„Er kann sich definitiv verbessern, und der Spielraum ist da“: Einblicke in Giulio Pellizzaris Entwicklung im Zeitfahren vor dem Giro d’Italia

Radsport
Samstag, 28 März 2026 um 7:00
Giulio Pellizzari
Giulio Pellizzari ist nicht mehr nur ein hoffnungsvolles Klettertalent. Bei Red Bull - BORA - hansgrohe wird akribisch daran gearbeitet, den jungen Italiener zu einem Fahrer für jedes Terrain zu formen – inklusive Kampf gegen die Uhr. Mit einem 40-Kilometer-Zeitfahren auf der Strecke des Giro d’Italia 2026 könnte das Timing kaum passender sein. John Wakefield, Director of Coaching, Sports Science and Technical Development des Teams, sprach ausführlich über den Prozess.

Fast bei null begonnen

Als Pellizzari zu Red Bull - BORA - hansgrohe kam, stand zunächst die Bestandsaufnahme. „Das Erste war herauszufinden, wo er bei seinem vorherigen Team stand. Danach sind wir zu unserer eigenen biomechanischen Analyse übergegangen. Wie können wir seine Position verbessern – zunächst ohne an Aerodynamik oder anderes zu denken, rein aus Positionierungs-Sicht?“, erklärte Wakefield im Interview mit bici.pro.
Darauf aufbauend folgten Outdoor- und Indoor-Tests, Bahneinheiten und Windkanalbesuche. „Wir waren mit ihm am Ende der letzten Saison im Windkanal, um das zu verfeinern, was wir während der Saison beobachtet hatten, und alles, was wir beim nächsten Giro sehen, wird uns erlauben, weitere mögliche Verbesserungen zu bewerten“, sagte er.
Die Resultate sind bereits sichtbar. Auf dem Zeitfahrrad wirkt Pellizzari deutlich kompakter als vor zwei Jahren, und Wakefield nannte die Gründe klar. „Die Verkürzung der Position war eher eine aerodynamische als eine leistungsbezogene Entscheidung. In dieser Phase geht es schlicht darum, die Position nachhaltig zu machen, sodass Giulio sie auf der Geraden möglichst lange halten kann.“
Ein Schlüsselbaustein seiner Entwicklung ist die große Zeitmenge auf der Zeitfahrmaschine. „Er absolviert jede Woche spezifische Einheiten. Entscheidend ist die akkumulierte Zeit auf dem TT-Bike. Er muss keine einzelne Acht-Stunden-Fahrt machen, zwei Vier-Stunden-Fahrten funktionieren genauso gut. Manche Einheiten sind qualitativ wichtig, andere längere Ausdauerfahrten“, erläuterte Wakefield. Ergänzend wurden gezielte Rolleneinheiten ins Programm aufgenommen.
Auch Pellizzari selbst zeigt sich von diesem Prozess angetan. „Ich habe am Zeitfahren gearbeitet – große Sorgen hat es mir nie bereitet. Es ist eine Disziplin, die mir liegt, und ich trainiere auch gern auf dem TT-Rad, daher habe ich mich verbessert. Es gibt noch viel zu tun, aber ich bin sicher, dass wir weiter Fortschritte machen werden“, sagte er nach Rang zwölf bei Tirreno–Adriatico, 37 Sekunden hinter Filippo Ganna.
Wettkämpfe spielen neben dem Training eine zentrale Rolle. „Im Rennen auf dem Rad zu sitzen, ist anders als im Training. Der Körper reagiert in zwei verschiedenen Modi, besonders im Zeitfahren. Deshalb sind für ihn die nationalen Meisterschaften wichtig, und sie liefern uns Daten und Informationen, die wir künftig zur Verbesserung nutzen können“, betonte Wakefield.
Giulio Pellizzari bei der Teampräsentation von Milano–Sanremo 2026
Giulio Pellizzari bei der Teampräsentation von Milano–Sanremo 2026

Weiteres Entwicklungspotenzial

Auf die direkte Frage, ob sich Pellizzari im Zeitfahren noch steigern könne, blieb Wakefield eindeutig. „Er kann sich definitiv verbessern. Ich würde sagen, er steht mit dem TT noch relativ am Anfang, und das war bei seiner Ankunft bei uns erkennbar. Ja, er hatte das Rad bereits genutzt, aber nicht mit derart gezielter, kurzfristiger Vorbereitung wie jetzt. Er hat signifikante Fortschritte gemacht, das sieht man an den Ergebnissen.“
Wie groß der weitere Sprung sein kann, bleibt laut Wakefield offen. „Wird er sich weiter verbessern? Und wie groß oder bedeutsam wird diese Verbesserung sein? Wir können nicht sagen, ob es weitere fünf oder zehn Prozent werden oder vielleicht nur drei Prozent. Aber das Ziel ist, mit ihm kontinuierlich besser zu werden – und das können wir, weil die Reserven vorhanden sind.“
Der Körper, so erklärte er, brauche Zeit, um sich an Positionsänderungen zu gewöhnen, bevor das Team weitergehen könne. „Er muss sich mit dieser Veränderung vollkommen wohlfühlen, dann können wir aggressiver werden – in Sachen Aerodynamik, Leistungsabgabe oder Effizienz im Sattel“, schloss er.
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