„Ich war wütend auf die Leute, die mir sagten, ich solle es nicht tun“ – Michel Hessmann über die Nachwirkungen des Anti-Doping-Verstoßes und seine zweite Chance im Peloton

Radsport
Donnerstag, 29 Januar 2026 um 13:45
michel hessmann movistar
Michel Hessmann durchlief während seiner Zeit bei Team Visma | Lease a Bike eine siebenmonatige Sperre, die letztlich sein Kapitel beim niederländischen Team beendete. Seit fast einem Jahr ist er im Peloton in den Farben des Movistar Team zurück und schildert seine aktuelle Sicht sowie seine Gefühle nach der Suspendierung.
„Ja, vor allem am Anfang. Und ich war wütend auf die Leute, die mir sagten, ich solle es lassen, aber jetzt bin ich ihnen dankbar“, sagte Hessmann zu In de Leiderstrui. „Am Ende kostet es nur Energie, und die Leute denken ohnehin, was sie wollen.“
Hessmann war zunächst unzufrieden, weil er seine Version nicht erzählen konnte, nachdem er wenige Wochen nach dem Giro d’Italia 2023 positiv auf ein Diuretikum getestet worden war, wo er Primoz Roglic zum Sieg assistierte. Das wurde erst 2024 publik, doch er verpasste die gesamte Saison – zunächst wegen der Sperre, dann, weil kein Team ihn mitten im Jahr verpflichten wollte. Für 2025 ging Movistar dennoch das Risiko mit dem Deutschen ein.
„Es ist wieder ein völlig anderes Leben, und ich nehme es anders wahr als früher. Ich durfte kurz an einem ‘normalen’ Leben kosten – so normal, wie es mit einem laufenden Rechtsverfahren eben sein kann. Aber es ist immer noch normaler als das Leben als Radprofi und hat dauerhafte Veränderungen gebracht. Ich werde nicht mehr derselbe Fahrer oder derselbe Mensch sein, aber ich würde nichts daran ändern wollen.“

Im Peloton vermisst

2025 lief völlig anders als die Jahre zuvor, der 24-Jährige fand sich in einer ganz neuen Struktur wieder. Er fuhr über die Saison ein breites Spektrum an Rundfahrten, mit dem Höhepunkt Vuelta a España – seine einzige Grand Tour neben dem Giro 2023. „Ich habe eine ganz andere Perspektive gewonnen. Das Worst-Case-Szenario, in einem ‘normalen Leben’ zu landen… es ist eigentlich gar nicht so schlimm. Es hat mir einen anderen Blick auf den Radsport gegeben. Profi zu sein – und jemand wie Ide Schelling wird das genauso sagen – ist ein wirklich besonderes Leben.“
Der Deutsche kombiniert nun Profiradsport und Studium, teilt seine Prioritäten und findet so mehr Balance. „Ich kann jetzt sagen, es ist nicht mehr wichtiger als alles andere, es ist ein Teil meines Lebens geworden. Ich mache es, weil es meine Leidenschaft ist, aber nicht mehr als das.“
Seine Rückkehr ins Peloton wurde auch von einigen Kollegen, darunter bei Visma, positiv aufgenommen, nachdem Hessmann ein ganzes Jahr ohne Rennen war. „Sehr positiv. Die meisten Fahrer – selbst solche, die ich kaum kannte – sagten, es sei schön, dass ich zurück bin. Jeder hat die Angst, dass so etwas auch ihm passieren könnte…“
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