Während Teams wie Netcompany INEOS und LIDL-Trek in diesem Herbst mit spektakulären Transfers für Schlagzeilen sorgen, hat UAE Team Emirates-XRG seine Kaderplanung für 2027 weitgehend geräuschlos abgeschlossen. Vier Fahrer kommen, vier verlassen die Mannschaft. Mit insgesamt 30 Profis unter Vertrag steht das Aufgebot für die kommende Saison damit im Wesentlichen bereits fest.
Eine grundlegende Neuausrichtung ist beim Team um
Tadej Pogacar und Isaac del Toro ohnehin nicht notwendig. Stattdessen setzt UAE wie in den vergangenen Jahren auf gezielte Verstärkungen. Für 2025 verpflichtete der Rennstall fünf neue Fahrer, für 2026 waren es vier, und auch 2027 stoßen lediglich vier Neuzugänge zur Mannschaft. Solange Pogacar und del Toro an der Spitze eines der stärksten Kader im internationalen Radsport stehen, besteht kaum Anlass für einen umfassenden Umbruch.
Vier Neuzugänge, vier Abgänge: UAE setzt auf Kontinuität statt Transferoffensive
Dennoch bringt das Transferfenster einige schmerzhafte Veränderungen mit sich. Besonders der erwartete Abschied von
Pavel Sivakov wiegt schwer. Mit Juan Sebastian Molano verlässt zudem der einzige reine Sprinter die Mannschaft und beendet damit ein achtjähriges Kapitel. Auch Igor Arrieta und Rune Herregodts stehen vor dem Abschied. Hinzu kommen zwei hochveranlagte Nachwuchsfahrer: Mateo Ramirez und Ugo Fabries wechseln zu anderen WorldTour-Teams, statt aus der eigenen Entwicklungsabteilung aufzusteigen.
Die vier Neuverpflichtungen bringen interessante Qualitäten mit, können die Erfahrung und den sportlichen Stellenwert der Abgänge jedoch noch nicht vollständig ersetzen. Ob das tatsächlich zum Problem wird, hängt vor allem davon ab, welche Aufgaben UAE künftig abdecken muss. Mit Pogacar als dominierendem Kapitän sind vor allem verlässliche Helfer, starke Kletterer und Fahrer gefragt, die Rennsituationen richtig einschätzen. Genau in diesen Bereichen sollen die Neuzugänge zusätzliche Optionen schaffen.
Pierre Gautherat: Der spannendste Neuzugang mit Klassikerpotenzial
Von den vier Verpflichtungen dürfte
Pierre Gautherat die größten Erwartungen wecken. Der 23-jährige Franzose wechselt von Decathlon CMA CGM zu UAE Team Emirates-XRG und unterschreibt einen Vertrag bis Ende 2029. In den vergangenen beiden Jahren überzeugte er insbesondere bei anspruchsvollen französischen Eintagesrennen mit konstant starken Leistungen.
Pierre Gautherat wechselt von Decathlon CMA CGM zu UAE Team Emirates-XRG und unterschreibt bis Ende 2029. Der 23-jährige Franzose zählt nach starken Ergebnissen bei Eintagesrennen zu den spannendsten Neuzugängen des Teams.
Seine Saison 2026 verlief besonders erfolgreich. Im März gewann Gautherat Paris-Camembert, bei der Classique Dunkerque wurde er Zweiter und bei Tro-Bro Leon belegte er den vierten Platz. Auch bei der Tour de Luxembourg zeigte er seine Klasse. Auf der ersten Etappe hielt er am steilen, bis zu zehn Prozent ansteigenden Schlussanstieg lange gegen Mathieu van der Poel dagegen und musste sich erst auf der Ziellinie geschlagen geben. Einen Tag später fuhr er erneut auf das Podium und wurde Dritter. Solche Auftritte haben seinen Ruf als vielversprechender Klassikerfahrer weiter gefestigt.
Gautherat ist ein explosiver Puncheur mit einem starken Sprint, der besonders auf kurzen, steilen Anstiegen gefährlich werden kann. Genau dieses Profil ist bei vielen französischen Eintagesrennen gefragt. Eine Grand Tour hat der junge Franzose bislang noch nicht bestritten. Seine bisherige Entwicklung spricht dafür, dass UAE ihn zunächst behutsam an größere Aufgaben heranführen dürfte.
