„Er schaute auf seinen Computer“: Kuriose Bus-Kollision zwingt Jhonatan Narváez zum Ausstieg aus dem Giro

Radsport
Sonntag, 31 Mai 2026 um 8:00
Jhonatan Narvaez
Der plötzliche Ausstieg von Jhonatan Narváez beim Giro d’Italia, nur wenige Kilometer nach dem Start der 19. Etappe, war ein Schock und nahm der Rundfahrt einen ihrer prägendsten Akteure (drei Etappensiege) sowie Paul Magniers größten Rivalen im Kampf um die Maglia Ciclamino. UAE Team Emirates-XRG-Sportdirektor Manuele Mori hat nun die surreale Vorgeschichte des Ausstiegs offengelegt: eine Kollision mit einem Teambus, die sich zunächst wie ein leichter Schleudertrauma-Effekt anfühlte, im Rennen aber zu Schwindel und Nasenbluten eskalierte.

Vom Datenfeld abgelenkt

Der Keim des Debakels wurde am Donnerstagnachmittag nach dem Ziel der 18. Etappe gelegt. Narváez fuhr zurück zum Teambus, als ein kurzer Moment der Unachtsamkeit in einem schmerzhaften Sturz endete.
„Am Donnerstag nach der Etappe nach Pieve di Soligo war Jhonatan etwas abgelenkt und schaute auf seinen Radcomputer, während er zu den Bussen zurückrollte“, schilderte Mori gegenüber Bici Sport. „Ein Bus vor ihm bremste, er bemerkte es nicht, und es kam zum Aufprall. Zunächst wirkte es nicht gravierend, nur ein paar Verspannungen im Nacken und Rücken, die klassische Steifigkeit nach einem Schlag.“
Während der ecuadorianische Meister am Freitagmorgen in der Hoffnung startete, die Steifigkeit könne nachlassen, lösten die Intensität der Dolomiten-Etappe (und die steigenden Temperaturen) eine deutlich beunruhigendere Reaktion aus.
„Gestern litt er von Beginn an, wohl auch wegen der Hitze und der Belastung, und er bekam Nasenbluten“, erklärte Mori. „Er fühlte sich schwindelig, wahrscheinlich auch etwas verängstigt, und so haben wir zusammen mit den Rennärzten entschieden, ihn aus dem Rennen zu nehmen.“
Auf die Frage, ob vor dem Start wirklich alles normal gewirkt habe, bestätigte Mori, dass das Team bis zum Rennbeginn keinen medizinischen Notfall vermutete. „Ja, abgesehen von diesen paar Verspannungen, klassischer Schleudertrauma-Effekt“, ergänzte Mori. „Aber im Rennen ging es ihm deutlich schlecht, deshalb haben wir ihn – auch vorsorglich – aussteigen lassen.“
Jhonatan Narváez beim Giro d'Italia 2026
Narváez gewann 3 Etappen beim Giro d'Italia 2026

Bittersalz im Kampf um die Maglia Ciclamino

Der Ausstieg ist ein herber Rückschlag für Narváez, der zwei Wochen lang in ein hochintensives Duell um die Punktewertung verstrickt war. „Er war sehr enttäuscht und regelrecht niedergeschmettert, weil ihm das wirklich am Herzen lag; er hat jeden Tag für das Ciclamino gekämpft“, so Mori. „Wir waren alle sehr enttäuscht, aber die Gesundheit geht vor.“
Narváez hat die Rennblase bereits verlassen, um zu seiner Familie zurückzukehren und die Genesung geordnet anzugehen. „Ja, er ist heute Morgen mit einem Flug abgereist“, bestätigte Mori.
Mit dem näher rückenden Juli richtet sich der Blick nun darauf, ob der vielseitige Puncheur die Tour de France bestreiten kann. Es wäre sein zweiter Start bei der Grande Boucle.
„Das weiß ich noch nicht, Matxin und der technische Stab werden das später entscheiden“, schloss Mori. „Aber sicher ist: Nach etwas Ruhe wird er bereit sein, ins Renngeschehen zurückzukehren.“
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