Bevor er sich als eine der aufstrebenden Kräfte im Peloton etablierte, fiel
Matthew Brennan bereits mit seiner Persönlichkeit auf. So erinnert sich sein früherer Trainer Giles Pidcock, der erzählt, wie die Führungsqualitäten des jungen Fahrers schon bei seinen ersten Schritten über das Kopfsteinpflaster sichtbar wurden.
Als Brennan sich auf den Start bei In Flanders Fields - From Middelkerke to Wevelgem vorbereitete, wie der Klassiker Gent–Wevelgem inzwischen heißt, erinnerte Pidcock daran, wie prägend diese frühen Erfahrungen für seine Entwicklung waren. Der Fahrer selbst machte das nach seinem Sieg bei Kuurne–Brüssel–Kuurne deutlich.
„Er hat mir nach seinem Sieg geschrieben, er kenne dank dieser Jahre jeden Meter des Finales“, sagte Giles Pidcock, der das Juniorenteam Camsmajaco leitet, das mit dem WorldTour-Team INEOS Grenadiers verbunden ist, in einem Interview mit
L'Équipe.
Unter Pidcocks Aufsicht fuhr Brennan in den Nachwuchsrängen, unter anderem bei der U19-Version von Kuurne, mit Platz zehn als bestem Ergebnis seiner zwei Teilnahmen. Die Erfahrung selbst erwies sich für den Briten später jedoch als unbezahlbar.
Resilienz und Charakter in den harten Momenten
Pidcock erinnert sich zudem an eine Episode, die für ihn den Fahrer definiert. In einem Rennen stürzte Brennan auf einem Pavé-Sektor und blieb mit starken Schmerzen im Bein mehrere Minuten am Boden. Trotzdem stieg er wieder aufs Rad und schloss nach einer rund dreißig Kilometer langen Verfolgung zum Peloton auf.
„Das war großartig. In solchen Situationen lernt man viel über einen Fahrer.“ Laut seinem Ex-Trainer sind es genau diese Erfahrungen, die die Bandbreite eines Fahrers wirklich messen.
Matthew Brennan celebrates one of his many victories
Jetzt bei Visma | Lease a Bike gestartet, zündet Brennan wie eine Rakete: 14 Profisiege mit erst 20 Jahren, davon 12 in seiner explosiven Saison 2025. Sein Aufstieg verlief jedoch nicht immer linear. In seiner ersten Saison (im Development-Team) stellte die Mannschaft Leistungsschwankungen fest. Vor allem zu den großen Terminen: „Er fuhr gut, aber sein Niveau sank, je näher die wichtigen Rennen rückten.“
Die Zweifel deuteten auf mögliche körperliche oder Vorbereitungsdefizite hin, doch der Schlüssel lag anderswo. Kurz vor seinem entscheidenden Durchbruch wurde bei ihm Zöliakie diagnostiziert, die seine Nährstoffaufnahme direkt beeinträchtigte. „Er fuhr im Grunde leer und lieferte trotzdem Leistungen ab.“
Sobald das Problem erkannt war, kam die Wende sofort: „In seinem ersten Jahr bei Visma hat er sich komplett verändert und an Gewicht zugelegt.“
Pidcock beschreibt Brennan als Fahrer mit seltener, natürlicher Kraft. Jenseits der Physis hebt ihn ein Merkmal ab: sein Mindset. Schon früh zeigte er eine stetige Neugier, das Warum hinter jedem Detail zu verstehen – etwas, das perfekt zur Philosophie des niederländischen Teams passt.
Ein Anführer seit den Juniorenjahren
Vielleicht war Brennans auffälligstes frühes Merkmal nicht in den Beinen, sondern in seiner Rolle innerhalb der Gruppe. Laut seinem Trainer war sein Einfluss so groß, dass ihm die Teamkollegen einen sprechenden Spitznamen gaben: „Als Matty kam, nannten ihn alle Jungs ‚Dad‘, weil er der Rücksichtsvollste war, derjenige, der voranging, der Anführer, der Ratschläge gab.“
Auch abseits der Rennen wurde diese Reife sichtbar. Auf Fahrten saß er vorne im Fahrzeug neben dem Trainer und führte Gespräche, die weit über den Radsport hinausgingen, über Politik, Wirtschaft und aktuelle Themen.
Ein früh gereiftes Profil, das erklärt, warum Matthew Brennan Jahre später nicht nur mit Ergebnissen herausragt, sondern auch mit einer Persönlichkeit, die von Beginn an großes Potenzial erkennen ließ.