„Ich sehe nicht, wie Pogacar diesen Van der Poel schlagen soll“ – Patrick Lefevere zum Duell der Titanen bei Mailand–Sanremo

Radsport
Samstag, 21 März 2026 um 15:47
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Patrick Lefevere führt Soudal - Quick-Step nicht mehr und ist auch nicht direkt in die Planung von Milano-Sanremo eingebunden. Der belgische Manager hat jedoch zahlreiche Sieger und Anwärter begleitet und über Jahrzehnte diskutiert, wie man dieses Rennen richtig angeht. Nun teilt er seine Einschätzung und seinen Blick auf das erwartete Duell Tadej Pogacar gegen Mathieu van der Poel.

Analyse zu Mailand–Sanremo und Lefeveres Prognose zum Duell Pogacar gegen MvdP

„Die Fahrer machen das Rennen, das ist ein Klischee so groß wie ein Haus, aber in Italien glaubt man das nicht immer. Auch ohne Pompeïana oder Le Manie können heute nur zwei gewinnen. Es werden Mathieu van der Poel oder Tadej Pogacar sein. Jemand anderes? Sehe ich nicht passieren“, sagte Lefevere in seiner wöchentlichen Kolumne bei Het Nieuwsblad.
Zwar herrscht Einigkeit, dass es selbst in einem Rennen ohne große Anstiege und mit flachem Finale weitere Fahrer mit Siegchancen gibt. Doch in den vergangenen Jahren wurden die Anstiege in Rekordtempo gefahren und UAE Team Emirates - XRG setzt nun auf All-in-Attacken an der Cipressa. Das macht es für viele zu schwer.
Die Steigungen sind jedoch nicht steil, reine Wattwerte zählen stark. In Lefeveres Augen kippt die Waage damit stets zu Mathieu van der Poel. „Ehrlich, ich sehe nicht, wie Pogacar diesen Van der Poel schlagen soll. Es gibt viele Faktoren gegen ihn. An der Küste ist Gegenwind kein Nebenthema. Auch Pogacar steht nicht darüber.“
„Der Van der Poel, den ich bei Tirreno gesehen habe, ist für mich der stärkste aller Zeiten. Besonders die zweite Etappe nach Martinsicuro war wie aus dem Lehrbuch. Van Aert reagiert zweimal auf Attacken in den Schlusskilometern, Van der Poel bleibt sitzen und gewinnt, weil er es wagt, zu verlieren. Eine Meisterklasse.“
Der Alpecin-Premier Tech-Kapitän kam gesundheitlich und in der Vorbereitung perfekt durch Richtung Frühjahrsklassiker, Pogacar zeigte sich bei Strade Bianche ebenfalls makellos. Auf der anderen Seite hatten sowohl Wout van Aert als auch Mads Pedersen im Winter mit Verletzungen zu kämpfen.
Entscheidend wird letztlich die Positionierung vor der Cipressa, denn nach dem Anstieg bleibt wenig Zeit, um Plätze gutzumachen, bevor der erwartete Pogacar-Angriff kommt. Für UAE wird das schwer zu kontrollieren.
„UAE kann die Puncher gleichmäßig ersetzen, aber die Anfahrt zur Cipressa ist ein seltsames Biest. Ich habe in den Quick-Step-Jahren Dutzende Hypothesen gehört. Links fahren, rechts fahren, in der Mitte bleiben... Diese Formel gibt es nicht. Es ist eine Mischung aus Gefühl, Beinen und etwas Glück“, ergänzt Lefevere.

UAE darf sich die Positionierung in Sanremo nicht noch einmal leisten

Zwar hat UAE das Rennen im vergangenen Jahr animiert, doch Lefevere sah die Positionierung der Emiratis keineswegs als gelungen. „Letztes Jahr war die Positionierung von UAE an der Cipressa kollektiv falsch. Mit ihrer aktuellen Auswahl, mit vielen reinen Kletterern, würde ich nicht behaupten, dass das nicht wieder passieren kann.“
„Im Bestfall kann Pogacar seine Mannschaft an der Cipressa wirklich zur Arbeit stellen. In der Vergangenheit habe ich das nicht gesehen. Aber Van der Poel ist es gewohnt, sehr viel allein zu lösen“, argumentiert Lefevere. Für Pogacar muss es an der Cipressa passieren, sonst gibt es keinen Sieg. „Meine Prognose: Wenn für Pogacar am Poggio noch etwas passieren muss, dann wird es nicht mehr passieren.“
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