Tadej Pogačar kehrt in die Romandie zurück, noch gezeichnet vom Albtraum eines Nachwuchsrennens

Radsport
Montag, 27 April 2026 um 20:45
Tadej Pogacar
Als Tadej Pogacar zuletzt in der Romandie-Region fuhr, hinterließ das eine Spur, die nie ganz verblasste. Mehr als ein Jahrzehnt später, kurz vor dem Start der Tour de Romandie, reist der Slowene nicht nur als prägende Kraft des modernen Radsports an, sondern auch mit einer Jugenderinnerung, die bis heute physisch nachwirkt.
Der Kontrast könnte kaum größer sein. Damals ein Junior, der eine harte Woche durchstand. Heute die Referenzfigur des Pelotons, die direkt vom Sieg bei Lüttich–Bastogne–Lüttich in eine der wenigen WorldTour-Rundfahrten startet, die noch in seiner Palmares fehlt.

Eine Woche mit bleibender Spur

Pogacars Verbindung zur Region geht auf die Tour du Pays de Vaud zurück, wo seine Erlebnisse deutlich von dem abweichen, was später zur Normalität seiner Karriere wurde. Als Junior 2015 und 2016 am Start, belegte er einmal Gesamtrang 74, ehe er im Jahr darauf auf Platz sechs verbesserte. Besonders der frühere Auftritt war von einem Sturz geprägt, dessen Nachwirkung er noch heute spürt.
Mit Blick auf Romandie erinnerte er sich: „Es war ein schönes Rennen, aber ich habe sehr gelitten, weil ich einen schweren Sturz hatte. Ich habe immer noch eine Narbe an der Achillesferse von diesem Sturz, vom Kettenblatt.“ Er ergänzte: „Ich war dort nicht besonders gut, und wir hatten eine Doppeltagesetappe. Am Nachmittag bekam ich zusätzlich Magenprobleme. Es war eine Woche, in der jeden Tag etwas schiefging“, erzählte er auf der Pressekonferenz vor der Romandie. „Am Ende kam ich auf der Schlussetappe noch in die Top 10, damit war ich zufrieden. Insgesamt war es aber eine ziemlich furchtbare Woche für mich.“
Trotzdem bleibt sein Blick auf die Region positiv. Er beschreibt sie schlicht als „eine schöne Gegend zum Rennenfahren“.

Vom Durchbeißen zur Dominanz

Der Pogacar, der in dieser Woche in die Schweiz zurückkehrt, hat mit dem Junior, der damals eine harte Rundfahrt erlebte, wenig gemein. Er kommt zur Tour de Romandie direkt nach seinem Sieg bei Lüttich–Bastogne–Lüttich, seinem 13. Monument, als Abschluss eines Frühjahrs, in dem er auf unterschiedlichen Terrains und in diversen Rennformaten gewann. Grundlage war sein gewohnt offensiver, rennprägender Stil statt defensiver Kontrolle.
Der Umschwung ist jedoch unmittelbar. Vom maximalen Eintagesaufwand in den Ardennen zu einer sechstägigen Rundfahrt wenige Tage später wechselt die Anforderung rasch, auch wenn das Ziel unverändert bleibt.
„Ich will gewinnen, und es ist kein Geheimnis, dass wir auch hier in der Romandie auf Sieg fahren. Wir werden unser Bestes geben“, blickte Pogacar voraus. „Gleichzeitig ist jedes Rennen anders und es ist schwer, den Sieg zu erkämpfen. Wir schauen von Tag zu Tag. Wenn ich nicht gewinne, geht die Welt nicht unter. Ich gebe mein Bestes, um mir die Tour de Romandie in die Palmares zu holen.“

Ein anderer Prüfstein

Die Struktur des diesjährigen Rennens stellt Pogacar vor eine etwas andere Prüfung als erwartet. „Ich denke, es ist ein ziemlich hartes Rennen. Als wir im Dezember geplant haben, hoffte ich wie üblich auf zwei Zeitfahren, einen Prolog und ein längeres“, erklärte er. „Aber es gibt nur den Prolog, also fällt eine große Herausforderung weg. Ich hatte mich darauf gefreut, mich zu testen, weil ich nicht so viele Zeitfahren bestreite. Doch das Profil liegt mir sehr gut, wenn alles passt, wird es Spaß machen.“
Der Auftaktprolog, kurz und intensiv, liefert sofort einen Härtetest. Pogacar sagte dazu: „Es geht drei Kilometer Vollgas. Das wird richtig wehtun in Beinen und Lungen.“
Danach öffnet sich eine Woche mit zahlreichen Chancen. „Ab da gehen wir mehr oder weniger Tag für Tag. Jede Etappe ist eine gute Gelegenheit für eine Attacke, aber ich denke, die anderen Teams sehen das genauso“, prognostiziert der Weltmeister. „Es gibt so viele Möglichkeiten in der Woche, vielleicht sogar für Überraschungsangriffe. Jede Etappe sieht so aus, als könnte man es versuchen.“

Eine neue Generation tritt hervor

Auf seinen Lüttich–Bastogne–Lüttich-Sieg und den starken Auftritt des 19-jährigen Paul Seixas angesprochen, fiel Pogacars Urteil klar aus. „Er war beeindruckender als ich“, sagte er.
„In seinem Alter war ich noch auf einem deutlich niedrigeren Niveau, da gibt es einen großen Unterschied mit 19“, fügte Pogacar hinzu. „Ich finde das sehr beeindruckend. Auch Remco Evenepoel war in diesem Alter außergewöhnlich.“
„Vielleicht hat Remco mit 19 schon deutlich mehr Rennen gewonnen“, sagte er. „Aber das, was Paul bisher gezeigt hat, ist sehr beeindruckend.“
Tadej Pogacar und Paul Seixas bei Lüttich–Bastogne–Lüttich 2026
Tadej Pogacar and Paul Seixas at the 2026 Liêge-Bastogne-Liège

Zurück mit einer offenen Rechnung

Trotz seiner Dominanz 2026 bleibt die Tour de Romandie eine seltene Lücke in Pogacars Bilanz und liefert zusätzliche Motivation für ein Rennen, das ohnehin persönliche Geschichte trägt.
Er kehrt in eine Region zurück, die ihn einst mit Stürzen, Krankheit und Frust prägte. Diesmal kommt er als der Fahrer, an dem sich alle anderen messen müssen.
Ob sich das in den kommenden Tagen in einen Sieg verwandelt, entscheiden die Anstiege der Westschweiz. Der Kontrast ist jedoch bereits deutlich. Aus einem Rennen, das einst eine Narbe hinterließ, wird für Pogacar nun die Chance, der Romandie in ganz anderer Weise seinen Stempel aufzudrücken.
Klatscht 2Besucher 1
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Loading