„Es ist ein bisschen wie der erste Schultag“ – Pauline Ferrand-Prevot fiebert ihrem Saisonstart bei Strade Bianche entgegen

Radsport
durch Nic Gayer
Freitag, 06 März 2026 um 14:00
PaulineFerrandPrevot
Für Pauline Ferrand-Prevot hat das lange Warten auf Rennen endlich ein Ende. Nach einem Winter mit klarem Fokus auf Training und Höhentraining startet die amtierende Tour de France Femmes-Siegerin ihre Saison 2026 bei Strade Bianche Donne - einem Rennen, zu dem sie so stark wie noch nie anreist.
In einem Vorab-Interview mit LEquipe erzählte Ferrand-Prevot, dass sie dieses Gefühl kürzlich auch mit Tour-Sieger Tadej Pogacar geteilt hat. Beide warten seit Monaten auf ihre Rückkehr ins Renngeschehen.

Ein Winter voller Training und Vorfreude

„Witzig, ich habe gerade mit Tadej gesprochen“, erklärte sie. „Er ist seit den Weltmeisterschaften auch kaum gefahren. Er meinte: ‚Es ist schon so lange her!‘ Und ich habe genau dasselbe gedacht.“
„Auch wenn ich Training liebe, freue ich mich nach diesem langen Winter riesig darauf, wieder Rennen zu fahren“, fügte sie hinzu. „Es ist ein bisschen wie der erste Schultag nach den Sommerferien.“
Ferrand-Prevot reist nach einem intensiven Trainingsblock auf den Kanaren zur Strade Bianche. Dort bereitete sie sich drei Wochen lang im Höhentraining auf den Saisonstart vor. „Ich fühle mich sehr gut“, sagte sie. „Ich komme gerade von einem dreiwöchigen Höhentrainingslager auf Teneriffa zurück, und wir hatten gute Bedingungen. Ich fühle mich bereit.“
Wie stark die Konkurrenz wirklich ist, wird sich erst in der Toskana zeigen. Die Französin glaubt jedoch, dass sie bereits jetzt stärker ist als noch vor einem Jahr. „Wir kennen das Niveau der anderen noch nicht, aber im Vergleich zum vergangenen Jahr fühle ich mich deutlich besser und kann den Sieg anpeilen.“

Mehr Selbstvertrauen auf der Straße

Ihr wachsendes Selbstvertrauen spiegelt auch die Entwicklung seit ihrer vollständigen Rückkehr auf die Straße wider, nachdem sie über Jahre hinweg den Fokus auf Mountainbike gelegt hatte. „Letztes Jahr war mein Comeback und das Wiederentdecken des Straßenradsports“, erklärte sie. „Ich kam zur Strade noch mit dem Mindset einer Mountainbikerin. Diesmal reise ich als Straßenfahrerin an. Ich weiß, wozu ich fähig bin, und bin selbstsicherer.“
Bei der Strade Bianche Donne 2025 belegte Ferrand-Prevot den dritten Platz. Das Rennen lieferte ihr jedoch auch wichtige Erkenntnisse für den Umgang mit dem anspruchsvollen Kurs in der Toskana.
„Ich habe mir das Rennen noch einmal angeschaut“, sagte sie. „Ich habe viel Energie verbrannt, um zu der frühen Gruppe rüberzuspringen. Diesen Fehler würde ich heute nicht mehr machen.“
Die Schwierigkeit der Strade Bianche kann dabei trügerisch sein, erklärte sie, besonders wenn sich die Kilometer auf den Schotterstraßen summieren. „Am Anfang wirkt das Rennen nicht schwer, aber nach rund 100 Kilometern wird es hart. Es ist besser, die Kräfte richtig einzuteilen.“

Lernen an der Seite von Marianne Vos

Ein wichtiger Baustein ihrer Entwicklung auf der Straße ist die Erfahrung an der Seite von Marianne Vos beim Team Visma - Lease a Bike Women. „Mit Marianne zu fahren, ist eine Ehre“, sagte Ferrand-Prevot. „Ich lerne immer von ihr.“
Gleichzeitig spürt sie, dass die Mannschaft insgesamt stärker in die neue Saison geht. „Ich habe das Gefühl, dass das Team bereit ist und wir dieses Jahr ein Level höher klettern. Es sind neue Fahrerinnen dabei, die mich im Trainingslager beeindruckt haben.“

Neuer Status im Peloton

Der Sieg bei der Tour de France Femmes im vergangenen Jahr hat auch verändert, wie Ferrand-Prevot im Peloton wahrgenommen wird - eine Entwicklung, deren Ausmaß sie erst nach und nach verstand.
„Mein Status im Peloton hat sich verändert“, erklärte sie. „Bei den Weltmeisterschaften habe ich gemerkt, dass ich nicht wie eine Favoritin gefahren bin. Ich wartete, aber alle warteten darauf, dass ich fahre. Mir war nicht klar, dass sich mein Status geändert hatte. Das musste ich erst verarbeiten.“
Inzwischen fühlt sich die Französin deutlich wohler damit, die Rolle der Anführerin zu übernehmen. „Jetzt fühle ich mich eher als Favoritin und Teamleaderin, was mir zusätzliches Selbstvertrauen gibt. Das ist positiver Druck.“

Fokus auf das nächste Rennen

So sehr Ferrand-Prevot den Saisonstart herbeisehnt, so bewusst hat sie sich in den vergangenen Monaten von der ständigen Nachrichten- und Social-Media-Flut im Radsport ferngehalten.
Auf den französischen Hoffnungsträger Paul Seixas angesprochen, der am Wochenende ebenfalls Strade Bianche fahren wird, gab sie zu, die aktuellen Schlagzeilen kaum verfolgt zu haben.
„Ehrlich gesagt habe ich so lange weder Fernsehen noch Social Media verfolgt, dass ich gar nicht genau weiß, was in der Welt passiert“, sagte sie. „Ich mache lieber andere Dinge und bin im Moment präsent, statt so viel Zeit am Handy zu verbringen.“
Für den Moment zählt nur die Rückkehr ins Renngeschehen. Nach Monaten intensiven Trainings will die amtierende Toursiegerin nun sehen, wie sich ihre Vorbereitung auszahlt, wenn das Peloton wieder über die weißen Straßen der Toskana rollt.
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