„Er will ans Hinterrad – aber genau dort überzieht er“: Ex-Profi sieht entscheidenden Fehler von Jonas Vingegaard

Radsport
durch Nic Gayer
Freitag, 10 Juli 2026 um 13:00
Jonas Vingegaard wurde auf Etappe 6 von Tadej Pogacar attackiert
Als Tadej Pogacar an den steilen Rampen des Col du Tourmalet auf der 6. Etappe der Tour de France angriff, reagierte Jonas Vingegaard zunächst nicht auf die Attacke. Kurz darauf nahm der Däne zwar die Verfolgung auf, doch genau darin lag aus Sicht der Ex-Profis Thomas Dekker und Laurens ten Dam der entscheidende Fehler.
Vingegaard kam Pogacar zunächst bis auf wenige Sekunden näher, musste für diesen Kraftakt jedoch teuer bezahlen. Während dem Dänen schließlich die Kräfte ausgingen, konnte Pogacar das Tempo weiter hochhalten und seinen Vorsprung kontinuierlich ausbauen.

Thomas Dekker sieht taktischen Fehler von Vingegaard

Nach seiner Attacke am Tourmalet setzte sich Pogacar auch auf der Abfahrt weiter ab. Anschließend spielte ihm der flache Schlussanstieg in die Karten – ein Terrain, das dem Weltmeister besonders liegt. So wuchs sein Vorsprung von rund 30 Sekunden auf der Passhöhe bis ins Ziel 38 Kilometer später auf 2:38 Minuten an.
Jonas Vingegaard bei der Tour de France.
Jonas Vingegaard hielt Tadej Pogacar am Tourmalet zunächst in Schlagdistanz, musste seiner intensiven Verfolgungsjagd am Ende jedoch Tribut zollen.
Für Thomas Dekker war der Schlüsselmoment allerdings bereits an den Hängen des Tourmalet erreicht. Seiner Ansicht nach machte Vingegaard einen entscheidenden Fehler, als er Pogacars erste Attacke nicht direkt mitging und stattdessen versuchte, die Lücke später wieder zu schließen. Mit seiner Verfolgungsjagd sei der Däne letztlich „als richtiger Radprofi“ mitten ins Feuer gefahren.
„Ich glaube, er macht einen kleinen Fehler“, sagte Dekker gegenüber WielerRevue. „Er hält sich daran, was abgesprochen war. Er lässt sie fahren, aber zwei Kilometer vor dem Gipfel des Tourmalet ist er ein richtiger Radfahrer.“
Wie schon so häufig erwies sich Pogacars unnachgiebiges Tempo als zu hoch für seine Verfolger. Auch Vingegaard musste dieser Belastung letztlich Tribut zollen. Dekker verwies zudem auf die Abfahrtsqualitäten des viermaligen Tour-Siegers und fragte sich, wie das Finale verlaufen wäre, wenn der Däne den Gipfel mit einem geringeren Rückstand erreicht hätte.
„Er will ans Hinterrad, aber genau dort überzieht er. Ich halte Pogacar ohnehin für den besseren Abfahrer, aber wenn du oben mit 16 statt 30 Sekunden Rückstand ankommst, denkst du: Was soll schon passieren? Dann siehst du ihn fahren, und vor dir fährt auch noch ein Motorrad.“

Laurens ten Dam schwärmt von Pogacars Abfahrt

Auch Laurens ten Dam zeigte sich beeindruckt davon, wie lange Vingegaard der Attacke seines großen Rivalen Widerstand leisten konnte. Den größten Unterschied machte für den Niederländer letztlich jedoch Pogacars kompromisslose Fahrt in der Abfahrt.
„Zwei Kilometer vor dem Gipfel hast du Vingegaard durch eine Kurve fahren sehen. Für einen Moment nimmt er dort den Druck von den Beinen. So gut das bei so einer Belastung eben geht.
„Dann bringt er den Tourmalet noch ordentlich hinter sich, aber du siehst, wie Pogacar die Abfahrt wirklich attackiert. Ich habe zwischendurch sogar die Backen zusammengekneift. Er hat am Tourmalet bergab mehr gutgemacht als bergauf.“
Nach der sechsten Etappe führt Pogacar das Gesamtklassement der Tour de France mit 2:42 Minuten Vorsprung auf Vingegaard an. In den kommenden Tagen dürfte der Kampf um das Gelbe Trikot zunächst etwas in den Hintergrund rücken. Bereits die 7. Etappe am Freitag gilt als klassisches Terrain für die Sprinter und dürfte aller Voraussicht nach mit einem Massensprint enden.
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Loading