Ben O’Connor kehrt in dieser Woche mit klarer Zielsetzung zur
Tour of the Alps zurück. Der Australier startet vom 20. bis 24.04. in das fünftägige Rennen nicht nur, um mitzufahren, sondern um präzise zu messen, wo er vor dem
Giro d’Italia steht – dem zentralen Ziel seiner Saison.
Als Bergkapitän von
Team Jayco AlUla ist O’Connor nicht mehr der aufstrebende Kletterer, der einst auf diesen Straßen seinen Durchbruch einleitete.
Er kommt als etablierter Grand-Tour-Anwärter zurück, mit Erwartung und Rückenwind in ein Rennen, das bereits zuvor eine wegweisende Rolle in seiner Karriere spielte.
„Ich bin im Aufschwung“,
sagt er in einer Pressemitteilung auf der Renn-Website. „Nach einem Höhentrainingsblock zwischen Andorra und der Sierra Nevada fühle ich mich bereit, und ich peile eine konkurrenzfähige Leistung bei der Tour of the Alps an. Es ist ein Rennen, das ich immer geliebt habe.“
Ein Rennen, das seine Karriere geprägt hat
Wenig Fahrer im Peloton haben eine derart enge Verbindung zur Tour of the Alps wie O’Connor. Hier holte er 2018 das erste bedeutende Resultat seiner Profikarriere und zeigte, dass er in WorldTour-Bergen bestehen kann.
Sechs Jahre später kehrte er mit einem ganz anderen Profil zurück und wurde Gesamtzweiter – der Auftakt zu seiner bislang erfolgreichsten Saison. Diese umfasste Rang vier beim Giro d’Italia und Platz zwei bei der Vuelta a España und unterstrich seine Entwicklung zum konstanten Grand-Tour-Fahrer.
Diese Historie verleiht der Rückkehr in dieser Woche zusätzliches Gewicht. Es ist nicht nur ein weiteres Vorbereitungsrennen. Das Profil und das Format passten wiederholt zu seiner Entwicklung und liefern weiterhin einen klaren Formindikator zu einem kritischen Zeitpunkt der Saison.
O'Connor won a stage of the Tour de France in 2025
Zugeschnitten auf die Anforderungen der Alpen
Die Tour of the Alps definiert sich seit jeher über ihre Intensität, nicht über die Länge. Kurze Etappen, ständige Höhenmeter und aggressives Racing lassen wenig Raum für Kontrolle – dessen ist sich O’Connor bewusst.
„Es ist ein wirklich forderndes Rennen“, sagte er. „Das Bergankunft-Finale am Martell ist ein erster Schlüsselmoment, und es gibt Etappen, die zu langen Angriffen einladen. Man muss bereit sein, den ganzen Tag Vollgas zu fahren, weil Abstände weit vor dem Ziel aufgehen können. Die Tour of the Alps ist explosiv – aber ein großartiges Rennen zu fahren.“
Diese Beschreibung spiegelt seine Aufgabe wider. O’Connors Stärken liegen in langen Klettereinsätzen und Konstanz über mehrere Tage – die Basis seiner Grand-Tour-Ergebnisse. Doch die Renncharakteristik belohnt oft Fahrer, die wiederholt Beschleunigungen mitgehen und schon weit vor dem Ziel Risiken eingehen, besonders auf Etappen mit technischen Abfahrtszielen.
Dieses Gleichgewicht aus Ausdauer und Explosivität wird seine Woche prägen.
Wichtige Referenz für den Giro d’Italia
Mit dem nahenden Giro d’Italia zählt hier mehr als das Endergebnis. Für O’Connor ist es die letzte Möglichkeit, monatelange Vorbereitung gegen ein starkes Feld zu validieren. „Vor dem Giro d’Italia ist die Tour of the Alps der perfekte Gradmesser“, sagte er. „Es gibt sowohl längere Anstiege als auch punchige Finals – eine ideale Mischung zu diesem Zeitpunkt der Saison.“
Das Teilnehmerfeld spiegelt diese Rolle. Fahrer wie Egan Bernal, Thymen Arensman und Aleksandr Vlasov bringen bewährte Rundfahrtqualitäten, während Namen wie Giulio Pellizzari zusätzliche Unwägbarkeit in ein Rennen bringen, das selten nach Drehbuch verläuft.
O’Connor bleibt jedoch auf seine eigene Entwicklung fokussiert, nicht auf Vergleiche. „Das Niveau ist immer sehr hoch. Es bringt nichts, die Liste starker Gegner durchzugehen – ich konzentriere mich auf mich und meine Form. Nach fünf Tagen weiß ich genau, wo ich stehe.“
Diese Schlussbilanz könnte am Ende wichtiger sein als jede Platzierung. Mit Blick auf den Giro d’Italia liefert die Tour of the Alps Klarheit. Für O’Connor ist es eine Rückkehr auf vertrautes Terrain mit anderen Erwartungen – und die Chance, zu bestätigen, dass seine Aufwärtskurve weiter hält.