„Er verpasste einen Anruf des Präsidenten“ – Afonso Eulalios Giro-d’Italia-Märchen erreicht Portugals höchstes Amt

Radsport
Donnerstag, 21 Mai 2026 um 16:15
Afonso Eulalio
Afonso Eulalios Giro d'Italia hat längst die übliche Logik eines überraschenden Laufs im Maglia Rosa gesprengt. Der Bahrain - Victorious-Profi hat die Berge überstanden, das Zeitfahren überlebt, Jonas Vingegaard um 27 Sekunden in Schach gehalten und steht nun im Zentrum einer wachsenden nationalen Geschichte in Portugal.
Das deutlichste Zeichen kam am Ruhetag, als Eulalios Telefon mit einer unbekannten Nummer klingelte. Wie viele es tun würden, nahm er nicht ab.
Es stellte sich als ein ziemlich wichtiger verpasster Anruf heraus.
Wie Rob Hatch in der TNT Sports-Übertragung der 11. Etappe erklärte, gab es damit einen weiteren surrealen Baustein in Eulalios Aufstieg beim Giro. „Er hat wortwörtlich einen Anruf vom Präsidenten verpasst“, sagte Hatch. „Was für eine Geschichte! Davon kann er ein paar Jahre länger zehren als vom Maglia Rosa.“

Eulalios Rosa-Fahrt wird zur portugiesischen Geschichte

Eulalio startete in diesen Giro als Außenseiter im Gesamtklassement. Vor zwei Jahren, so erinnerte Hatch, fuhr er noch als portugiesischer Inland-Profi in einem Drittligateam. Jetzt verteidigt er in der zweiten Woche einer Grand Tour das Maglia Rosa gegen Vingegaard.
Dieser plötzliche Aufstieg blieb zu Hause nicht unbemerkt. Laut Record versuchte Portugals Präsident Antonio Jose Seguro, Eulalio anzurufen, um zu gratulieren. Auch der legendäre Ex-AC-Milan-Fußballer und heutige Benfica-Präsident Rui Costa meldete sich.
Eulalio reagierte später mit einer Mischung aus Amüsement und Ungläubigkeit auf den verpassten Anruf. „Der Präsident hat versucht, mich anzurufen und mir eine Nachricht hinterlassen“, sagte er laut Record. „Ich glaube, ich mache wohl etwas richtig. In diesen Tagen habe ich so viele Anrufe und Nachrichten, auf die ich nicht geantwortet habe, und ein paar Stunden später bekam ich dann die Nachricht.“
Afonso Eulalio beim Giro d’Italia 2026
Afonso Eulalio during the 2026 Giro d'Italia

Klingelt als Nächstes Ronaldo?

Die Geschichte reicht bereits über den Radsport hinaus, und die TNT-Übertragung konnte der Versuchung nicht widerstehen, die portugiesische Sportbrücke noch etwas weiter zu schlagen. Mit Rui Costa bereits im Reigen der Reaktionen witzelte Hatch, Cristiano Ronaldo könne der nächste Anrufer auf Eulalios Handy sein.
„Vielleicht kriegt er bald einen Anruf von Ronaldo, man weiß ja nie“, sagte Hatch. „Wir wissen, Cristiano schaut den Giro d’Italia leidenschaftlich. Wenn du zuschaust: Greif zum Telefon, gib ihm mal ein Klingeln, Kumpel.“
Diese Pointe sollte man nicht überdehnen. Es gibt keinen Hinweis, dass Ronaldo Kontakt zu Eulalio aufgenommen hat. Doch die Tatsache, dass sein Name selbstverständlich fällt, zeigt, wie außergewöhnlich dieser Giro-Lauf geworden ist. Eulalio ist nicht mehr nur ein Fahrer, der Rosa verteidigt. Er trägt eine der größten portugiesischen Radsportgeschichten der letzten Jahre.

Vingegaard-Gefahr vorerst gebannt

Der sportliche Kern der Geschichte bleibt die Verteidigung des Maglia Rosa. Etappe 10 schien der Tag, an dem Vingegaard den Giro endgültig übernehmen würde. Das 42-km-Zeitfahren sollte Eulalios Schwäche gegen die Uhr schonungslos offenlegen.
Stattdessen begrenzte Eulalio den Schaden gerade genug. Vingegaard nahm 1:57 ab, doch der Portugiese behielt das Trikot mit 27 Sekunden Vorsprung.
Eulalio gab danach zu, dass selbst er kaum glauben konnte, genug getan zu haben. „Im ersten Moment denke ich, es stimmt nicht, was sie mir sagen“, sagte er bei TNT Sports nach Etappe 10. „Aber im letzten Teil sagen sie mir zwei Minuten, ich habe 30 Sekunden, um das Trikot zu behalten, um weiterzukämpfen. Doch als sie mir das zuerst sagen, glaube ich nicht, dass ich es geschafft habe.“
Etappe 11 brachte ihm dann einen weiteren Tag in Rosa, während Jhonatan Narvaez seinen dritten Etappensieg dieses Rennens für UAE Team Emirates - XRG vor Enric Mas holte.
Für Eulalio bleibt der Giro ein täglicher Kampf. Vingegaard liegt weiter nur 27 Sekunden zurück, Thymen Arensman ist auf Gesamtrang drei vorgerückt, und die härtesten Bergetappen stehen noch bevor. Doch das Märchen hat die Rennstraße längst verlassen. Wenn der Präsident anruft und Ronaldo live im Fernsehen ins Spiel gebracht wird, ist das Maglia Rosa nicht mehr nur ein Trikot. Es wird zum nationalen Ereignis.
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