„Es war nicht die angenehmste Erfahrung“ – Felix Gall rutscht vom Giro d’Italia-Podium

Radsport
Dienstag, 19 Mai 2026 um 18:51
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Felix Gall verlor auf der 10. Etappe des Giro d’Italia seinen Podiumsplatz nach einem harten Tag gegen die Uhr. Der Kapitän des Decathlon CMA CGM Teams büßte im 42-km-Einzelzeitfahren von Viareggio nach Massa gegenüber mehreren direkten Gesamtklassement-Rivalen ein.
Der Österreicher startete als Gesamtdritter, 2:59 Minuten hinter Afonso Eulalio, rutschte nach Rang 32 auf der Etappe aber auf Platz vier ab, 4:22 Minuten hinter dem dominanten Sieger Filippo Ganna. Noch wichtiger für den GC-Kampf verlor Gall 2:28 Minuten auf Thymen Arensman, der Etappenzweiter wurde und von Rang sechs auf drei kletterte.
Gall gab zudem 1:22 Minuten an Jonas Vingegaard ab, der bis auf 27 Sekunden an die Maglia Rosa heranrückte, und 1:40 Minuten an Ben O’Connor, der nun Gesamtfünfter ist. Nachdem Gall Vingegaard in den Bergen vor dem Zeitfahren am stärksten gefordert hatte, zeigte sein schwächerer Tag auf dem flachen Kurs, wie schwer es wird, sich im Podiumskampf zu halten.
Im Gespräch mit Cycling Pro Net nach der Etappe sprach Gall offen über die Härte des Einsatzes, beharrte aber darauf, sich auf einem Kurs, der ihm nie liegen würde, völlig verausgabt zu haben. „Ich habe getan, was ich konnte“, sagte Gall im Ziel. „Ich bereue nichts.“

Gall verliert nach langem Zeitfahrtest den Podiumsplatz

Das war der Kern seiner Reaktion. Gall beschönigte die Schwierigkeit der Etappe nicht, stellte das Ergebnis jedoch auch nicht als Einbruch dar. Er rahmte es als einen Tag, an dem er seine Zielwerte traf, auch wenn diese nicht reichten, um stärkere Spezialisten im Zeitfahren abzuwehren.
Auf den Vergleich mit Vingegaard angesprochen, räumte Gall ein, die vollständigen Abstände noch nicht gesehen zu haben, machte aber klar, wie fordernd das Erlebnis war. „Ich weiß nichts über die Abstände, aber es war nicht die angenehmste Erfahrung“, sagte er. „Es war ein so langes Zeitfahren, aber ich habe getan, was ich konnte. Viel mehr hätte heute wohl nicht drin gelegen.“
Dieser letzte Punkt ist entscheidend. Galls Verlust war nicht nur ein schlechter Tag. Er erinnerte auch an den Unterschied zwischen seiner Kletterstärke und seiner Zeitfahr-Obergrenze. An steilen Ankünften wirkte er wie einer der wenigen Fahrer, die Vingegaard unter Druck setzen können. In einem langen, flachen Zeitfahren verschob sich die Gleichung komplett.

„Die Beine sind definitiv da“

Die zweite Streckenhälfte schien besonders weh zu tun. Gall passierte die erste Zwischenzeit bereits 1:27 Minuten hinter Ganna und 57 Sekunden langsamer als Arensman. Im Ziel wuchs dieser Rückstand auf Arensman auf 2:28 Minuten an – genug, um den Niederländer im Gesamtklassement an ihm vorbeizubringen.
Gall sagte, der Einsatz sei vor allem nach der 30-Minuten-Marke extrem hart geworden. „Nach 30 Minuten wurde es superlang, aber ich habe versucht, durchzuhalten, und mein Bestes gegeben“, sagte er.
Gefragt, ob er mit der gewünschten Geschwindigkeit und den angepeilten Werten gefahren sei, lieferte Gall eine aufschlussreiche Antwort. Die Leistungsdaten passten, der Zeitverlust kam dennoch. „Ich habe auf die Zahlen geschaut und es war genau das, was ich fahren wollte, ja“, erklärte er. „Aber über die Zeit weiß ich nichts. Die Beine sind definitiv da.“
Das gibt Decathlon Rückenwind, bevor das Rennen in Terrain zurückkehrt, das ihrem Kapitän besser liegt. Gall hat den virtuellen Podiumsplatz verloren, aber nicht den Glauben an seine Form. Das Problem: Etappe 10 hat die Rangordnung um ihn herum verschoben, und Arensman sitzt nun zwischen Gall und den Top Drei – mit einem stärkeren Allround-Profil.
Es gab zudem ein Ausrüstungsdetail bei Galls Fahrt: Der Österreicher verzichtete auf ein Vollvisier. Auf diese Entscheidung angesprochen, sagte er schlicht: „Ohne Visier war es für mich komfortabler.“
Komfort mag an einem schweren Tag eine Rolle gespielt haben, doch die GC-Bilanz ist klar. Gall überstand das Zeitfahren, entkam aber nicht dessen Folgen. Sein Giro lebt, doch will er auf das Podium zurückkehren, müssen nun die Berge die Rundfahrt wieder zu seinen Gunsten kippen.
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