Voraussichtlich wird Gautherat bei Etappenrennen als Helfer eingesetzt, während er bei ausgewählten Eintagesrennen auf geeignetem Terrain auch eigene Chancen erhalten könnte. Sein Alter und die Vertragslaufzeit bis Ende 2029 machen deutlich, dass UAE nicht nur auf kurzfristige Ergebnisse setzt, sondern erhebliches Entwicklungspotenzial in ihm sieht.
Marco Frigo: Erfahrener Etappenjäger soll die Berghelfer verstärken
Marco Frigo kommt vom NSN Cycling Team und hat bei UAE einen Zweijahresvertrag bis Ende 2028 unterschrieben. Der 26-jährige Italiener hat sich bislang vor allem als offensiver Etappenjäger einen Namen gemacht. Zu seinen Ergebnissen zählen ein Etappensieg bei der Tour of the Alps 2025, Platz drei auf einer Etappe der Vuelta a Espana im selben Jahr sowie Rang sieben in der Gesamtwertung der Tour de Pologne und Platz fünf bei der Baloise Belgium Tour. 2026 wurde er Vierter auf der vierten Etappe des Criterium du Dauphine und Zehnter beim Amstel Gold Race.
In der Saison 2026 bestritt Frigo zudem die Tour de France. Dort zeigte er sich auch in den Bergen angriffslustig und erreichte auf der vierten Etappe den vierten Platz, ehe er die Rundfahrt schließlich in einer Helferrolle beendete. Mit einer Körpergröße von 1,88 Metern entspricht er nicht unbedingt dem klassischen Erscheinungsbild eines Bergspezialisten. Dennoch verfügt er über die nötige Leistungsfähigkeit, um auch auf anspruchsvollen Bergetappen einer Grand Tour konkurrenzfähig zu sein.
Bei UAE dürfte Frigo künftig vor allem die Kapitäne in den Bergen unterstützen. Gleichzeitig könnte er bei geeigneten Rennverläufen in Ausreißergruppen präsent sein und gelegentlich die Freiheit erhalten, auf eigene Ergebnisse zu fahren. Seine Vielseitigkeit macht ihn zu einer wertvollen Option für unterschiedliche Rennsituationen.
Ein Einsatz beim Giro d'Italia oder bei der Vuelta a Espana erscheint angesichts seines Profils wahrscheinlich. Deutlich schwieriger dürfte es werden, einen Platz im hochkarätig besetzten Tour-de-France-Aufgebot zu erhalten. Frigo ist kein Fahrer, von dem Monument-Siege oder Gesamterfolge bei großen Rundfahrten erwartet werden. Er bringt jedoch genau jene Zuverlässigkeit und Erfahrung mit, die für ein erfolgreiches Teamgefüge entscheidend sein können.
Abel Balderstone: Spanischer Zeitfahrmeister will sich bei UAE durchsetzen
Für besonderes Aufsehen sorgte in Spanien die Verpflichtung von Abel Balderstone. Der 26-Jährige löste seinen bisherigen Vertrag bei Caja Rural auf, um zu UAE Team Emirates-XRG zu wechseln. Beim neuen Arbeitgeber unterschrieb er bis Ende 2029. Balderstone gilt als starker Kletterer, verfügt aber zugleich über beachtliche Fähigkeiten im Zeitfahren. 2025 gewann er den spanischen Meistertitel im Kampf gegen die Uhr und beendete die Vuelta a Espana auf dem 13. Gesamtrang. Damit war er zugleich der bestplatzierte Spanier der Rundfahrt.
Im Jahr 2026 folgte mit seinem Debüt bei der Tour de France der nächste wichtige Karriereschritt. Balderstone erreichte Paris auf dem 47. Gesamtrang. Bereits im Februar hatte er bei O Gran Camiño mit Platz vier in der Gesamtwertung überzeugt und sich unmittelbar hinter Adam Yates eingereiht. Abseits dieser Höhepunkte verlief seine Saison allerdings nicht durchgehend konstant. An seinem grundsätzlichen Potenzial bestehen dennoch kaum Zweifel.
Der Wechsel zu UAE bedeutet für Balderstone eine erhebliche Verschärfung des internen Konkurrenzkampfs. Während er bei Caja Rural zu den wichtigsten Rundfahrern gehörte, muss er sich künftig gegen zahlreiche etablierte Kletterspezialisten behaupten. Um einen Platz im Aufgebot für den Giro oder die Vuelta zu erhalten, wird er die sportliche Leitung zunächst im Training und bei kleineren Rennen überzeugen müssen.
