Der Giro d’Italia 2026 findet vom 08. bis 31.05.2026 statt. Er ist die erste Grand Tour der Saison, mit 21 Etappen durch zahlreiche italienische Städte, die mythischen Alpen und tückische Abschnitte – jeder kann die Chancen der Kletterer zunichtemachen. Wir blicken auf Etappe 18, deren Start und Zielzeiten voraussichtlich bei 12:45 und 16:50 CET liegen.
Profil Etappe 18: Fai della Paganella - Pieve di Soligo
Etappe 18: Fai della Paganella - Pieve di Soligo, 168 Kilometer
Die 18. Etappe ist erneut eine eigenwillige Prüfung: ein Tag, der fast völlig flach wirkt, aber kurz vor dem Ziel mit einem einzigen „Haifischzahn“ aufwartet.
Die Punktewertung steht hier im Fokus. Es ist erneut ein Tag für die Ausreißer: zu leicht für die reinen Kletterer, zu schwer für die reinen Sprinter. Mit vielen Opportunisten und mehreren welligen Anstiegen zu Beginn wird es kaum möglich sein, eine starke Gruppe vom Wegzufahren abzuhalten.
Das Feld bewegt sich auf südöstlichem Kurs nach Pieve di Soligo, wo das Finale steigt. Der große Schlüsselpunkt der Etappe ist der Muro di Ca’ del Poggio. Er ist nicht zu verwechseln mit dem Poggio di Sanremo, dem Scharfrichter der Milano–Sanremo.
Stattdessen wartet ein kurzer, aber extrem steiler Anstieg, dessen Kuppe knapp unter 10 Kilometer vor dem Ziel liegt, im Schnitt 11% steil mit deutlich höheren Maximalrampen. Hier können nicht nur Puncheure, sondern auch Kletterer den Unterschied machen.
In der Flucht werden einige vorab investieren, während andere die Beine für den entscheidenden Vorstoß sparen, den sie bis ins Ziel tragen wollen. Im Peloton müssen die Klassementfahrer höchste Aufmerksamkeit zeigen, um perfekt positioniert in den Anstieg einzubiegen.
Vor der Königsetappe wollen nur wenige übermäßig viel Energie in Attacken investieren, doch sie müssen genug aufbringen, um ihre Positionen zu sichern. Explosive Fahrer können in den letzten 10 Kilometern attackieren, Allianzen schmieden und Abstände ausbauen. Helfer in der Gruppe des Tages können diese Mission zusätzlich unterstützen.
Profil des Muro di Ca' del Poggio
Die Favoriten
Es gibt Regenprognosen, aber wie schon heute eher vereinzelt und unsicher. Vieles kann passieren. Im Vorfeld hätte ich klar mit einem Ausreißertag gerechnet, doch die Punktewertung könnte das Drehbuch ändern.
Im Finale gibt es viele Zähler, und
Jhonatan Narváez führt
Paul Magnier mit 12 Punkten. Auf den Etappen 19 und 20 könnte er minimal punkten, wohl nur aus der Gruppe heraus. Am Schlusstag kann Magnier im Massensprint theoretisch 50 Punkte holen, es gibt also derzeit kein Sicherheitsnetz für den Ecuadorianer.
Der 1-Kilometer-Anstieg ist extrem steil, im Grunde ein Paradeberg für Narváez. UAE hat jeden Grund, den Tag zu kontrollieren – idealerweise mit Verbündeten – und das Finale so zu gestalten, dass er punkten kann. Magnier ist stark auf kurzen Wellen, aber die Kletterbeine hat er bei diesem Giro noch nicht gezeigt. Hohes Tempo dürfte ihm zusetzen. In Woche drei sind beide müde, doch die Motivation, das Feld für ein Finale zusammenzuführen, ist greifbar.
Der Etappenstart ist zwar wellig, aber nicht übermäßig schwer. Es hängt von der Rennhaltung ab, denn UAE alleine – mit fünf Fahrern, die teils eigene Ziele haben – kann keine starke Flucht stellen. Movistar könnte für Orluis Aular arbeiten; INEOS hat allen Grund, auf Ben Turner zu setzen; und NSN hat schon öfter für Corbin Strong gearbeitet. Sollte Astana keinen Mann in der Gruppe haben, ist Guillermo Thomas Silva ein interessanter Außenseiter.
Für Fahrer wie Jonathan Milan oder Dylan Groenewegen ist es kein Tag – chancenlos. In Bestform können Leute wie Paul Magnier und Tobias Lund Andresen allerdings durchkommen… Prognosen bleiben schwierig. Diese Teams haben wenig Gründe zu arbeiten, könnten aber profitieren. Toon Aerts, Ethan Vernon und Florian Stork sind weitere Namen für einen möglichen Sprint.
Und was machen die Klassementfahrer? Unabhängig vom Rennverlauf wird es ein intensiver Positionskampf in den Anstieg. Danach sind Attacken möglich, um den Etappensieg zu holen, falls die Ausreißer bis dahin gestellt sind. Die Kletterer werden naturgemäß vorne vertreten sein. Einige können sich mit einem cleveren Vorstoß lösen – natürlich Fahrer, die
Jonas Vingegaard gewähren lässt.
Afonso Eulálio, Egan Bernal, Derek Gee, Ben O'Connor, Michael Storer und Chris Harper sind dafür prädestiniert; auf dem Papier ist Giulio Ciccone in praktisch jedem Szenario ein Siegkandidat.
Auch eine erfolgreiche Flucht ist absolut möglich, mit einer ähnlichen Favoritenliste wie heute. Besonders gefährlich: Alberto Bettiol, Diego Ulissi, Lorenzo Milesi, Jasper Stuyven, Matteo Sobrero und Alec Segaert.
Prognose Giro d’Italia 2026 Etappe 18
*** Ben Turner, Orluis Aular, Jhonatan Narváez
** Giulio Ciccone, Alberto Bettiol, Paul Magnier
* Tobias Lund Andresen, Toon Aerts, Corbin Strong, Guillermo Thomas, Jonas Vingegaard, Jasper Stuyven, Matteo Sobrero, Alec Segaert, Lorenzo Milesi
Tipp: Kleiner Massensprint.
Wie: Ben Turner.