Mads Pedersens Klassikerkampagne 2026 ist bereits von Rückschlägen geprägt, doch sein jüngstes Eingeständnis liefert den bislang klarsten Einblick, wie stark er ausgerechnet in einer Schlüsselphase der Saison gehandicapt war.
Nach einem Winter und frühen Frühjahr mit Verletzungen reiste der
Lidl-Trek-Kapitän zur
E3 Saxo Classic noch auf der Suche nach Rhythmus. Ein Top-10-Resultat deutete auf Widerstandskraft hin, doch hinter dem Ergebnis verbarg sich eine deutlich trübere Realität: Eine Erkrankung nahm ihm die Fähigkeit, dem Rennen seinen Stempel aufzudrücken.
„Ich fühlte mich wie ein Passagier im Feld“,
sagte Pedersen im Lang Distance-Podcast – eine drastische Beschreibung für einen Fahrer, dessen Stärke normalerweise darin liegt, die härtesten Rennen des Kalenders zu diktieren.
Auf Pedersens Niveau entscheidet selbst ein minimaler Formverlust. „Wenn dir auf diesem Level fünf bis zehn Prozent fehlen, ist es richtig schwer, einen Unterschied zu machen“, fügte er an und erklärte, warum ein auf dem Papier solides Resultat intern eine ganz andere Geschichte erzählte.
Dieser Kontext prägte letztlich eine der zentralen Entscheidungen seines Frühjahrs. Pedersen musste In Flanders Fields absagen, ein Rennen, bei dem er traditionell stark ist, und richtete den Fokus stattdessen darauf, das verbliebene Programm bei den Monumenten zu sichern.
Eine Klassikerkampagne zwischen Schadensbegrenzung und Timing
Der Rückzug war keine leichte Entscheidung, spiegelt aber eine Neujustierung nach einem turbulenten Jahresauftakt mit Handgelenks- und Schlüsselbeinbrüchen. Bei bereits verzögerter Form war das Risiko, krank durchzuziehen, zu hoch. „Wenn ich mich komplett in den Boden gefahren hätte, wäre es keine gute Woche geworden. Dann würden wir bis Flandern nur kompensieren, und das brauchen wir nicht“, erklärte Pedersen.
Stattdessen priorisiert Lidl-Trek Erholung vor kurzfristigen Ergebnissen, selbst wenn das bedeutet, auf ein Rennen zu verzichten, in dem er normalerweise um den Sieg mitfahren würde.
Die gleiche Vorsicht gilt nun für Dwars door Vlaanderen. „Der Plan ist, dass ich starte, aber wenn noch ein Rest Krankheit im Körper steckt, kann hartes Training besser sein als ein Rennen“, sagte Pedersen und ließ Raum für Anpassungen je nach Körpergefühl.
Am deutlichsten verändert hat sich die Ausrichtung seiner gesamten Saison. „Dieses Jahr dreht sich alles um die Monumente. Alles dazwischen ist nur Vorbereitung“, fügte er hinzu und unterstrich die Abkehr davon, quer durch den Kalender Ergebnissen nachzujagen, zugunsten von Formspitzen für wenige, entscheidende Ziele.
Restzweifel trotz ermutigender Signale
Dennoch gibt es körperliche Einschränkungen, die die nächsten Wochen prägen könnten. Zwar zeigte Pedersen bereits bei Mailand–Sanremo, dass er in den längsten Rennen tief mitfahren kann, doch ob er sie wie gewohnt zu Ende bringt, ist offen. „Ich spüre, dass die Endschnelligkeit noch etwas fehlt“, sagte er mit Blick auf die Folgen der früheren Verletzung, die explosive Einheiten erschwerte und den Sprintaufbau bremste.
Dieses Detail kann entscheidend sein. Pedersens Trumpf bei den Klassikern war oft nicht nur das Überleben der härtesten Rennen, sondern das Finish mit einem der schnellsten Sprints in einer verkleinerten Gruppe. Ohne diese letzte Schärfe reicht reine Präsenz nicht immer.
Innerhalb von Lidl-Trek herrscht zumindest Klarheit über den Rennansatz. „Wenn ich starte, fahren wir für mich. Es gibt keine geteilte Kapitänsrolle“, bestätigte Pedersen und machte deutlich, dass das Team bei seinem Einsatz voll auf seine Karte setzt.
Entscheidend ist nun, ob der Körper das erforderliche Niveau zulässt. Die Anzeichen sind vorhanden, doch nach einer holprigen Vorbereitung und einer Krankheit zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt steuert Pedersen auf die
Flandern-Rundfahrt nicht als der vollkommen formierte Mitfavorit früherer Jahre zu, sondern als Fahrer, der noch rechtzeitig seine Spitze erreichen will.