Regelmäßige Einsätze bei der Tour de France dürften angesichts der enormen Kaderbreite vorerst schwierig werden. Für den Giro d'Italia oder die Vuelta a Espana könnte sich jedoch eine realistische Perspektive ergeben, sofern ihm die Anpassung an sein neues Umfeld gelingt. Berichten zufolge hatte auch Movistar Interesse an Balderstone gezeigt. Dass UAE den Spanier schließlich mit einem Dreijahresvertrag verpflichten konnte, darf deshalb als bemerkenswerter Transfererfolg gelten.
Davide Stella: Ein 20-jähriges Sprinttalent soll Molanos Lücke schließen
Mit Davide Stella schafft ein Fahrer aus der eigenen Nachwuchsstruktur den Sprung in die WorldTour. Der 20-jährige Italiener kommt aus dem UAE-Team Gen Z und erhält einen Profivertrag bis Ende 2029. Stella ist ein ausgewiesener Sprinter, der 2026 auf Nachwuchsebene mit vielversprechenden Leistungen auf sich aufmerksam machte. Im August gewann er die dritte Etappe der Tour de l'Avenir im Massensprint und belegte in der Punktewertung der Rundfahrt den dritten Platz. Bereits 2025 hatte er Etappensiege bei der Volta ao Alentejo und der Tour of Sharjah gefeiert.
Trotz dieser Ergebnisse steht Stella noch am Anfang seiner Entwicklung. Der Unterschied zwischen Nachwuchsrennen und der WorldTour ist beträchtlich, weshalb unmittelbare Erfolge auf höchstem Niveau keine realistische Erwartung sein sollten. Zudem hat UAE bei Grand Tours traditionell wenig Wert auf einen eigenen Sprintzug gelegt. Für Stella dürften sich daher zunächst vor allem bei kleineren Rennen Möglichkeiten ergeben, bei denen er als schneller Mann mehr Freiheiten erhält.
Seine Beförderung kommt allerdings zu einem passenden Zeitpunkt. Durch Molanos Abschied verliert UAE seinen einzigen etablierten reinen Sprinter. Stella bietet sich damit als langfristige Lösung aus dem eigenen Nachwuchs an, um diese Lücke zumindest perspektivisch zu schließen.
Pavel Sivakov: Der schwerwiegendste Verlust für Pogacars Mannschaft
Unter den vier Abgängen dürfte der Wechsel von Pavel Sivakov die größten unmittelbaren sportlichen Auswirkungen haben. Der 29-jährige Franzose kam 2024 von INEOS zu UAE und entwickelte sich während seiner drei Jahre bei der Mannschaft zu einem der zuverlässigsten Helfer von Tadej Pogacar. Sowohl 2024 als auch 2025 gehörte er zum siegreichen Tour-de-France-Aufgebot und übernahm auf entscheidenden Bergetappen häufig die Tempoarbeit an der Spitze des Feldes.
Pavel Sivakov verlässt UAE Team Emirates-XRG nach drei Jahren und wechselt zu Decathlon CMA CGM. Der Franzose war 2024 und 2025 ein wichtiger Helfer von Tadej Pogacar bei dessen Tour-de-France-Siegen.
Auch auf eigene Rechnung gelangen Sivakov bemerkenswerte Ergebnisse. 2025 gewann er die Vuelta a Andalucia und feierte damit einen seiner vergleichsweise seltenen individuellen Gesamterfolge. Bei der Vuelta a Espana 2024 wurde er Neunter der Gesamtwertung, zudem sicherte er sich einen Etappensieg beim Giro d'Abruzzo. Auch bei Il Lombardia spielte er eine wichtige Helferrolle und unterstützte Pogacar 2025 auf dem Weg zu dessen fünftem Sieg bei diesem Monument.
Sivakov gehört zu jener Kategorie von Fahrern, deren Bedeutung sich nicht allein an Siegen und Schlagzeilen ablesen lässt. Er kann auf langen Bergetappen bis tief in die entscheidende Rennphase an der Spitze bleiben, verfügt über solide Zeitfahrqualitäten und versteht es, seine Kapitäne wirkungsvoll zu unterstützen. Einen direkten Ersatz für dieses Gesamtpaket zu finden, dürfte für UAE schwierig werden.
Der Franzose wechselt mit einem Dreijahresvertrag zu Decathlon CMA CGM, wo er künftig an der Seite von Paul Seixas fahren soll. Für Sivakov eröffnet sich damit eine interessante neue Perspektive. UAE verliert hingegen einen bewährten Leistungsträger, dessen Qualitäten gerade bei den größten Rundfahrten besonders wertvoll waren.
