innerhalb von Decathlon CMA CGM hat sich die Diskussion über Paul Seixas binnen zwölf Monaten spürbar verschoben.
Letzte Saison war er ein talentierter Helfer, der die Anforderungen der WorldTour kennenlernte. In diesem Winter bereitete er sich als geschützter Kapitän vor, reiste zur Volta ao Algarve mit Gesamtambitionen an, gewann eine Bergankunft und fuhr ein Zeitfahren, das ihn bis auf wenige Sekunden an etablierte Spezialisten heranbrachte.
Diese Entwicklung hat den internen Blick auf ihn verändert.
Im Eurosport-Format Bistrot Velo machte Teamkollege Paul Lapeira klar, dass Seixas nicht mehr nach Alter oder Potenzialkurven bewertet wird. „Man muss den Altersfaktor beiseitelassen, denn er ist ein UFO.“

Kontinuität, kein Durchbruch

Die Außenwahrnehmung richtete sich nachvollziehbar auf die Schau seines Auftritts bei der Volta ao Algarve. Ein Gipfelsieg am Alto da Foia, Gesamtrang zwei hinter Juan Ayuso und ein Zeitfahren nur 13 Sekunden langsamer als ein Spezialist wie Filippo Ganna. Für viele wirkte das wie der große Durchbruch.
Lapeira sieht das anders. „Wenn man sein Alter betrachtet, ist man natürlich überrascht. Kennt man jedoch sein Talent und die Erwartungen, die auf ihm lasten, überrascht es nicht, denn genau das erwarten wir von ihm“, erklärte er. „Was er an der Algarve gezeigt hat, ist schlicht eine Fortsetzung.“
Dieses Wort – Fortsetzung – ist entscheidend.
Seixas beendete die vergangene Saison mit EM-Bronze und einem Top-Ten-Platz bei Il Lombardia. Diese Saison startete er, indem er bei seinem ersten Auftritt 2026 sofort um den Gesamtsieg fuhr. Die Kurve hat nicht stagniert. Sie ist nicht abgeflacht. Sie hat beschleunigt.
Und das unter wachsender Verantwortung.

Ein Anführer mit 19

Anders als noch vor zwölf Monaten ist Seixas nicht mehr nur ein ambitionierter Helfer. Er ist in ausgewählten Rennen geschützt, selbst wenn erfahrene Sieger wie Lapeira in derselben Mannschaft stehen.
„Wenn wir zusammen mit Paul Seixas fahren, ist eine Co-Führung vorgesehen“, sagte Lapeira, französischer Meister 2024. „Ich werde meine Chance bekommen. Das Team steuert das sehr gut. Es setzt Paul keinem astronomischen Druck aus.“
Dieser letzte Punkt ist aufschlussreich. Von außen ist der Druck offensichtlich. Im Team wird er gesteuert statt verstärkt.
Seixas’ Wintervorbereitung unterstrich den Statuswechsel. Er verbrachte Monate in der Höhe in der Sierra Nevada und sprach offen darüber, zwei Monate lang weder seine Eltern noch seine Freundin zu sehen, um sich vollständig auf die Leistung zu konzentrieren. Die Arbeit übersetzte sich direkt in sein Algarve-Niveau, besonders im Zeitfahren, wo Optimierung von Position, Material und Details neben der reinen Kletterstärke eine Rolle spielte.
Lapeira hob diese Struktur prompt hervor.
„Sein Zeitfahrresultat kommt natürlich in hohem Maß aus seiner physischen Verfassung, denn ohne seine Beine würde er diese Platzierung nie erreichen“, sagte er. „Aber da ist auch die ganze Optimierungsarbeit um ihn herum, alles, was das Team fürs Zeitfahren getan hat – das Rad, die Kleidung… All diese kleinen Details in Summe sorgen am Ende dafür, dass er die guten Ergebnisse einfährt, zu denen er fähig ist.“

Die Decke verschiebt sich weiter nach oben

Für Decathlon ist Seixas nicht nur ein zu schützendes Ausnahmetalent, sondern ein Langzeitprojekt, um das herum aufgebaut wird. Die Transfers haben den Kader verstärkt, doch die Investitionen in Infrastruktur scheinen ebenso bedeutend.
„Es ist gut, weil wir den Fahrern jede mögliche Chance an die Hand geben“, ergänzte Lapeira. „Für die Zukunft ist das Team in der Lage, ihm viel zu bieten, um ihn noch höher zu bringen. Ich denke, er ist am richtigen Ort.“
Diese Einschätzung wiegt mehr als äußerer Hype.
Seixas’ Aufstieg verläuft stetig statt explosiv, doch Zahlen und Resultate erzwingen eine Tonänderung. Wenn ein 19-Jähriger in den Bergen konkurrenzfähig ist, gegen Zeitfahrspezialisten mithält und Führungsverantwortung ohne sichtbare Belastung trägt, verändert das die Debatte.
Bei Decathlon hat sie sich bereits verändert.
Alter, so formulierte es Lapeira nüchtern, ist nicht mehr die maßgebliche Kennziffer.
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