Unter all den Geschichten, die Paris–Roubaix schreibt, war eine der ungewöhnlichsten die Abfolge von Ereignissen und Aussagen rund um Tadej Pogačars Defekt und den kurzen Einsatz eines Shimano-Neutraldienst-Rades. Für ein paar Minuten war es das Rad, das sein Rennen rettete, doch im Ziel klang seine Bewertung wegen der Passform deutlich kritisch. Nun hat sich der Mechaniker zu Wort gemeldet, der Pogačar das Rad reichte, und Shimanos Sicht geschildert.
Shimanos Mechaniker reagiert auf Pogacars „Schubkarre“-Aussage
In einem Interview mit Het Laatste Nieuws verwendete er den slowenischen Ausdruck „Schubkarre“ und nannte das Rad zudem „sehr unbequem“ – eine Aussage, die nach dem Rennen für Diskussionen sorgte. Auslöser war die Situation 120 Kilometer vor dem Ziel, als Pogačar anhalten musste und kein Teamrad bekam. „Die Sattelhöhe stimmte nicht und auch die Laufräder waren für das Kopfsteinpflaster nicht geeignet“,
sagte der Weltmeister über das ‚blaue Rad‘, das Fahrern in Notlagen gereicht wird, wenn die Teamwagen weit zurückliegen.
Neutrale Räder kommen nicht oft zum Einsatz, besonders nicht bei Topfahrern. Berühmt ist der Fall, als
Chris Froome nach dem Sturz nahe dem Gipfel der Mont-Ventoux-Etappe 2016 der Tour de France eines bekam, aber nicht in die Pedale einklicken konnte. Solche Vorfälle sind heute rar, da Neutralfahrzeuge mit Rädern ausgerüstet sind, die Pedale und Systeme verschiedenster Hersteller abdecken, um genau das zu verhindern.
Shimanos Räder waren auf Pogačars Zwischenfall vorbereitet
„Alle unsere Räder sind sorgfältig vorbereitet“, versicherte Kevin Poret, der Mechaniker, der Pogačar das Rad reichte, im Gespräch mit Ouest France. Vermutlich gab es neben dem Plattfuß ein weiteres technisches Problem. Dass der Weltmeister ein Rad benötigte und es direkt aus dem Shimano-Wagen übernehmen konnte, war das Paradebeispiel für den Zweck dieses Fahrzeugs im Rennen.
Tatsächlich kam der Weltmeister schnell wieder ins Rennen und begrenzte so seine Verluste – anders als kurz darauf Mathieu van der Poel, der von Teamkollege Jasper Philipsen ein Rad mit anderen Prototyp-Pedalen erhielt. „Wir haben ihm ein Rad in seiner Größe gegeben, das bestmögliche für ihn. Und er konnte schnell wieder losfahren. Für uns ist entscheidend, dass der Einsatz zügig erfolgt. Und wir haben unseren Job gemacht.“