Juan Sebastian Molano: Nach acht Jahren endet ein besonderes UAE-Kapitel
Auch Juan Sebastian Molano schlägt nach langer Zeit ein neues Kapitel auf. Der kolumbianische Sprinter war 2019 zu UAE gekommen und verlässt den Rennstall nun nach acht gemeinsamen Jahren. In dieser Zeit entwickelte er sich zu einem der erfahrensten schnellen Männer des Pelotons. Seine Bilanz umfasst 29 Profisiege, darunter Etappenerfolge bei der Vuelta a Espana 2022 und 2023, der UAE Tour und der Tour de Guangxi. Hinzu kommen Siege beim Grand Prix de Denain und der Ronde van Brugge. Insgesamt gewann Molano fünf Rennen beziehungsweise Etappen auf WorldTour-Niveau.
Seine Möglichkeiten waren bei UAE allerdings stets durch die sportliche Ausrichtung der Mannschaft begrenzt. Ein Team, dessen wichtigste Ziele auf den Gesamtsiegen von Tadej Pogacar beruhen, investiert zwangsläufig weniger Ressourcen in Sprintzüge und Massensprint-Finals. Zwar konnte sich Molano insbesondere auf Ivo Oliveira als Anfahrer verlassen, doch die umfassende Unterstützung spezialisierter Sprintmannschaften stand ihm nur selten zur Verfügung.
Damit verbrachte der Kolumbianer einen großen Teil seiner Karriere bei einer Mannschaft, in der seine Spezialdisziplin nie oberste Priorität besaß. Mit 31 Jahren hat er sich deshalb für einen nachvollziehbaren Wechsel entschieden. Lotto-Intermarché benötigt nach dem Abgang von Arnaud De Lie zu Tudor einen erfahrenen Sprinter und verpflichtet Molano mit einem Zweijahresvertrag.
Der Kolumbianer verbindet mit seinem neuen Team klare sportliche Hoffnungen. „Hier werde ich wieder ein reiner Sprinter sein, und ich kann es kaum erwarten. Außerdem träume ich von der Tour de France, bei der ich noch nie am Start war. Das wird mich enorm motivieren“, erklärte Molano. Bei Lotto-Intermarché dürfte er deutlich häufiger die Gelegenheit erhalten, seine eigenen Sprintambitionen zu verfolgen.
Igor Arrieta und Rune Herregodts: Zwei weitere Abgänge mit unterschiedlichen Motiven
Igor Arrietas Wechsel zu LIDL-Trek stellt für UAE einen Verlust anderer Art dar. Der 23-jährige Spanier war noch kein unverzichtbarer Helfer bei der Tour de France, galt jedoch als eines der vielversprechendsten jungen Talente des Teams. In der Saison 2026 begann er, dieses Potenzial mit überzeugenden Ergebnissen zu bestätigen. Besonders eindrucksvoll war sein dramatischer Etappensieg beim Giro d'Italia in Potenza. Außerdem belegte er bei der Itzulia Basque Country den achten Gesamtrang und wurde Dritter bei der AlUla Tour.
Angesichts der enormen Konkurrenz um die Plätze im Tour-de-France-Aufgebot wären seine Einsatzmöglichkeiten bei UAE weiterhin begrenzt gewesen. Bei LIDL-Trek könnte Arrieta ein Umfeld vorfinden, in dem er sich mit größeren sportlichen Freiheiten weiterentwickeln kann. Sein Abschied ist deshalb aus der Perspektive des Fahrers ebenso nachvollziehbar wie aus Sicht der Mannschaft.
Die Zukunft von Rune Herregodts ist dagegen noch nicht offiziell bestätigt. Berichten zufolge steht der Belgier allerdings kurz vor einem Dreijahresvertrag bei Movistar. Herregodts verbrachte zwei Saisons bei UAE und wurde dort vor allem als vielseitiger Rouleur und Helfer bei Klassikern eingesetzt. Chancen, selbst auf Ergebnisse zu fahren, erhielt er dagegen nur selten.
Dass er sich künftig mehr persönliche Freiheiten wünscht, machte der belgische Meister öffentlich deutlich: „Ich hoffe auch, künftig öfter für mich selbst fahren zu können.“ Bei Movistar könnten sich ihm genau solche Möglichkeiten eröffnen, insbesondere bei Rennen, die seinen Fähigkeiten entgegenkommen. Mit seinem Sieg bei den belgischen Meisterschaften hat Herregodts bereits gezeigt, welches Potenzial er besitzt, wenn er selbst Verantwortung übernehmen darf.
