„Ihm ist so langweilig, dass er sagt: ‚Ich fahre Paris–Roubaix, weil ich eine Herausforderung will‘“ – Tour-de-France-Dominanz für Tadej Pogacar inzwischen zu einfach geworden, meint Arnaud Demare

Radsport
Samstag, 18 April 2026 um 19:30
Tadej Pogacar
Die Frage rund um Tadej Pogacar lautet längst nicht mehr nur, wie viel er gewinnt, sondern was ihn überhaupt noch fordern kann.
In den Tagen nach Paris-Roubaix 2026 hat diese Debatte eine neue Schärfe bekommen. Ex-Sprinter Arnaud Démare lieferte eine unverblümte Einschätzung zur Dominanz des Slowenen und zu den Motiven hinter seinem zunehmend vielfältigen Rennprogramm.
Im Gespräch bei RMC Sport nahm Démare kein Blatt vor den Mund, wo Pogacar im Radsport derzeit steht.
„Ja, ich denke, Pogacar ist der beste Radfahrer der Geschichte. Der Typ langweilt sich so sehr, dass er sich sagt: ‚Ich fahre Roubaix, weil ich eine Herausforderung will‘. Er muss sich selbst fordern. Irgendwann langweilt er sich. Er kommt nach Roubaix in dem Wissen, dass er nicht gewinnen kann.“

Roubaix als Ausnahme, nicht als Regel

Diese Einordnung verleiht Paris-Roubaix eine sehr spezielle Rolle in Pogacars Kalender. Statt realistisches Ziel wie Grand Tours oder Ardennen-Klassiker ist es eher ein selbst auferlegter Härtetest. Ein Rennen, das er nicht wählt, weil es ihm liegt, sondern weil es das nicht tut.
Seine beiden Auftritte endeten jeweils auf Rang zwei, inklusive des erneuten Beinahe-Coups 2026. Das unterstreicht, dass die Leistung auch in der Niederlage außergewöhnlich bleibt. Für Démare stützt das die These zusätzlich. Pogacar gewinnt nicht nur die Rennen, die ihm entsprechen. Er sucht aktiv jene, die es nicht tun. „Was er macht, ist jetzt schon riesig, und irgendwann wird er es abhaken.“
Tadej Pogacar vor Paris-Roubaix 2026
Tadej Pogacar ahead of Paris-Roubaix 2026

Eine Dominanz, die die Tour verändert

Diese Dominanz hat jedoch Folgen für den Sport selbst.
Démare verweist speziell auf die Tour de France, wo Pogacars Kontrolle die Ungewissheit im Keim ersticken kann. „Die Tour wird langsam schwer anzuschauen, aber bei Roubaix wollten alle sehen, was passiert. Gewinnt er? Es ist mutig. Er hat den Willen zu kommen, er hat keine Angst.“
Es geht nicht nur um Ergebnisse, sondern um die Art und Weise, wie sie zustande kommen. Das Bild, das Démare zeichnet, ist eines der Leichtigkeit. Ein Fahrer, der das Rennen laufen lässt, um anschließend scheinbar mühelos wieder die Kontrolle zu übernehmen. „Er weiß, es fällt ihm leicht. Bei der Tour de France lässt er sogar die Gruppe gehen und man denkt, wir kommen nicht mehr zurück. Also positionierst du dich für den Anstieg zum Angriff, fährst Vollgas, und er plaudert, ist entspannt. Da merkst du, dass du nicht lange mithalten wirst. Er ist einfach so stark.“

„Wenn er da ist, fährst du um Platz zwei“

Für seine Gegner ist die Wirkung alles andere als abstrakt.
Démares Sicht spiegelt eine Realität wider, die im Peloton oft angedeutet, selten aber so klar ausgesprochen wird. Ist Pogacar am Start, verschieben sich die Erwartungen. „Er ist so stark, dass er in allem stark ist. Im Sprint wurde er bei Paris-Roubaix von Van Aert geschlagen. Ihm fehlt der Punch eines Sprinters, wenn man überhaupt sagen kann, dass ihm etwas fehlt…“
Selbst diese vermeintliche Schwäche ist relativ. Über Rundfahrten und Eintagesrennen hinweg dehnt Pogacar seine Bandbreite über klassische Grenzen hinaus. Für andere bleiben immer weniger Gelegenheiten, sich durchzusetzen. „Wäre ich in der Haut der Puncheure und Kletterer, wäre es frustrierend. Ich habe in anderen Rennen gewonnen, aber wenn er da ist, fährst du um Platz zwei.“

Eine Karriere, die Grenzen neu schreibt

Was Pogacar letztlich unterscheidet, ist für Démare nicht nur sein Niveau, sondern seine Richtung. „Pogacar ist eine Legende und er will diese Legende weiterschreiben. Er will eine Geschichte schreiben, die noch niemand geschrieben hat.“
Dieser Anspruch rückt sogar die Rennen, die er nicht gewinnt, in ein anderes Licht. Paris-Roubaix, mit seiner Unberechenbarkeit und Resistenz gegen Kontrolle, wird Teil eines größeren Projekts. Es geht nicht nur um weitere Siege, sondern um das Austesten dessen, was im modernen Radsport möglich ist.
Vorerst bleibt es eines der wenigen Rennen, das noch Widerstand leistet. Doch wie Démare andeutet, könnte selbst das nur eine Frage der Zeit sein.
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