Tim Merlier kann sich vorstellen, bei der
Tour de France 2027 gemeinsam mit
Paul Magnier an den Start zu gehen. Allerdings weiß der Belgier, dass Soudal - Quick-Step vor einer schwierigen Entscheidung steht. Die beiden Sprinter feierten in der Saison 2026 zusammen beeindruckende 29 Siege und gewannen jeweils drei Etappen bei einer Grand Tour. Ob die Mannschaft im kommenden Sommer tatsächlich beide schnellen Männer für die Frankreich-Rundfahrt nominiert, ist deshalb noch völlig offen.
Merlier unterstrich seine Klasse bei der Tour de France 2026 mit drei Etappensiegen und erhöhte seine persönliche Bilanz bei der Grande Boucle damit auf insgesamt sechs Tageserfolge. Der erst 22-jährige Magnier überzeugte derweil bei seinem Giro-d'Italia-Debüt mit ebenfalls drei Etappensiegen und dem Gewinn der Punktewertung. Seine rasante Entwicklung macht ihn zu einem ernsthaften Kandidaten für einen Tour-Start. Gleichzeitig wäre es angesichts von Merliers Erfolgsbilanz kaum vorstellbar, den erfahrenen Belgier ohne Weiteres aus dem Aufgebot zu streichen.
„Ich bin grundsätzlich offen dafür“ – Merlier schließt gemeinsames Tour-Debüt mit Magnier nicht aus
Nach der Streckenpräsentation der Tour de France 2027 am Donnerstag in Paris wurde Merlier im Gespräch mit WielerFlits gefragt, ob er sich eine gemeinsame Teilnahme mit Magnier vorstellen könne. Seine Antwort fiel grundsätzlich positiv aus, ließ die endgültige Entscheidung aber bewusst offen.
Tim Merlier kann sich einen gemeinsamen Start mit Paul Magnier bei der Tour de France 2027 vorstellen. Beide Sprinter feierten 2026 jeweils drei Etappensiege bei einer Grand Tour.
„Das wird sich in den kommenden Wochen zeigen, sobald wir die Strecken aller drei Grand Tours genauer unter die Lupe nehmen konnten. Ich bin grundsätzlich offen dafür“, erklärte der Belgier.
Magnier hat seine Chancen auf eine Tour-Nominierung innerhalb der vergangenen zwölf Monate erheblich verbessert. Bei seinem ersten Giro d'Italia sorgte der junge Franzose unmittelbar für Aufsehen: Er gewann die Auftaktetappe, übernahm das Rosa Trikot und ließ im weiteren Rennverlauf zwei zusätzliche Etappensiege folgen. Mit dem Gewinn der Punktewertung krönte er schließlich sein beeindruckendes Grand-Tour-Debüt.
Merlier wiederum hat sich längst als einer der erfolgreichsten Sprinter der jüngeren Tour-Geschichte etabliert. Seine drei Etappensiege aus dem Jahr 2026 brachten ihn auf insgesamt sechs Erfolge bei der Frankreich-Rundfahrt. Damit verfügt er nicht nur über enorme Erfahrung, sondern auch über eine bemerkenswerte Konstanz auf höchstem Niveau. Für die Sprintambitionen von Soudal - Quick-Step bleibt er deshalb ein naheliegender Kandidat, auch wenn Magnier zunehmend auf seine erste Teilnahme an der wichtigsten Rundfahrt seines Heimatlandes drängt.
Eine gemeinsame Nominierung könnte dem Team zusätzliche taktische Möglichkeiten eröffnen. Allerdings wäre es keineswegs einfach, zwei absolute Topsprinter in ein Aufgebot von lediglich acht Fahrern zu integrieren. Beide würden mit eigenen Siegambitionen zur Tour reisen und entsprechende Unterstützung benötigen. Gleichzeitig muss die Mannschaft genügend Fahrer für anspruchsvolle Bergetappen und andere taktische Aufgaben einplanen.
Bis zu sieben Massensprints: Tour-Strecke 2027 weckt große Hoffnungen
Die kürzlich präsentierte Strecke der Tour de France 2027 dürfte den Sprintern durchaus entgegenkommen. Nach ersten Einschätzungen könnten sechs, möglicherweise sogar sieben Etappen in einem Massensprint entschieden werden. Ob sich tatsächlich so viele Gelegenheiten ergeben, hängt allerdings vom Rennverlauf ab. Insbesondere auf hügeligen Teilstücken könnten Ausreißer oder späte Angriffe den schnellen Männern einen Strich durch die Rechnung machen.
Merlier blickt dennoch optimistisch auf die möglichen Sprintchancen. „Hoffentlich können wir das schaffen. Wenn es tatsächlich sechs oder sieben Massensprints gibt, wäre das fantastisch“, sagte der Belgier.
Besonders interessant ist dabei die Auftaktetappe am 2. Juli 2027. Der 185 Kilometer lange Abschnitt von Edinburgh nach Carlisle verläuft überwiegend flach und könnte bereits am ersten Renntag eine klassische Sprintentscheidung bringen. Damit hätten die schnellen Männer die seltene Gelegenheit, unmittelbar um das erste Gelbe Trikot der Rundfahrt zu kämpfen.
Für Merlier wäre eine solche Ausgangslage ein zusätzlicher Anreiz, auch wenn er sich der besonderen Erwartungen bewusst ist. „Natürlich bringt das viel Druck mit sich. Aber wenn die Etappe tatsächlich im Sprint endet, ist es eine großartige Gelegenheit“, erklärte er. „Im Peloton habe ich inzwischen einiges an Erfahrung gesammelt und bin schon oft auf der Auftaktetappe eines Etappenrennens gesprintet. Mit dem Druck sollte ich umgehen können.“
Auch Magnier hat bereits bewiesen, dass er mit einer solchen Situation umgehen kann. Bei seinem Giro-Debüt gewann der Franzose schließlich ebenfalls die erste Etappe und übernahm damit sofort die Gesamtführung. Merlier wiederum kann auf seine sechs bisherigen Tour-Etappensiege verweisen. Beide hätten somit gute Argumente, um bei einem möglichen Massensprint in Carlisle als Kapitän ins Rennen zu gehen.
Soudal Safety Jogger steht vor schwieriger Entscheidung für die Grand Tours
Für die sportliche Leitung von Soudal - Quick-Step, das ab 2027 unter dem Namen Soudal Safety Jogger antreten wird, zeichnet sich damit eine anspruchsvolle Kaderplanung ab. Noch ist nicht entschieden, wie die beiden erfolgreichen Sprinter auf den Giro d'Italia, die Tour de France und die Vuelta a Espana verteilt werden sollen.
Sowohl Merlier als auch Magnier kommen aus einer außergewöhnlich erfolgreichen Saison. Gleichzeitig verspricht die Tour-Strecke 2027 zahlreiche Chancen auf Etappensiege. Die detaillierten Streckenanalysen der kommenden Wochen dürften deshalb eine entscheidende Rolle spielen.
Ob die Mannschaft tatsächlich mit einer Doppelspitze in die Tour startet oder ihre beiden Sprintstars auf unterschiedliche Grand Tours verteilt, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch: Sollte Soudal Safety Jogger am 2. Juli 2027 in Edinburgh sowohl Tim Merlier als auch Paul Magnier an den Start bringen, würde das Team über zwei der gefährlichsten Sprinter des gesamten Pelotons verfügen.