„Es fehlten regelmäßig Menschlichkeit und Flexibilität“ – Ex-Profi Bert De Backer rechnet mit Picnic PostNL ab
Radsport
Bei Picnic PostNL liegen sportlicher Erfolg und negative Schlagzeilen derzeit besonders nah beieinander. Erst hatte Frits Biesterbos dem niederländischen Team seinen ersten WorldTour-Etappensieg der Saison 2026 beschert, doch nur einen Tag später rückte die Mannschaft aus ganz anderen Gründen in den Mittelpunkt. Am Donnerstag veröffentlichte NOS die Ergebnisse einer umfangreichen Untersuchung, für die insgesamt 71 aktuelle und ehemalige Fahrer sowie Mitarbeiter der Organisation befragt worden waren.
Mehrere Befragte berichteten von einer „Kultur der Angst“ und einem Klima des „Misstrauens“. Einige gingen sogar so weit, die Führungsmethoden innerhalb der Mannschaft mit einer „Diktatur“ zu vergleichen. Besonders deutlich äußerte sich der frühere Straßenkapitän Martijn Tusveld. Nun hat sich mit Bert De Backer ein weiterer ehemaliger Fahrer zu Wort gemeldet, der die internen Strukturen aus eigener Erfahrung kennt. Der heutige Sporza-Experte stand von 2009 bis 2017 bei der Mannschaft unter Vertrag und zeigte sich von den Enthüllungen nur bedingt überrascht. „Es war heftig zu hören, wie sehr das viele Fahrer getroffen hat“, erklärte er in der Sendung De Ochtend auf Radio 1.
Bert De Backer erlebte die erfolgreichste Ära des Teams
Während seiner neun Jahre bei der Mannschaft war De Backer unmittelbar am sportlichen Aufstieg der Organisation beteiligt. Aus einem ProTeam aus dem Mittelfeld entwickelte sich ein etabliertes WorldTour-Team, das sich mit den besten Mannschaften der Welt messen konnte. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Erfolgs war die gezielte Entdeckung und Förderung junger Talente. Mit Marcel Kittel, John Degenkolb, Tom Dumoulin und Warren Barguil brachte die Mannschaft mehrere spätere Spitzenfahrer hervor und entwickelte rund um diese Kapitäne ein äußerst erfolgreiches sportliches Konzept.
De Backer betonte allerdings, dass seine persönlichen Erfahrungen vor allem aus der erfolgreichsten Phase des Projekts stammen. Er verließ die Mannschaft nach der Saison 2017, in der Dumoulin mit seinem Triumph beim Giro d'Italia den einzigen Grand-Tour-Gesamtsieg der Teamgeschichte gefeiert hatte. „Eines möchte ich klarstellen: Ich fuhr in der erfolgreichen Phase des Teams“, stellte der Belgier ausdrücklich fest.
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Schon damals basierte das Erfolgsmodell auf einer äußerst systematischen Arbeitsweise und einer strikten Führung durch das Management. Zunächst schien dieser Ansatz hervorragend zu funktionieren. Doch im weiteren Verlauf entschieden sich sämtliche Kapitäne dafür, ihre Karrieren bei anderen Mannschaften fortzusetzen.
Aus Sicht von De Backer wurde gerade die kompromisslose Herangehensweise, die das Team einst stark gemacht hatte, zunehmend zu einem Problem. „Danach hielten sie an starren Plänen fest, um diesen Erfolg zu wiederholen. Ich habe den Eindruck, dass sie dabei extrem unflexibel blieben. Schon zu meiner Zeit fehlten regelmäßig Menschlichkeit und Flexibilität.“
Zu Beginn der 2020er-Jahre geriet das einst so erfolgreiche Projekt schließlich immer stärker ins Wanken. Der Radsport-Weltverband UCI verweigerte der Mannschaft eine dreijährige WorldTour-Lizenz. Inzwischen kämpft Picnic PostNL darum, in der UCI-Rangliste zumindest unter die besten 30 Teams zu kommen. Dabei steht die Organisation im Wettbewerb mit Mannschaften, die angesichts ihrer früheren Erfolge eigentlich deutlich hinter ihr liegen sollten.