Mateo Ramirez und Ugo Fabries: Zwei große Nachwuchstalente verlassen UAE
Besonders schmerzhaft könnte sich für UAE langfristig der Verlust zweier Fahrer aus der eigenen Nachwuchsabteilung erweisen. Mateo Ramirez und Ugo Fabries gehörten 2026 zu den herausragenden Talenten des Gen-Z-Teams. Dennoch verlassen beide die Organisation, ohne zuvor in das WorldTour-Aufgebot aufgestiegen zu sein.
Der erst 20-jährige Ecuadorianer Ramirez absolvierte 2026 eine bemerkenswert konstante Saison. Beim Giro Next Gen wurde er Zweiter der Gesamtwertung, anschließend gewann er eine Etappe beim Rennen im Valle d'Aosta. Bei der Tour de l'Avenir belegte er schließlich den vierten Gesamtrang. Gerade einmal vier Sekunden fehlten ihm zum Podium bei einer der prestigeträchtigsten U23-Rundfahrten überhaupt. Zur Saison 2027 wechselt Ramirez zu Movistar, wo er seinen ersten WorldTour-Vertrag erhält.
Auch Ugo Fabries hat seine Fähigkeiten auf höchstem Nachwuchsniveau bereits unter Beweis gestellt. Der 21-jährige Franzose, der 2025 französischer U23-Straßenmeister wurde, beendete die Tour de l'Avenir auf dem sechsten Gesamtrang. Auf einer der Bergetappen musste er sich lediglich Lorenzo Finn geschlagen geben und wurde Zweiter. Ab 2027 fährt Fabries für Jayco-AlUla. Beide Nachwuchsprofis gelten als vielversprechende Rundfahrer, die das Potenzial für eine erfolgreiche Karriere in der WorldTour besitzen.
Dass weder Ramirez noch Fabries trotz ihrer Leistungen einen Platz im ersten UAE-Team erhalten hat, zeigt die außergewöhnliche Leistungsdichte innerhalb der Organisation. Für den Rennstall ist es dennoch eine verpasste Gelegenheit, zwei selbst entwickelte Talente an direkte Konkurrenten zu verlieren, bevor sie ihre Fähigkeiten im eigenen WorldTour-Aufgebot unter Beweis stellen konnten.
Gleichzeitig ist die Entscheidung angesichts der vorhandenen Kaderstruktur nachvollziehbar. Mit Pogacar, del Toro, Adam Yates, Brandon McNulty und zahlreichen weiteren starken Kletterern ist UAE bereits hervorragend besetzt. Für zusätzliche junge Rundfahrer gibt es kaum freie Plätze. Ramirez und Fabries müssen deshalb anderswo den nächsten Schritt ihrer Entwicklung gehen. Dabei profitieren ihre neuen Arbeitgeber von der Nachwuchsarbeit, die UAE über Jahre in beide Fahrer investiert hat. Langfristig besteht sogar die Möglichkeit, dass die beiden Talente ihrem ehemaligen Team als Konkurrenten gegenüberstehen.
UAE 2027: Weniger Umbruch, aber nicht ohne Risiko
Insgesamt bleibt UAE Team Emirates-XRG seiner bisherigen Transferstrategie treu. Statt den Kader grundlegend umzubauen, verpflichtet die Mannschaft vier Fahrer mit unterschiedlichen Profilen: Gautherat als explosiven Klassikerfahrer, Frigo als erfahrenen Etappenjäger, Balderstone als kletterstarken Rundfahrer und Stella als langfristige Sprintoption. Die Verpflichtungen ergänzen das bestehende Aufgebot, ohne die sportliche Hierarchie infrage zu stellen.
Der Preis für diese Kontinuität ist allerdings spürbar. Mit Sivakov geht ein bewährter Helfer für die wichtigsten Rundfahrten, Molano hinterlässt eine Lücke im Sprintbereich, und mit Arrieta, Ramirez und Fabries verliert UAE gleich mehrere Fahrer mit erheblichem Entwicklungspotenzial. Ob die Neuzugänge diese Verluste ausgleichen können, wird sich erst im Verlauf der Saison 2027 zeigen. Solange Pogacar und del Toro weiterhin die sportlichen Maßstäbe setzen, bleibt UAE jedoch in einer komfortablen Ausgangsposition – auch wenn die Konkurrenz auf dem Transfermarkt nicht untätig geblieben ist.