„Jonas Vingegaard im Rosa Trikot“ – Jens Voigt erklärt, auf welcher Etappe Visma - Lease a Bike den Giro entscheiden könnte

Radsport
durch Nic Gayer
Mittwoch, 06 Mai 2026 um 18:00
Jonas Vingegaard während der 5. Etappe der Katalonien-Rundfahrt 2026
Jonas Vingegaard hat beim Giro d’Italia 2026 noch keine einzige Rennnummer getragen, doch für Jens Voigt zeichnet sich bereits jetzt der Moment ab, an dem die Rundfahrt entscheidend zugunsten von Visma - Lease a Bike kippen könnte.
Der ehemalige Grand-Tour-Profi und heutige TNT-Sports-Analyst glaubt, dass besonders eine Etappe das Rennen früh prägen könnte.

Voigt sieht Blockhaus als ersten Schlüsselmoment

„Das Rennen besitzt ein taktisches Scharnier – den ersten großen Bergtest, die 7. Etappe mit Zielankunft am Blockhaus –, wo ein Fahrer von Vingegaards Kaliber dem Rennen seinen Stempel aufdrücken, die Maglia Rosa übernehmen und sich anschließend auf ein Team verlassen kann, das bereit ist, ihn zu schützen“, erklärte Voigt in seiner Analyse für TNT Sports.
Jonas Vingegaard gilt für Jens Voigt als klarer Topfavorit auf den Giro-Gesamtsieg 2026
Jonas Vingegaard gilt für Jens Voigt als klarer Topfavorit auf den Giro-Gesamtsieg 2026
Diese Einschätzung fällt in eine Phase, in der sich die Ausgangslage des Giros zunehmend zugunsten des Dänen verschoben hat.
Joao Almeida, ursprünglich als einer der größten Herausforderer Vingegaards gehandelt, musste krankheitsbedingt absagen. Auch Mikel Landa fehlt nach seinem schweren Sturz bei der Baskenland-Rundfahrt, während Ex-Giro-Sieger Richard Carapaz seine Teilnahme nach verzögerter Genesung von einer Operation ebenfalls zurückziehen musste.
Vor diesem Hintergrund sieht Voigt Visma - Lease a Bike nicht nur mit dem stärksten Fahrer, sondern auch mit der klarsten taktischen Struktur im gesamten Feld ausgestattet.

„Dieses Rennen ist nur Jonas“

Als entscheidenden Faktor nennt Voigt vor allem den Aufbau der Mannschaft. „Sie haben eine ausgewogene, klar auf die Gesamtwertung ausgerichtete Mannschaft, deren einzige Priorität Jonas Vingegaard im Rosa Trikot ist“, sagte er. „Diese Auswahl ist ein klassisches Zeichen für ein Team, das auf die Kontrolle einer dreiwöchigen Rundfahrt gebaut ist.“
Zum Aufgebot gehören erfahrene Grand-Tour-Helfer wie Sepp Kuss und Wilco Kelderman, dazu Victor Campenaerts sowie das italienische Talent Davide Piganzoli.
Für Voigt liegt die eigentliche Aussage der Mannschaft jedoch in dem, was fehlt. „Sie haben de facto auf einen geschützten Sprinter verzichtet und stattdessen Fahrer gewählt, die den Kapitän in den Bergen schützen und das Tempo machen“, erklärte er. „Domestiques, die mit einem GC-Kapitän tief in die Anstiege gehen, das Tempo setzen und Ausreißer kontrollieren können, sind die praktische Basis für Rennkontrolle.“
Besonders wichtig sei dabei die interne Klarheit innerhalb der Mannschaft. „Die interne Klarheit – alle erhalten die gleiche Direktive, dass dieser Giro ‚nur Jonas‘ ist – ermöglicht es genau, einen konsequenten Plan umzusetzen und ein Trikot zu verteidigen, sobald es erobert ist.“

Warum das Blockhaus so wichtig werden könnte

Die Bergankunft am Blockhaus auf der 7. Etappe gilt bereits jetzt als einer der zentralen Punkte der Giro-Strecke 2026.
Nach den Auftaktetappen in Bulgarien und der ersten italienischen Rennwoche wartet dort der erste echte Härtetest für die Klassementfahrer – und damit die erste große Möglichkeit, ernsthafte Zeitabstände herauszufahren.
Interessant dabei: Auch Vingegaard selbst hatte das Blockhaus zuletzt im Gespräch mit der La Gazzetta dello Sport als eine der entscheidenden Etappen des Giros bezeichnet – neben dem Corno alle Scale und den schweren Dolomiten-Etappen.
„Unter bestimmten Umständen kann es sehr große Zeitabstände geben“, warnte der Däne.
Vingegaard beschrieb den diesjährigen Giro zudem als „unvorhersehbarer“ als Tour de France oder Vuelta a España. „Die Überraschungen, mehr als anderswo, können überall lauern“, sagte er.
Trotz dieser Warnung bewegt sich die öffentliche Einschätzung rund um das Rennen jedoch immer stärker in eine Richtung.

Voigt sieht Vingegaard als klaren Mann für Rosa

Zwar wollte Voigt unvorhersehbare Faktoren wie Stürze, Krankheiten oder taktische Überraschungen nicht komplett ausschließen, sein Gesamturteil über Vingegaards Position fiel dennoch eindeutig aus.
„Wenn er startet und ohne größeren Zwischenfall bis Rom durchfährt, erwarte ich, dass er der entscheidende Fahrer für die Gesamtwertung ist“, sagte Voigt. „Es gibt immer Vorbehalte – Stürze, Krankheit, taktische Überraschungen –, aber sofern kein gravierender Vorfall eintritt, erwarte ich, dass Vingegaard an den großen Anstiegen Zeit gutmacht und sie bis ins Ziel verteidigt.“
Die Aussagen verdeutlichen, wie stark sich die Wahrnehmung des Giros in den vergangenen Wochen verändert hat. Was ursprünglich wie ein offener Kampf um die Maglia Rosa wirkte, konzentriert sich zunehmend auf einen Fahrer, ein Team – und eine entscheidende Frage:
Kann irgendjemand Visma - Lease a Bike stoppen, sobald der Giro die Berge erreicht?
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