„Besprechungen dienten nicht dazu, einen Konsens zu finden“
Dass das Verhältnis zwischen Fahrern und Teamführung nicht immer einfach war, hatte De Backer bereits während seiner aktiven Zeit erlebt. Besonders herzlich sei sein eigener Umgang mit dem Management nie gewesen. Solange die sportlichen Ergebnisse stimmten, habe die kompromisslose Arbeitsweise allerdings kaum größere Spannungen verursacht.
Mit zunehmendem zeitlichem Abstand zu den großen Erfolgen entwickelte sich diese Haltung nach seiner Einschätzung jedoch zu einem ernsthaften Hindernis. Immer mehr Fahrer prüften andere Möglichkeiten, bevor sie sich für einen Vertrag bei der Mannschaft entschieden. Dadurch wurde es zunehmend schwieriger, neue Talente für das Projekt zu gewinnen. „Diese Stärke, alles zu 300 Prozent durchzuziehen, wurde letztlich sicher auch zu ihrem Verhängnis“, erklärte De Backer.
Besonders kritisch erinnert sich der Belgier an die internen Besprechungen. Zwar habe es regelmäßig Möglichkeiten zum Austausch gegeben, doch ein wirklich offener Dialog sei seiner Wahrnehmung nach kaum möglich gewesen.
„Die Niederlande sind für offene Diskussionen bekannt. Auch im Team gab es zahlreiche Besprechungen, doch dabei ging es nicht darum, einen Konsens zu finden. Vielmehr suchte man nach einem Weg, die Fahrer dazu zu bringen, der Meinung des Managements zu folgen.“
Damit zeichnet De Backer das Bild einer Organisation, in der Gespräche zwar ausdrücklich vorgesehen waren, abweichende Ansichten jedoch kaum Einfluss auf die Entscheidungen der Verantwortlichen hatten. Die strengen Abläufe ließen den Fahrern seiner Darstellung zufolge nur wenig Raum, eigene Vorstellungen einzubringen.
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Selbst De Backer schwieg schließlich: „Ich sagte schneller einfach Ja“
Wie sehr ihn diese Erfahrungen geprägt hatten, zeigte sich nach eigenen Angaben besonders gegen Ende seiner Zeit bei der Mannschaft. Obwohl De Backer sich selbst als jemanden beschreibt, der seine Überzeugungen offen vertritt und auch bereit ist, dafür zu kämpfen, zog er sich in seinem letzten Vertragsjahr zunehmend aus Diskussionen zurück.
Der Grund dafür war seine Überzeugung, dass seine Argumente bei den Verantwortlichen ohnehin kein Gehör finden würden. Anstatt erneut Zeit und Energie in ergebnislose Gespräche zu investieren, habe er schließlich häufiger einfach zugestimmt.
„Ich kämpfe gern für meine Meinung. Doch selbst ich sagte in meinem letzten Vertragsjahr schneller einfach ‚Ja‘, um mir eine weitere Besprechung zu ersparen. Ich kann mir vorstellen, dass diese Vorgehensweise junge Fahrer, die gerade ihren Traum leben, über ihre Grenzen treibt.“
Gerade dieser letzte Punkt bereitet dem ehemaligen Profi rückblickend Sorgen. Wenn bereits ein erfahrener Fahrer wie er irgendwann darauf verzichtet habe, seine Meinung offen zu vertreten, könne der Druck auf junge Talente, die gerade erst im professionellen Radsport Fuß fassen, umso größer sein. De Backers Aussagen ergänzen damit die Berichte aus der NOS-Untersuchung um die Perspektive eines Fahrers, der die Mannschaft noch während ihrer erfolgreichsten Jahre erlebt hat – und schon damals deutliche Schwächen im Umgang mit den Menschen innerhalb der Organisation wahrnahm.

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Also bitte, 1 MRT und man weiß bescheid. Vorausgesetzt die Ärzte sind keine Vollpfosten. Ich schreibe das, weil schon wieder PPNl das Thema ist.Wurm30-10-2026
- Wer ist Kimi Antonelli und hat Mercedes jetzt ein Radteam?Wurm29-10-2026
- Sorry für meine Vertipper. Seltsam, dass man nichtmal 5 Minuten lang editieren kann.Wurm25-10-2026
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026










